Wer gebildeter ist, lebt gesünder – Aber schafft mehr Bildung auch mehr Gesundheit?

Das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW hat eine Studie veröffentlicht, welche den Zusammenhang von Gesundheit von Bildung untersucht hat. Genauer gesagt stellt die Studie (Datenbasis: SOEP) einen Zusammenhang von Bildungsabschluss von Müttern zum Gesunheitszustand ihrer Kinder her.

„Jugendliche rauchen häufiger, treiben seltener Sport und sind öfter übergewichtig, je niedriger der Schulabschluss ihrer Mutter ist. Zumindest ein Teil dieser gesundheitsbezogenen Unterschiede kann ursächlich auf die Bildung der Mütter zurückgeführt werden.“

Es wird nicht lange dauern, bis daraus folgende öffentliche Forderung erhoben werden wird: Dass es mehr Bildungsinvestitionen braucht, in diesem Fall für Frauen, damit es Kindern besser geht.

Doch der Zusammenhang von mehr Bildung gleich mehr Gesundheit könnte ein konstruierter sein. Denn möglicherweise ist die Korrelation eine Scheinrelation und in Wirklichkeit durch eine dritte, unberücksichtigte Variable beinflusst.

Etwa die von den unterschiedlichen Zeitpräferenzen der Menschen.

Manche Menschen leben stärker im Augenblick (Liberté toujours) und kümmern sich weniger um die langfristigen Konsequenzen. Sie rauchen, trinken und investieren beispielsweise nicht (durch anstrengendes Lernen in der Gegenwart) in einen zukünftigen Bildungsabschluss. Wem dagegen die eigene Zukunft wichtig ist, der überlegt sich die Sache mit dem Tabakkonsum zweimal und der ist auch eher bereit zu büffeln.

Wer also eher kurzfristig denkt, wird sich tendenziell sowohl ungesünder ernähren als auch weniger lernen. Das eine folgt also nicht dem anderen, sondern hat seine Ursache in einem dritten Grund, der Zeitpräferenz. Wenn dem so ist, dann ist die politische Forderung nach mehr Bildung für mehr Gesundheit unsinnig, weil nicht zielführend. Der Kausalzusammenhang ist schlicht nicht vorhanden.

Möglich ist allerdings auch, dass es die Kausalkette doch gibt, wenn auch indirekt. Wenn nämlich Bildungsinvestitionen den Horizont erweitern. Vielleicht wird, wer sich bildet, dessen Zukunft wichtiger. Gerade weil er die Ernte seiner Arbeit erst in der Zukunft einfahren wird. Dann wäre die Kausalkette folgelnde: mehr Bildung -> Zukunft wird wichtiger -> gesundheitsschädigendes Verhalten nimmt ab. Dann wiederum würde tatsächlich ein Anstieg der Bildungsausgaben tendenziell die Volks(kinder)gesundheit verbessern.

Fazit: Der häufig gezogene Rückschluss, dass mehr Bildung die Menschen gesünder leben lässt, ist zumindest unsicher.

Ergänzung, 06. Februar 2013: Jan Marcus, einer der Autoren der Studie, hat sich unten im Kommentar zu Wort gemeldet und erklärt, dass in der Studie versucht wurde, den Einfluss von unbeobachteten Faktoren herauszurechnen. Ergebnis: „Zumindest ein Teil dieser gesundheitsbezogenen Unterschiede kann ursächlich auf die Bildung der Mütter zurückgeführt werden.“

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2 Kommentare zu „Wer gebildeter ist, lebt gesünder – Aber schafft mehr Bildung auch mehr Gesundheit?

  1. Lieber Herr Eber,

    vielen Dank, dass Sie unsere Studie in Ihrem Blog diskutieren. Sie haben recht mit ihrer Einschätzung, dass aus der Korrelation zwischen dem Bildungsabschluss von Müttern und dem Gesunheitszustand ihrer Kinder noch nicht gefolgert werden kann, dass der Zusammenhang kausal ist. Das behaupten wir auch gar nicht in der Studie!

    Um zu untersuchen, inwiefern die ermittelten Korrelationen tatsächlich einen kausalen Effekt der Bildung darstellen, versuchen wir den Einfluss von unbeobachteten Faktoren (wie z.B. die von Ihnen erwähnte unterschiedliche Zeitpräferenz) mittels eines sogenannten Instrumentvariablen-Ansatzes herauszurechnen. Dabei nutzen wir finanzielle Restriktionen im Haushalt der Großeltern zur Zeit der Kindheit der Mutter, um die Kausaleffekte der mütterlichen Bildung zu identifizieren. Bei der Anwendung dieses Ansatzes konnten wir zeigen, dass zumindest das bessere Gesundheitsverhalten der Töchter ursächlich auf die Bildung der Mutter zurückzuführen ist.

    Es gilt also: „Zumindest ein Teil dieser gesundheitsbezogenen Unterschiede kann ursächlich auf die Bildung der Mütter zurückgeführt werden.“

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