Ich habe den Aufsatz „What is Capitalism?“ (1967) der 1982 verstorbenen libertären Galionsfigur Ayn Rand gelesen. Hier einige Zitate aus dem Aufsatz, die Antworten auf interessanten Fragestellungen geben:

Warum braucht es Eigentumsrechte?

Hat der Mensch kein Verfügungsrecht über das Produkt seiner Leistung, so kann er auch nicht über seine Leistung verfügen; kann er aber nicht über seine Leistung entscheiden, hat er kein Verfügungsrecht über sein Leben. Ohne Eigentumsrechte kann man keine anderen Rechte durchsetzen.

Wie sieht ein gutes Gesellschaftssystem aus?

Lediglich zwei grundlegende Fragen sind notwendig, um irgendein soziales System in seiner Eigenart zu charakterisieren: Werden in dem sozialen System die Individualrechte anerkannt? – Und: Hat das soziale System die Anwendung physischen Zwangs au den menschlichen Beziehungen verbannt?

Wie lautet Ayn Rands Definition von „Kapitalismus?“

Der Kapitalismus ist ein soziales System, das auf der Anerkennung von Individualrechten unter Einschluss der Eigentumsrechte beruht und in dem alles Eigentum in privater Hand liegt.  … In einer kapitalistischen Gesellschaft sind alle menschlichen Beziehungen freiwillig.

Was ist die Aufgabe des Staates in Rands kapitalistischer Gesellschaft?

In einer kapitalistischen Gesellschaft darf weder ein einzelner noch eine Gruppe mit der Anwendung von physischem Zwang gegenüber anderen beginnen. In einer solchen Gesellschaft hat die Regierung die alleinige Aufgabe, die Rechte des Einzelnen zu sichern, d.h., ihn vor physischem Zwang zu schützen; die Regierung handelt stellvertretend für das Recht des Menschen auf Selbstverteidigung und darf Zwang nur als Vergeltungsmaßnahme und dann nur gegen jene anwenden, die mit der Ausübung von Zwang begonnen haben.

Wie leben die Menschen in einer kapitalistischen Gesellschaft zusammen?

Ob die Menschen zusammenarbeiten oder nicht, untereinander Handel treiben oder nicht, steht ihnen frei und hängt allein davon ab, was ihnen ihr eigenes Urteil, ihre eigene Meinung und ihr eigenes Interesse gebieten. Sie können miteinander nur auf geistiger Ebene verkehren, d.h. durch Diskussion, Überredung und vertragliche Übereinkunft, aus freiwilligem Entschluss zum wechselseitigen Vorteil.

Warum ist die Verwendung der Begriffe „Gemeinwohl“ und „öffentliches Interesse“ gefährlich?

Die stammesgeschichtliche Vorstellung des „Gemeinwohls“ hat den meisten historischen Gesellschaftssystemen – vor allem allen Tyranneien – als moralische Rechtfertigung gedient. Das Ausmaß der Versklavung oder Freiheit in einer Gesellschaft entsprach dem Grad von Beachtung und Nicht-Beachtung, der diesem stammesgesellschaftlichen Slogan zuteil wurde. Das „Allgemeinwohl“ (oder „das öffentliche Interesse“) ist ein nicht-definiertes und nicht-definierbares Konzept: Eine Entität wie „der Stamm“ oder „die Öffentlichkeit“ gibt es nicht; der Stamm (oder die Öffentlichkeit oder die Gesellschaft) ist nur eine Anzahl einzelner Menschen. … Sofern „das Allgemeinwohl“ einer Gesellschaft als etwas sich vom individuellen Wohl ihrer Mitglieder Unterscheidendes und es Überragendes angesehen wird, bedeutet das, dass das Wohl einiger Leute Vorrang hat vor dem Wohl anderer, wobei jenen anderen die Rolle von Opfertieren zugedacht wird. In solchen Fällen wird stillschweigend angenommen, „Allgemeinwohl“ bedeutet „das Wohl der Mehrheit“ im Gegensatz zu dem der Minderheit oder des Individuums.

Was veranlasst die Menschen am Mythos „Gemeinwohl“ festzuhalten?

Es gibt im Eesentlichen drei theoretische philosophische Lehrmeinungen über das Wesen des Guten: die intrinsische, die subjetive und die objektive. Die intrinsische Theorie behauptet, das Gute sei gewissen Dingen oder Handlungen als solchen inhärent, ohne Rücksicht auf deren Zusammenhang oder Auswirkungen, ohne Rücksicht auf etwaigen Nutzen oder Schaden, der den Akteuren oder Betroffenen entstehen könnte. … Die subjektivistische Theorie ist der Ansicht, das Gute haben keinen Bezug zu den wirklichen Tatsachen, es sei das aus Gefühlen, Wünschen, „Intiutionen“ oder Marotten hervorgebrachte gedankliche Produkt eines Menschen, und es sei lediglich ein „willkürliches Postulat“ oder eine „emotionale Verpflichtung“. Während die intrinsische Theorie behauptet, das Gute existiere in einer vom menschlichen Bewusstsein unabhängigen Form der Realität, behauptet die subjektivistische Theorie, das Gute existiere im Bewusstsein des Menschen, unabhängig von der Realität. … Beide Theorien sind die notwendige Basis für jede Dikatur, Tyrannis oder Variante des absoluten Staates. … Wenn ein Mensch glaubt, das Gute sei bestimmten Handlungen inhärent, wird er nicht zögern, andere zu ihrer Ausführung zu zwingen. Wenn er glaubt, dem durch solche Handlungen verursachten Nutzen oder Schaden sei keine Bedeutung beizumessen, wird er ein Blutbad für unerheblich ansehen. … Die objektive Theorie behauptet dagegen, das Gute sei weder ein Attribut von „Dingen an sich“, noch von emotionalen Zuständen des Menschen, sondern eine Bewertung realer Tatsachen durch das menschliche Bewusstsein in Bezug auf einen rationalen Wertmaßstab. … Die objektive Theorie behauptet, dass das Gute vom Menschen entdeckt  werden muss. … Da Werte vom menschlichen Geist zu entdecken sind, müssen die Menschen die Freiheit haben, sie zu entdecken, d.h., zu denken, zu studieren, ihr Wissen in gegenständliche Form zu übersetzen, ihre Produkte zum Tausch anzubieten, sie zu beurteilen und auszuwählen, seien es nun materielle Güter oder Ideen, ein Brotlaib oder eine philosophische Abhandlung.  … Von allen sozialen Systemen in der Menschheitsgeschichte ist der Kapitalismus das einzige, das auf dieser objektiven Werttheorie beruht.

Inwiefern verwirklicht der Markt die objektive Theorie?

Der Marktwert eines Produkts ist kein intrinsischer Wert,  kein im luftleeren Raum schwebender „Wert an sich“. Ein Marktprozess verliert nie die Frage: „wertvoll für wen?“ aus den Augen. Der Marktwert eines Produkts ist im weiten Feld der Objektivität nicht das Abbild eines philosophisch-objektiven, sondern eines sozial-objektiven Wertes. … So wie die Zahl der Anhänger kein Beweis für Wahrheit oder Unwahrheit einer Idee, die Zahl der Bewunderer kein Beweis für Wert oder Unwert eines Kunstwerks oder die Zahl der Käufer kein Beweis für die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit eines Produkts ist, so repräsentiert der Marktwert von Gütern oder Dienstleistungen nicht notwendigerweise ihren philosophisch-objektiven Wert, sondern nur ihren sozial-objektiven Wert, d.h die Summe der individuellen Werturteile aller am Marktprozess Beteiligten zu einer gegebenen Zeit, und damit die Summe dessen, was sie, ein jeder im Rahmen seines eigenen Lebenszusammenhangs wertschätzen.

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