Hat Facebook Zukunft?

Börsen bergen Geheimnisse. Warum will der eine kaufen, was der andere los werden möchte? Weshalb lassen sich Massen dazu verleiten, Trends hinterherzulaufen bis die Trends zusammenbrechen? Und welch sonderliche Papiere werden an diesen Märkten überhaupt gehandelt?

Börsen bringen häufig Licht ins Dunkle. Denn Börsen stellen Regeln auf. Sie schreiben vor, zu welchen Bedingungen Geschäfte getätigt werden dürfen, und sie zwingen jene, die über den Verkauf von Papieren an frisches Geld kommen wollen, Informationen preis zu geben, damit jene, die das Geld geben, halbwegs wissen, worauf sie sich einlassen.

Rund fünf Milliarden Dollar will Facebook mit seinem im Mai geplanten Börsengang einsammeln. Das weltweit größte soziale Netzwerk hat sich dafür ausgezogen, allen voran sein Erfinder Marc Zuckerberg. Im 207 Seiten umfassenden Börsenprospekt ist zu lesen, dass Zuckerberg im vergangenen Jahr 693.000 Dollar ausgegeben hat, um nicht mit Linienfliegern, sondern mit gecharterten Flugzeugen zu reisen, angeblich aus Sicherheitsgründen. Und dass Zuckerberg bisher pro Jahr 483.300 Dollar verdient hat sowie ein Bonus von zuletzt 221.000 Dollar; dass er in Zukunft aber nur noch ein symbolisches Gehalt von einem Dollar beziehen wird. Zuckerberg kann sich das leisten. Er hält 28,4 Prozent der Facebook-Anteile und ist somit potenzieller Multimilliardär.

Außerdem im Börsenprospekt zu lesen: Facebook hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von einer Milliarde Dollar gemacht, bei einem Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar. 2010 waren es noch 606 Millionen Dollar Gewinn, 2009 waren es 229 Millionen. Davor war Facebook nicht profitabel, der Verlust 2008 betrug 56 Millionen Dollar. Und die Mitarbeiter-Zahl steht ebenfalls im Prospekt: 3200 Menschen arbeiten für Facebook, 50 Prozent mehr als noch im 2010.

Der Börsengang verrät also viel über aktuellen Stand und Historie des Unternehmens Facebook. Für Anleger mindestens genauso wichtig: Informationen über die Zukunft. Bei einem Börsengang müssen deshalb auch potenzielle Risiken dargelegt werden. 35 dieser Risikofaktoren finden sich im Börsenprospekt von Facebook. Etwa dass ein Ausscheiden von Sherly Sandberg, der Nummer zwei bei Facebook und ehemalige Stabsschefin des amerikanischen Finanzministers Larry Summers, für Facebook eine mittlere Katastrophe wäre. Ebenfalls ein Risiko: Weil viele Facebook-Programmierer Anteile am Unternehmen besitzen, sind diese mittlerweile reich geworden. „Deshalb kann es für uns schwierig werden“, schreibt Facebook, „diese Mitarbeiter zu halten und weiterhin zu motivieren.“

Ungewiss ist auch die Entwicklung der Werbeeinnahmen auf dem Portal, Facebooks größte Einnahmequelle. Die läuft nämlich gar nicht so gut: 845 Millionen Facebook-Mitglieder erwirtschaften im Durchschnitt nicht mal vier Dollar Werbeumsatz im Jahr.

Die Offenheit, die ein Börsengang verlangt, kann einem Unternehmen schaden. Weil die Konkurrenz viel erfährt: über Umsatz und Gewinn, welche Produkte gut, welche schlecht laufen, was geplant ist und wo die Gefahren liegen. Ein börsennotiertes Unternehmen wird so angreifbar. Facebook muss sich dennoch wenig Sorgen machen. Konkurrenz gibt es kaum. Facebook hat sie abgehängt, marginalisiert, abgeschafft. Vielleicht von Google abgesehen, das mit dem Dienst „Google+“ versucht, Facebook anzugreifen, bisher mit überschaubarem Erfolg.

Facebook profitiert von einem Phänomen, einer vor allem im Internet vorkommenden Besonderheit, welche dem Ersten in einem Markt gute Chancen einräumt, für lange Zeit der Erste zu bleiben. Es sind die so genannten Netzwerkeffekte, welche den Wert eines Unternehmens ohne eigenes Zutun steigert. Neue, dem Netzwerk beitretende User erhöhen demnach nicht nur für sich den Nutzen, sondern auch für jene, die sich bereits im Netzwerk befinden, da sie nun mit mehr Nutzern kommunizieren können. Wird eine kritische Masse erreicht, so steigt die Nutzerzahl sogar exponentiell an. Nach der Erfindung des Telefons war dieses Phänomen erstmals zu beobachten. Facebook haben die Netzwerkeffekte zum Giganten gemacht.

Der Kauf von Facebook-Aktien scheint also eine sichere Bank zu sein. Könnte man meinen. Zunächst einmal muss man überhaupt an Aktien gelangen. Das wird nicht einfach. Facebook hat fünf US-Banken und ein britisches Institut beauftragt, große Teile der Aktien auszugeben: Morgan Stanley, JPMorgan, Goldman Sachs, Bank of America/Merrill Lynch, Allen & Co sowie Barclays. Wer bei der erstmaligen Ausgabe an Aktien kommen will, muss sich grundsätzlich an diese Unternehmen wenden. Die aber sind keineswegs verpflichtet, die Nachfrage nach einem gerechten Verfahren – etwa Auslosung – zu bedienen, wie das beispielsweise bei der Ausgabe der Telekom-Aktien in Deutschland stattgefunden hatte.

„Die Institute haben keinerlei Verpflichtungen, an wen sie die Aktien ausgeben“, sagt Robert Halver, Börsenhändler bei der Baader Bank zu Spiegel Online. Die Institute werden folglich zunächst ihre besten Kunden bedienen, reiche Kunden und ihre eigenen Investmentfonds mit Facebook-Aktien ausstatten.

Viele potenzielle Anleger werden also erst dann die Chance auf Facebook-Aktien bekommen, wenn diese erstmals an der Börse gehandelt werden. Vermutlich wird der Preis aber dann schon deutlich über dem Ausgabewert liegen. Allein schon deshalb, weil die Facebook-Aktie in bekannte Indizes wie dem US-Technologieindex Nasdaq aufgenommen werden wird und daher jene Investmentfonds die Aktien kaufen müssen, die diesen Index 1:1 nachbilden.

Aber wie wird sich die Aktie auf lange Frist entwickeln? Taugen Facebook-Aktien als dauerhaftes Investment? Die ökonomische Theorie sagt: Ja. Die Netzwerkeffekte spielen Facebook in die Hände. Und wenn Mark Zuckerberg keinen Blödsinn macht, wenn das Unternehmen solide geführt wird, wenn keiner dem Größenwahn verfällt, wird Facebook auf lange Zeit das größte Netzwerk bleiben. Auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite: Der technische Fortschritt verläuft immer rasanter. Was gestern noch als Geschäftsmodell funktionierte, ist morgen schon überholt. Der Ausblick in die Zukunft wird immer ungenauer, weil immer schwerer einschätzbar ist, welche Erfindungen morgen unser Leben umkrempeln.

Und allen Netzwerkeffekten zum Trotz: Die Hürde, ein Netzwerk zu wechseln, ist aus User-Sicht gering. Eine neue Webseite anklicken, Name und Passwort eintragen, fertig. Sollte der Gegenwind, den Facebook schon heute an manchen Stellen spürt, zum globalen Trend anwachsen, könnten die Internetnutzer ihr Glück im nächsten „Whatever it will be named“- Netzwerk finden.

Fazit: Trotz Netzwerkeffekt taugen Facebook-Aktien nicht für die Altersvorsorge, weil in der Internetbranche zu viel Bewegung ist. Selbst Mark Zuckerberg macht jetzt schon mal Kasse. Noch vor dem Börsengang seines Unternehmens möchte Zuckerberg Aktienoptionen verkaufen, die er 2005 für seinen Job als Facebook-Chef erhalten hatte – potenzieller Verkaufserlös: 5 Milliarden Dollar.

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