Warum das Elterngeld ökonomisch sinnvoll ist

Das Elterngeld steht in der Kritik. Es sei ungerecht, heißt es zum Beispiel. Weil die Höhe des Elterngelds vom vor der Geburt des Kindes erzielten Einkommen abhängt. Gut verdienende Eltern würden privilegiert, so der Vorwurf.

Das stimmt, aber darum geht es beim Elterngeld nicht. Ziel der Leistung ist es eben nicht, Gerechtigkeit herzustellen, sondern für eine Steigerung der Geburtenrate zu sorgen. Und dafür ist es wichtig, dass sich die staatlichen Leistungen am individuellen Einkommen orientieren. Denn der Hauptgrund für die seit Jahrzehnten abnehmende Geburtenrate sind die steigenden Opportunitätskosten von Schwangerschaft, Geburt und Erziehung.

Frauen haben (zum Glück) immer bessere Karriere- und Einkommenschancen. Die Entscheidung für Kinder aber verringert diese Chancen. Der Entscheidung für Kinder steht also ein zunehmender Verzicht (Opportunitätskosten) gegenüber. (Übernehmen Männer die Erziehung, gilt das natürlich genauso für diese.)

Ein einkommensabhängiges Elterngeld versucht diese Opportunitätskosten zu reduzieren. Das Elterngeld ist deshalb ein ökonomisch vernünftiger Ansatz, um das gesellschaftliche Ziel „Steigerung der Geburtenrate“ zu erreichen.

6 Gedanken zu “Warum das Elterngeld ökonomisch sinnvoll ist

  1. Slebst wenn ich mitgehe und akzeptiere, dass es sich beim Elterngeld um eine Gebährprämie handelt, so habe ich doch so meine Schwierigkeiten damit, dass ein Staat sich anmaßt, seinen Bürger Anreize für das „richtige“ Leben zu setzen. Wo kommen wir denn hin, wenn dies einem Staat zugestanden wird? Das absehbar nächste, was passiert, ist dass sich die Gutmenschen klumpen, um anderen zu erzählen, was für sie richtig ist und sich ganz nebenbeí den eigenen Lebensstil subventionieren zu lassen. Warum lässt der deustche Staat seine Bürger nicht einfach in Ruhe. Ich hätte mir vielleicht überlegt, ob ich Kinder haben will, hätte ich nicht damit ein öffenliches Gut produziert…

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  2. Nach dieser Argumentation ist natürlich jeder Geldtransfer „ökonomisch sinnvoll“ – zumindest aus Perspektive der Empfänger.

    Um die die Geburtenrate zu steigern muss man den Menschen allerdings Geld wegnehmen oder den Strom abdrehen. Man sollte also zumindest die Gesetzesbegründung, die im Vorspann steht, ändern.

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  3. Was ich sagen will ist: WENN die Gesellschaft der Ansicht ist, dass wir mehr Kinder brauchen, DANN ist das Elterngeld grundsätzlich ein adäquates Instrument.

    Die Frage, ob sich eine Gesellschaft solche Ziele setzen sollte oder ob die Entscheidung nicht eine völlig individuelle sein sollte, ist ein andere, nicht weniger interessante Frage.

    Ökonomisch betrachtet, bräuchte es als Rechtfertigung für den Staatseingriff „Elterngeld“ positive externe Effekte. Gäbe es diese, hätten wir ohne Staatseingriff eine niedrigere Geburtenrate als gesellschaftlich gewünscht. Tatsächlich lassen sich solche externen Effekte zeigen. Kinder bringen der Gesellschaft tendenziell einen positiven Nutzen und dieser Nutzen wird nicht ausschließlich über den Markt erzielt (was dann eben kein externer Effekt wäre).

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  4. @Johannes Ebner
    Das klingt alles schön, aber die Reifizierungen verlagern das Problem nur:
    WENN DIE Gesellschaft… Wer ist denn DIE Gesellschaft? Wer legt fest, was für DIE Gesellschaft gut und richtig ist? Wer bestimmt, wer für das was DIE Gesellschaft für gut und richtig empfindet, die Kosten trägt? Ich halte es für höchst bedenklich, wenn Kollektivbegriffen ein Akteursstatus zugewiesen wird. Es gibt weder DIE Gesellschaft noch handelt DIE Gesellschaft. Es gibt Interessengruppen, die für sich reklamieren, DIE Gesellschaft zu repräsentieren, mehr nicht.
    Ich kenne keine Kosten-Nutzen-Analyse über den gesellschaftlichen Wert von Kindern, und solange es dieselbe nicht gibt, bezweifle ich, dass Kinder heutzutage mehr gesellschaftlichen Nutzen erbringen als sie Kosten veruraschen und behaupte, das Gegenteil ist der Fall.

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  5. @Michael Klein:

    – Ich finde ihre These, dass Kinder weniger gesellschaftlichen Nutzen bringen als sie Kosten, zwar gewagt, aber mutig. Gefällt mir. :-) Aber es überzeugt mich nicht. Ich glaube das Kindererziehung, ökonomisch betrachtet, eine volkswirtschaftliche Investition ist, die „positive externe Effekte“ erzeugt.

    „Für Deutschland wird der Geburtenausfall zwischen 1975 und 2000 inzwischen zu einer Investitionslücke von 2500 Milliarden Euro hochgerechnet.“ Link: http://www.nzz.ch/2006/09/25/fe/articleehlbq_1.63208.html?printview=true

    – Mit „Die Gesellschaft“ meine ich in einer Demokratie die Mehrheit. Es gibt nun mal Entscheidungen, die können nicht einzeln, sondern müssen mehrheitlich entschieden werden. Zum Beispiel die Art der Landesverteidigung.

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  6. @Johannes Ebner
    Sehen Sie, das ist das Problem, Sie wie ich WISSEN nicht, ob Kinder mehr bringen oder mehr kosten. Entsprechend wundert es mich nicht, dass Sie nciht überzeugt sind, schon weil meine These bislang ohne empirischen Beleg daherkommt. Wie die Ihre übrigens auch.
    Die entsprechenden Hochrechnungen vergessen in der Regel, dass Kinder auch Kosten verursache und sie vergessen vor allem, dass Kinder eine Einnahmequelle darstellen und dass nur ene bestimmte Form von Humankapital wirtschaftliches Wachstum befördert und dass eigentlich schon seit Jahrzehnten bekannt ist, dass nicht Quantität, sondern Qualität von Humankapital relevant ist… und und und.

    Wo wurde jemals über Höhe, Einführung und undifferenzierte Verteilung von Elterngeld abgestimmt?

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