Was die Ehe mit der Euro-Krise zu tun hat

Wer in seinem Leben noch keinen Zugang zur Lehre von der Ökonomie, also der Ökonomik, gefunden hat, dem kann geholfen werden. „Ökonomik – eine Einführung“ heißt das 2005 erschienene Werk des erimitierten Wirtschaftsethik-Professors Karl Homann.

Es ist das einzige VWL-Lerhbuch, das ich kenne, welches, sozusagen ganzheitlich, verschiedene Theoriegebiete mit einem einheitlichen Ansatz zu verbinden versucht. Und nicht nur versucht. Im Kern erklärt es, wie die moderne Gesellschaft, als „ein Unternehmen der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil“ (J. Rawls) funktioniert.

Ich habe es im Sommerurlaub gelesen. Es ist grandios erkenntnisreich.

Ich habe mir deshalb mit Interesse eine Radio-Talksendung (SWR2-Forum) mit dem Titel „Gut vernetzt“ (Download-Link) angehört.

Es ging um Netzwerke. Wie Kontakte die Karriere fördern können. Wie das Internet die Vernetzung der Menschen verändert. Karl Homann war eingeladen. Und ich finde es zitierenswert, wie Homann die Brücke von Freundschaft und Ehe hin zur Eurokrise schlägt (ab Minute 27:15):

Freundschaft, Ehe und Vertrauen bedürfen eines ökonomischen Fundaments – wobei ich das nicht im rein ökonomischen oder monetären Sinne verstanden wissen will. Wenn in einer Freundschaft oder Ehe eine Seite nur drauf zahlt, dann brechen Freundschaften weg, dann gehen Ehen auseinander, dann gehen Kooperationen vor die Hunde. Ein solches ökonomisches Fundament, im Sinne eines weiten Vorteilsfundaments braucht jede funktionierende Beziehungen.

Und auch die Moral braucht ein ökonomisches Fundament. Ich vergleiche das gerne mit einem Eisberg. Bekanntlich sehen wir von einem Eisberg nur ein Sechstel, das was über der Wasseroberfläche ist. Dieser Teil funkelt in der Polarsonne und wir fühlen uns magisch angezogen. Dieses Sechstel sind die Moral, die Ideale, die Visionen, die Begeisterung, die Zuneingung und ähnliches. Aber wir wissen, dass Fünfsechstel unterhalb der Wasseroberfläche treiben – und das ist das Fundament. Und wenn das wegschmilzt, dann können wir uns für die Ideale und Emotionen nichts mehr kaufen.

Ich bringe ein aktuelles Beispiel aus der gegenwärtigen Politik. Wenn die Politik glaubte, auf den großen Schwingen der Europabegeisterung die Vereinigten Staaten von Europa bauen zu können, ohne die ökonomischen Grundlagen in Ordnung zu bringen, dann fliegen uns die Dinge eben irgendwann um die Ohren, so wie das ja auch im Augenblick der Fall ist. Begeisterung trägt nur punktuell, drei oder vier Mal, aber wenn das ökonomische Gleichgewicht  in ein Ungleichgewicht abrutscht, in dem einige immer drauf zahlen, dann geht jede Kooperation, jede Moral, jedes Vertrauen kaputt.

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