Gut für Joseph Ratzinger, schlecht für die katholische Kirche

Laut Kirchenrecht darf ein Papst „zurücktreten“, wenn er dafür stichhaltige Motive hat. Benedikt XVI. hat seine Motive genannt („Ich muss mein Unvermögen erkennen, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.“). Dennoch ist vor Joseph Ratzinger erst ein Papst zurückgetreten: Coelestin V. 1294. Warum das bisher so selten vorkam?

  • Weil Menschen in aller Regel deshalb mächtig werden, weil sie die Macht brauchen und deshalb an ihr hängen.
  • Weil ein Mensch mit der Wahl zum Papst für viele Gläubige eine Gottesähnlichkeit erhält, ein Zurück zum „normalen“ Mensch dem Amt deshalb Glanz entzieht.
  • Weil in einer demokratischen Welt, in der das Arbeitsleben befristet und Amtszeiten endlich sind, ein Amt auf Lebenszeit als Besonderheit wahrgenommen und deshalb besonders viel Medienaufmerksamkeit erhält. Alt und gebrechlich werden in der Öffentlichkeit wenige Menschen. Das öffentliche Leiden von Johannes Paul II. hatte dem Vatikan größtmögliche Medienpräsenz beschert.

Die Entscheidung von Joseph Ratzinger ist in höchstem Maße verständlich (Georg Ratzinger: „Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe.“). Aus Sicht der Aufmerksamkeitsökonomie schadet sie der katholischen Kirche. Das Papst-Amt und damit die römisch-katholische Kirche verliert an Aufmerksamkeit und Einzigartigkeit und wird dadurch zu anderen Religionen weniger unterscheidbar –  ökonomisch gesagt: Es gehen Alleinstellungsmerkmale verloren.

Siehe auch Pixelökonom-Post: „Ökumene ökonomisch betrachtet

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3 Kommentare zu „Gut für Joseph Ratzinger, schlecht für die katholische Kirche

  1. „Warum das bisher so selten vorkam?“

    Wie bitte?

    1) Es gab 4 Päpste die offiziell zurückgetreten sind (wenn man die vielen anderen nicht hinzurechnet, die schnell und ungewöhnlich verstarben oder gerade so am Leben erhalten worden sind, wie der letzte Papst).

    2) Es gibt andere Begründungen. Bei Ratzinger eine naheliegende: Er hatte keine Lust und Kraft mehr, sich mit der Korruption zu beschäftigen und er fand zu der Begründung, dass seine Gesundheit und Kraft nicht mehr ausreiche. Das geht relativ klar aus seinem Abschiedsworten hervor.

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