Keine Toilette, keine Braut!

Die hohe Abtreibungsrate weiblicher Föten in Indien kommt den Männern dort offensichtlich zunehmend teuer zu stehen.

Emily Wax schreibt in der Washington Post über das nach China bevölkerungsreichste Land der Welt:

„A societal preference for boys here has become an unlikely source of power for Indian women. The abortion of female fetuses in favor of sons — an illegal but widespread practice — means there are more eligible bachelors than potential brides, allowing women and their parents to be more selective when arranging a match.“

Bekanntlich kosten Mädchen in Indien viel Geld. Bei einer Hochzeit müssen die Braut-Eltern hohe Summen an die Eltern des Bräutigams zahlen. Unter anderem deswegen sind Jungs erwünschter – und diesem Wunsch wird nachgeholfen.

Die Bevorzugung des männlichen Geschlechts wirkt sich für selbiges ab der Pubertät aber nachteilig aus. Dann nämlich spätestens fällt der Überschuss auf. Die Nachfrage an Frauen übersteigt das Angebot. Und was in einem solchen Fall auf allen Märkten passiert, geschieht auch auf dem Beziehungsmarkt: Der Preis steigt.

Die Frauen gelangen in eine bessere Position. Sie (beziehungsweise ihre Eltern) können unter mehr Männern wählen – und mehr fordern. Dieser Effekt ist offensichtlich im heutigen Indien zu beobachten.

Wax beschreibt die Entwicklung anhand einer erfolgreichen nationalen Kampagne mit dem Titel „No toilet, no bride“. 665 Millionen Inder (die Hälfte der Bevölkerung) hätten keine Toilette im Haus. Sie benutzten öffentliche oder gar keine Toiletten. Die Folge: Durchfall, Typhus und Malaria seien weit verbreitet.

Frühere Versuche, den Bau von Toiletten in ärmeren Gebieten voran zu bringen, seien weitgehend gescheitert, schreibt Wax. Die Verbreitung der Kampagne „No toilet, no bride“ dagegen, zu der auch teilweise eine finanzielle Bezuschussung von Baumaßnahmen gehöre, sei ein voller Erfolg. Die Kampagne hätte dazu beigetragen, dass ein Junggeselle heute deutlich schlechtere Chancen habe, eine Ehefrau zu finden, wenn seine Wohnung nicht über ein Bad verfüge.

Wax nennt noch einen weiteren Grund, warum Frauen in Indien fordernder würden: Satelliten-Fernsehen und Internet. Sie brächten das sich wandelnde Gesellschaftsbild auch in die ärmeren ländlichen Teile Indiens:

„Satellite television and the Internet are spreading images of rising prosperity and urban middle-class accouterments to rural areas, such as spacious apartments — with bathrooms — and women in silk saris rushing off to the office.“

Hinzu käme außerdem, dass die Frauen immer später heiraten und finanziell unabhängiger würden, weil das Bildungsniveau der Frauen steige. Noch nie gingen so viele Mädchen in Indien in die Schule wie heute.

Übrigens: Dass das Satelliten-Fernsehen in Indien das Selbstbewusstsein der Frauen fördert, ist auch Fazit einer NBER-Studie.

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