Vorbild deutsche Automobilzulieferer? Weil in der Krise kaum Personal abgebaut wurde, starten deutsche Firmen nun durch

Igendwann konnten die Automobilzulieferer nur noch auf Sicht fahren. Langfristige Umsatzpläne schmolzen wie Schnee in der Sonne. Planungszyklen mussten im Wochenrhythmus nach unten korrigiert werden. Der Rotstift wurde aus den Schubladen gekramt. Weltweit gingen 350 Automobilzulieferer in Konkurs, in Deutschland waren es 70.

Das ist gerade mal ein gutes Jahr her. Den Autozulieferern ging es schlecht, weil es den Autoherstellern schlecht ging. Deren Verkaufszahlen befanden sich im freien Fall. Im neuen und wichtigen Markt Russland waren die Absätze ins Bodenlose gestürzt. Nur noch halb so viele Autos wurden dorthin verkauft. Und auch in den USA sanken die Zahlen um mehr als ein Fünftel.

Die gesamten Umsätze der hiesigen Automobilindustrie waren im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent eingebrochen – das hatte es in der Bundesrepublik Deutschland noch nicht gegeben. Die wichtigste Industriebranche befand sich im Sturzflug Richtung Wirtschaftskatastrophe.

Der Aufschlag ist ausgeblieben. Heute, ein Jahr später, hat sich die Richtung gedreht.  Vor allem das Geschäft mit teuren Fahrzeugen brummt. Das gefällt deutschen Autoproduzenten und deren Zulieferern besonders. Die Nachfrage aus China, Brasilien und Indien zieht die Branche aus der Krise. Mehr als 60 Prozent der Automobilzulieferer weltweit erwarten ein mehr als 20 prozentiges Umsatzwachstum. Bei einem Volumen auf Vorkrisen-Niveau wird der Branche eine Umsatzrendite von 6 Prozent prognostiziert, so viel wie noch nie.

Der Grund: In der Krise wurde gespart. Knapp gehaltene Lagerbestände reduzierten das Umlaufvermögen, Personalkosten wurden gekürzt. Die Sparanstrengungen von gestern sind die Gewinne von morgen.

Aber plötzlich hat die Branche ein neues Problem. Die Auftragsbücher füllen sich schneller, als das Personal in die Produktionshallen zurückkehrt.

US-amerikanische Zulieferer wie Delphi und Johnson Control entließen bereits zum Krisenauftakt 2008 10 Prozent der Belegschaft. 2009 mussten weitere 20 Prozent gehen.

Deutschland reagierte auf die Krise anders. 2008 wurde das Personal noch um 5 Prozent aufgestockt. Lediglich um den gleichen Betrag reduzierte sich die Personaldecke im folgenden Katastrophenjahr. Dem drastischen Umsatzeinbruch folgte also nur ein geringer Arbeitsplatzabbau.

Das hatte zwei Gründe: Die staatliche Unterstützung durch großzügige Kurzarbeiterregelungen sowie der Fachkräftemangel in Deutschland. Der hatte sich 2008 zugespitzt. Viele Firmen suchten händeringend qualifiziertes Personal. War das erst einmal gefunden, wollte man es in der nächsten Abschwungphase unter keinen Umständen wieder gehen lassen.

Dieses Verhalten hat den deutschen Automobilzulieferern in der Krise besonders zugesetzt. Die hiesige Branche litt mehr als im globalen Durchschnitt. Was gestern ein Nachteil war, wird heute zum Vorteil. Nirgendwo anders konnten die Kapazitäten im jetzigen Aufschwung schneller ausgeweitet werden als hierzulande.

Deutsche Firmen sind ohne Anlaufzeiten lieferfähig. Das ist ein bestechend gutes Verkaufsargument in einer Branche, die in immer kurzfristigeren Zyklen denkt. Dank langfristiger Personalplanung werden deutsche Firmen überproportional vom jetzigen Aufschwung profitieren. Ein Satz zum Ausschneiden für Verantwortliche von Personalabteilungen.

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