„Eine einmalige Vermögensabgabe von 20 Prozent halte ich für umsetzbar“

Der 1959 geborene Philosoph und Soziologe Alexander DillDer 1959 geborene Philosoph und Soziologe Alexander Dill war Geschäftsführer des  Softwareunternehmens Internetkloster, entdeckte dabei die gesellschaftliche Bedeutung von Freeware und begann, sich mit kostenlosen Gütern und Geschenkökonomie zu beschäftigen. Mit dem Portal www.whatiseconomy.com schuf er 2006 eine Plattform für alternative Wirtschaftsforschung. Im Juli 2009 gründete er das Basel Institute of Commons and Economics. Eine seiner Initiativen: eine freiwillige Vermögensabgabe. Ein Interview.

Die Staatsschulden in Deutschland steigen Jahr für Jahr. Wie gefährlich ist das?

Die Staatsschulden haben für eine große Mehrheit der Deutschen Wohlstand, Bildung, Gesundheit und Frieden ermöglicht. Aber nun besteht die Gefahr, daß wir über steigende Zinsen ruiniert werden. Deshalb müssen sie jetzt zurückgezahlt werden, bevor die Zinsen steigen.

Wie sollte das Ihrer Meinung nach geschehen?

Da die Steuer- und Abgabenquote für Normalverdiener bereits jetzt viel zu hoch ist, können die Staatsschulden nur freiwillig oder über eine einmalige Vermögensabgabe getilgt werden. Diese wird die Form einer Zwangsanleihe haben, damit niemand seine Immobilie oder seine Wertpapiere verkaufen muß.

Sie schlagen vor, alle Vermögen einmalig mit 20 Prozent zu besteuern. Halten Sie eine Umsetzung für realistisch?

Für sehr realistisch, da Deutschland bereits 1952 erfolgreich diesen Weg mit dem so genannten Lastenausgleich gegangen ist. Das Ergebnis war das Wirtschaftswunder und die Soziale Marktwirtschaft, zwei wirkliche Erfolgsgeschichten. Wir werden sehen: Die Deutschen halten viel mehr zusammen als man denkt.

Haben Sie Unterstützer für Ihr Anliegen?

Da ist zunächst Professor Jochen Hörisch aus Mannheim, der selbst sofort 10.000 Euro als „Tilger Nr. 1“ tilgen wird. Positive Resonanz haben wir bisher von den Grünen und von der FDP. Auch gibt es positive Umfragen in der Zeitschrift Stern und bei T-Online. Anderen warten noch und machen erst mit, wenn alle mitmachen. Jeder kann das übrigens tun, unter www.hurrawirtilgen.de.

Was raten Sie der Politik? Wie kann ein solches Vorhaben mehrheitsfähig werden?

Auf keinen Fall darf Tilgung zu einer parteipolitischen Angelegenheit werden! Die Politiker müssen nur den Mut haben, sich und uns die Wahrheit zu sagen, dass nämlich die Staatsschulden unsere Unabhängigkeit bedrohen und wir nach 40 Jahren Wohlstand bereit und in der Lage sind, uns von den Launen der internationalen Kapitalmärkte unabhängig zu machen. Die gemeinsame Tilgung könnte dabei die  Zerstrittenheit und Politikmüdigkeit in Deutschland überwinden.

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