Wie das Märchen von der weit verbreiteten Altersarmut wahr werden könnte

Altersarmut ist in Deutschland bisher ein relativ kleines Problem: 2,6 Prozent der Menschen im Alter über 65 Jahren sind auf Grundsicherungsleistungen angewiesen. Damit ist das Armutsrisiko (weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens) für Rentner nicht größer als für andere Bevölkerungsgruppen.

Aber was bringt die Zukunft? Sinkende Rentenniveaus aufgrund der demografischen Entwicklung zum Beispiel könnten die Altersarmut zunehmen lassen.

„Zur Frage, in welchem Ausmaß die Altersarmut in Zukunft zunehmen könnte, gibt es derzeit noch wenig belastbare Evidenz“, schreiben allerdings Martin Gasche und Bettina Lamla vom Munich Center for the Economics of Aging (MEA) am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in einem aktuellen Paper mit dem Titel „Erwartete Altersarmut in Deutschland: Pessimismus und Fehleinschätzungen – Ergebnisse aus der SAVE-Studie“.

Trotz fehlender wissenschaftlicher Belege ist das Thema „Altersarmut“ in vieler Munde. „Während die Politik offenbar von einer Zunahme der Altersarmut überzeugt ist, stellt sich die Frage, ob die Bevölkerung dies auch so sieht: Erwarten die Haushalte in Deutschland eine zunehmende Altersarmut?“, fragen die Autoren und haben dafür eine dritte Studie ausgewertet.

Ihr Ergebnis:

Haushalte in Deutschland erwarten eine Zunahme der Altersarmut in den nächsten 20 Jahren. Dies ist eines der Ergebnisse der repräsentativen SAVE Studie. 38 Prozent der Haushalte glauben sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent und mehr, selbst im Alter auf Grundsicherungsleistungen angewiesen zu sein.

Die beiden Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass viele Menschen einer Fehleinschätzung hinsichtlich der Altersarmut unterliegen. Es werden also tatsächlich viel weniger Menschen von Altersarmut betroffen sein, als heute glauben.

Diese (pessimistische) Fehleinschätzung kann einen fatalen Effekt haben: Wer glaubt, später von Grundsicherung zu leben, für den lohnt es sich nicht vorzubeugen. Er spart sich das Sparen. Die Folge: Die pessimistischen Erwartungen treten tatsächlich ein.

Gasche und Lamla:

Fehleinschätzungen bezüglich des Grundsicherungsbezugs sowie Pessimismus können das Verhalten derart beeinflussen, dass die Haushalte weniger vorsorgen und sich somit ihre finanzielle Situation im Alter tatsächlich schlechter darstellt. Anhand der Daten können wir zeigen, dass Haushalte, die Grundsicherung erwarten, sich signifikant von der Gruppe unterscheiden, die keine Grundsicherung erwartet, und tatsächlich ein anderes Spar- und Arbeitsmarktverhalten an den Tag legen.

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Ein Gedanke zu “Wie das Märchen von der weit verbreiteten Altersarmut wahr werden könnte

  1. Das Thema Altersarmut ist ein sehr schwieriges Thema. Die meisten Beschäftigen sind der Meinung einer schwierigen Zukunft ins Auge zu blicken und gaben in Befragungen an, dass sie davon ausgehen, dass ihre spätere Rente nicht aussreichen wird. Das Einkommen ist und bleibt bezogen auf die persönlichen Zukunftsaussichten das wichtiste Kriterium. In einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, gaben fast die Hälfte der Befragten an, dass sie Angst haben, ab einem bestimmten Alter eine Last für Angehörige zu sein.

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