Lohnt sich die Austragung einer Fußball-WM?

Jetzt beginnt wieder die Zeit des Schönrechnens. Das Tourismus-Ministerium in Pretoria hat prognostiziert, dass ausländische Fußballfans während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika 700 Millionen Euro ausgeben werden. Und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) glaubt, dass durch den Weltmeisterschaft bedingten Ausbau von Verkehrswegen und Energieversorgung auch die zahlreichen in Südafrika ansässigen deutschen Firmen profitieren werden.

Regelmäßig vor sportlichen Großereignissen werden die Superlative ausgepackt. Mehr Umsatz, mehr Wachstum, mehr Beschäftigung sollen Weltmeisterschaften und Olympische Spiele – zumindest den Gastgebern – bringen.

Doch in die Bilanz werden häufig nur die Erträge geschrieben, die Kosten bleiben gerne ausgeblendet. Die öffentliche Finanzierung des Spitzensports und der Ausbau der Infrastruktur verschlingen Milliarden. Südafrika zum Beispiel hat für den Bau der Stadien und Verkehrswege alleine 2,8 Milliarden Euro bezahlt, eine beträchtliche Summe für ein Entwicklungsland.

Und die Erfahrung lehrt: Ist das Großereignis vorbei, findet die Infrastruktur häufig keinen adäquaten Verwendungszweck mehr.

Südkorea, wo unter anderem die Fußball-WM 2002 stattfand, ist so ein Beispiel oder die Sportstätten der olympischen Sommerspiele 2008 in China.

Ökonomen haben vorgerechnet, dass es kaum ein schlechteres Investment gibt, als das in sportliche Großereignisse. Umsatz- und Beschäftigungseffekte sind in aller Regel ein Strohfeuer. Am Ende haben manche abgesahnt und die Gesellschaft bleibt auf den angelaufenen Kosten sitzen.

Alle zahlen, wenige profitieren. – So könnte das Fazit aussehen, würde man solche Sportereignisse ausschließlich in Euro und Dollar bemessen. Aber eine Fußball-Weltmeisterschaft macht schließlich auch Spaß. Und zwar nicht nur wenigen, sondern vielen, sehr vielen, Millionen. Was kaum überrascht, haben Ökonomen mittlerweile wissenschaftlich belegt: Eine Fußball-Weltmeisterschaft erhöht die Lebenszufriedenheit der Menschen des Gastgeberlandes ganz beträchtlich. Gute Nachrichten für Südafrika.

Wie sehr diese Zufriedenheit steigt, hängt aber auch vom sportlichen Erfolg ab. Da wird es Südafrika nicht leicht haben. Denn der internationale Fußball wird von den üblichen Verdächtigen dominiert: Brasilien, Argentinien, Spanien, Italien, Deutschland. Die Globalisierung schreitet voran, Länder, die früher wirtschaftliche Zwerge waren, sind heute Schwergewichte. Doch beim Fußball scheint die Welt still zu stehen.

Warum hat die wirtschaftliche Potenz und die Größe eines Landes wenig Einfluss auf den sportlichen Erfolg?

Eigentlich sollte das so genannte Bosman-Urteil die Wende bringen. Im Jahr 1995 hatte der Europäische Gerichtshof bestehende Restriktionen für Ausländer zu Fall gebracht. Seitdem dürfen Fußball-Könner aus der ganzen Welt in die europäischen Ligen strömen. Damals glaubte man, dass dadurch spielschwächere Nationen stärker würden, weil deren Spieler zunehmend in den besten Ligen Europas zum Einsatz kommen. Im Gegenzug war befürchtet worden, dass die ehemals spielstärksten Nationen geschwächt würden, weil deren Akteure durch Ausländer ersetzt würden.

Doch der Effekt ist nicht eingetreten. Auch wenn vor jeder Fußball-WM geschrieben wird, dass die so genannten Fußballzwerge aufgeholt hätten, die Statistik belegt dies nicht: Spielergebnisse und Tordifferenzen bei Europa- und Weltmeisterschaften haben sich vor und nach dem Bosman-Urteil nicht signifikant geändert.

Es ist so unwahrscheinlich wie eh und je, dass Außenseiter über die Gruppenphase hinauskommen. Vermutlich liegt es an den inkompetenten Verbandsstrukturen, dass viele Nationalmannschaften nicht vom besseren „Spielermaterial“ profitieren.

Und so wird auch bei der ersten in Afrika ausgetragenen Fußball-WM vermutlich keine afrikanische Mannschaft für Furore sorgen. Höchstens Südafrika. Zumindest statistisch gesehen haben sie gute Chance: Noch nie schied ein Gastgeber in der Vorrunde aus.

3 Kommentare zu „Lohnt sich die Austragung einer Fußball-WM?

  1. Ich hatte mich vorhin auch gefragt, ob es aus wirtschaftlicher Sicht die Austragung einer WM überhaupt lohnt. Wie bereits im Artikel erwähnt wird, hat die neu angelegte Infrastruktur nach dem Großereignis keine ädiquate Verwendung in der Region. Schade, dass man keine Zahlen zu den Kosten und Einnahmen im Internet findet.

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