Mehr Kinderarbeit durch American Apparel und Co?

Die Versuche der reichen Industrieländer, Kinderarbeit zu bekämpfen, sind kontraproduktiv. Das ist das Fazit eines Aufsatzes der Wissenschaftler Matthias Doepke und Fabrizia Zilibotti.

Die beiden Ökonomen argumentieren dabei nicht mit der bekannten These, wonach Boykotte und Handelsrestriktionen die Einnahmen der Entwicklungsländer schmälern und die dadurch vergrößerte Armut die Kinderarbeit zunehmen lasse (diese These wird unter anderem hier vertreten).

Doepke und Zilibotti sind der Meinung, dass es in einem Entwicklungsland nur dann zur Reduzierung von Kinderarbeit komme, wenn der Reformdruck im Land selbst vorhanden sei. Das bedeute aber auch, dass Boykotte und Restriktionen von außen nur dann die Kinderarbeit verringern könnten, wenn sie diesen Reformdruck steigerten.

„The key question therefore is: does international pressure on developing countries through trade sanctions or consumer boycotts make it more, or less, likely that these countries adopt comprehensive child-labour regulations on their own?

Nach den Untersuchungen Doepkes und Zilibottis lässt der Druck von außen aber nicht den Reformdruck im Inland zunehmen, vielmehr reduziert er ihn.

„We find that external pressure tends to lower domestic support for child-labour regulation and may contribute to the persistence of the child labour problem in developing countries.“

Warum das so sei, beschreiben die Ökonomen anhand der Industrialisierung Europas. Vor allem dank der Gewerkschaften sei es damals zur Abschaffung der Kinderarbeit gekommen. Dort seien vor allem arme und wenig gebildete Arbeiter organisiert gewesen. Für die seien arbeitende Kinder schlicht Konkurrenten gewesen.

Die Gewerkschaftsmitglieder wussten: Durch die Einführung eines Verbotes von Kinderarbeit steigen ihre eigenen Verdienstmöglichkeiten. In erster Linie deshalb hätten sich die Gewerkschaften damals für ein Verbot eingesetzt.

„The most important group pressuring for reform in these countries were labour unions representing unskilled workers. These workers were competing with children in the labour market and expected their wages to rise if child labour was outlawed.

….

It was this direct competition between adult workers and children that motivated unions to oppose child labour.“

Eine solche Konkurrenzsituation zwischen Erwachsenen und Kinderarbeitern, so die Wissenschaftler weiter, sei auch heute notwendig, damit der Druck auf die Regierung steige, Kinderarbeit zu verbieten und etwa die Schulpflicht einzuführen. Effektive Handelssanktionen führten aber dazu, dass Kinder nicht mehr in der Exportindustrie eingesetzt würden, sondern verstärkt dort, wo die Konkurrenzsituation weniger groß sei, nämlich zum Beispiel in der familiären Landwirtschaft. Der Reformdruck würde folglich nachlassen.

„We are critical of interventions that work through restricting trade. Such policies have the potential to displace working children into informal employment, with negative repercussions for the prospects for future political reform.“

Um die Zahl der weltweit 218 Millionen Kinderarbeiter zu verringern, plädieren Doepke und Zilibotti für mehr Anreize und weniger Verbote. So sei es zum Beispiel sinnvoll, jene Familien finanziell zu belohnen, die ihre Kinder in die Schule schickten.

Hilfreich sei außerdem eine Politik, welche die Geburtenrate senke. Familien mit vielen Kindern seien in einem Teufelskreis gefangen, weil es nicht reiche, wenn nur der Vater oder die Mutter Geld verdienten – auch die Kinder müssten in solchen Familien zum Haushaltseinkommen beitragen.

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Matthias Doepke und Fabrizio Zilibotti: Child labour: Is international activism the solution or the problem?

4 Gedanken zu “Mehr Kinderarbeit durch American Apparel und Co?

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