Heiliger Krieg, ab ins Bett! – Wie Vornamen unser Leben beeinflussen

In Deutschland wäre ihnen manches erspart geblieben: Den Brüdern Winner und Loser zum Beispiel oder dem 15-jährigen Mädchen, das auf den Namen Temptress (deutsch: Verführerin) hört oder der Frau aus Milwaukee, die Marijuana Pepsi heißt.

In den USA sind die Eltern bei der Namenswahl völlig frei, in Deutschland dagegen gibt es Vorgaben: Der Name darf nicht lächerlich oder diskriminierend sein, und er muss zum Geschlecht passen.

Die Interpretation dieser Vorgaben obliegt hierzulande den örtlichen Standesämtern. Streitfälle landen vor Gericht. Die entscheiden zunehmend liberal: Erlaubt sind etwa Speedy, Lafayette, Jazz, November, Fanta; sogar Djehad darf eine Berliner Familie ihr Kind nennen, was übersetzt „Heiliger Krieg“ heißt.

Mehr als 10.000 Rufnamen sind heute im Umlauf hat die Gesellschaft für Deutsche Sprache ermittelt, vor 50 Jahren seien es noch etwa 1000 gewesen.

Wie sehr prägt der Vorname das eigene Leben? Kann er die Karriere fördern oder verbauen? Wie viel Verantwortung tragen die Eltern bei der Namenswahl? Sollten sie lieber einen gängigen Vornamen wählen oder einen ausgefallen?

Unser digitales Leben schätzt ausgefallene Namen: Sie sind in den unüberschaubaren Datenmengen des Internets schneller herauszufiltern. Wer im Internet wahrgenommen werden will, muss leicht auffindbar sein. Ein Allerweltsname wie Martin Müller ergibt bei Google 230.000 Treffer. Es ist nicht einfach, unter den Treffern den Martin Müller zu finden, den man sucht.

Und es suchen viele: 7 Prozent aller Eingaben bei Suchmaschinen sind angeblich Personen-Namen.

Wer dagegen bei der Namenswahl lieber dem Mainstream folgt, sollte aufpassen, dass die Ungleichheit bei den Bildungschancen nicht schon mit dem Eintrag des Vornamens beim Standesamtsregister beginnt. Denn Lehrer haben Vorurteile. Sie trauen Kindern mit deutschen Namen mehr zu.

Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie der Universität Oldenburg. Dabei wurden Grundschullehrer anonymisiert zu Namensvorlieben befragt. Als freundlich und leistungsstark gelten den Grundschullehrern Jungen mit den Namen Alexander, Maximilian, Simon, Lukas und Jakob. Positiv bewertete Mädchennamen sind Charlotte, Nele, Marie, Emma und Katharina.

Schlecht beurteilen die Pädagogen die Namen Chantal, Justin, Dennis, Marvin und Jaqueline. Am negativsten wird der Name Kevin bewertet: Mit diesem Namen assoziieren die Befragten Begriffe wie „verhaltensauffällig“ und „leistungsschwach“.

Aus der Studie geht allerdings nicht hervor, ob diese Assoziationen auch tatsächlich in den Schulalltag einfließen. Die Pädagogin Astrid Kaiser hält dies aber für realistisch:  „Die Namensfalle schnappt zu, sobald der Lehrer die Klassenliste in der Hand hält“, so die Professorin der Universität Oldenburg gegenüber Spiegel-Online.

Allerdings: Mir ist keine Studie bekannt, die tatsächlich unterschiedliche Entwicklungschancen aufgrund bestimmter Namen nachweist (Hier eine Studie, die explizit keinen Zusammenhang sieht). Auch bei den beiden Brüdern Winner und Loser aus dem New Yorker Stadtteil Harlem war der Name nicht Bestimmung: Loser, 1961 geboren, schloss erfolgreich das College ab und ging zur New Yorker Polizei; der drei Jahre ältere Bruder  Winner dagegen ist seit seiner frühen Jugend kriminell und wegen unterschiedlichster Delikte – unter anderem diverser Einbrüche – schon über 30 Mal verhaftet worden.

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