Noch nie hat der Staat mehr Steuern eingenommen als in diesen Monaten. Wird der Staat immer gefräßiger? Nimmt er den Menschen immer mehr weg?

Mit absoluten Zahlen wird häufig schön- oder schwarzgefärbt, je nach Ziel. Eine adäquate Antwort gibt nur die Verhältnismäßigkeit, die Einordnung in die Zeit.

So ist es etwa meist Erkenntnis bringend, wenn man Geldbeträge, welche man über die Zeit vergleicht, um die Inflationsrate bereinigt. Mit 1000 Euro konnte man eben vor fünf Jahren noch deutlich mehr kaufen als heute. Lässt man die Inflation außen vor, erscheint der Wohlstand heute größer als er tatsächlich ist.

Für die Einordnung der Höhe der Steuereinnahmen ist eine zweite Zahl wichtig, nämlich das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, also das, was eine Gesellschaft in einer gewissen Zeitspanne erwirtschaftet. Setzt man BIP und Steuereinnahmen ins Verhältnis, dann wird deutlich, wie viel sich der Staat von dem, was die Menschen leisten, per Steuern wegnimmt (freilich um es danach erneut zu verteilen).

Der Gewerkschafter Patrick Schreiner hat absolute Zahlen und Verhältnisse auf dem Blog annotazioni.de anschaulich in eine Grafik gepackt.

Ich kann die Zahlen nicht überprüfen, stimmen sie, dann steht fest:

  • Seit mehr als 20 Jahren pendeln die Steuereinnahmen konstant zwischen 21 und 23 Prozent des BIP.
  • Tatsächlich war, auch inflationsbereinigt, das vergangene Jahr dasjenige, mit den höchsten Steuereinnahmen.

Selbst um den Kaufkraftverlust bereinigt, waren die Steuereinnahmen 2011 also so hoch wie noch nie, und dennoch nimmt sich der Staat den gleichen Anteil wie seit Jahren. Wie geht das zusammen? Weil die Wirtschaft wächst. Denn wenn das BIP zunimmt, dann steigen eben auch die Steuereinnahmen, selbst wenn der Steueranteil gleich bleibt. Gierig ist wohl anders.

Allerdings: Der fokussierte Blick auf die Steuereinnahmen verkennt, dass der Staat viel mehr umverteilt. Bezieht man die gesetzlichen Sozialversicherungssysteme mit ein, bekommt man eine Staatsquote von knapp 50 Prozent – allerdings auch die seit Jahren ziemlich konstant.

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One thought on “ Ist der Staat gierig? ”

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