Der Preis des starken Mannes

Eigentlich müssten deutlich mehr Männer annähernd so aussehen, wie jene am Venice Beach, dem Strand in Kalifornien, der als Wiege der Bodybuilder-Bewegung gilt. Muskelbepackt wie einst Arnold Schwarzenegger posieren sie den ganzen Sommer über am Strand. Als gäbe es nichts wichtigeres im Leben als wohlgeformte Muskeln. Gibt es aber. Nämlich Sex.

Männer mit viel Muskeln haben mehr Sexualpartner als schlanke und schmächtige Männer, sagt eine Studie des Evolutionspsychologen William Lassek von der Universität Pittsburgh, USA. Genauer gesagt wurde in der Studie eine Verbindung von höherem Testosteron-Spiegel (was die Bildung von Muskeln erleichtert) und häufigeren Sexpartnern nachgewiesen. Nicht Muskel-Training, sondern die Genetik sorgte also in den untersuchten Fällen für die äußere, häufig als attraktiv wahrgenommene Erscheinung.

Wenn aber muskulöse Männer mehr Sex haben, dann hätte sich im Laufe der Evolution eigentlich der vor Testosteron strotzende Muskelmann durchsetzen müssen. Hat er aber nicht. Die Erklärung von Lassek: Eine solche genetische Veranlagung hat ihren Preis. Zum einen müssen Muskelmänner, weil sie schwerer sind, mehr Essen. Und zweitens ist medizinisch nachgewiesen, dass der hohe Testosteron-Spiegel das Immunsystem schwächt. Dem evolutionsbiologischen Vorteil von “mehr Sex” stehen also die Nachteile “höherer Kalorienverbrauch” und “mehr Krankheiten” gegenüber. Der Saldo ist unklar. Deswegen so Lasseks Schlussfolgerung gibt es heute Männer in unterschiedlichsten Größen und mit unterschiedlicher Muskelmasse.

Und in der Zukunft? Wohin entwickelt sich das – also häufig gar nicht so – starke Geschlecht? Die beiden Nachteile (hoher Kalorienverbrauch und mehr Krankheiten) der genetischen Veranlagung “hoher Testosteron-Spiegel” verlieren nämlich zunehmend an Bedeutung: Die meisten Krankheiten sind mittlerweile medizinisch in den Griff zu bekommen und zumindest im reichen Teil der Welt ist eine mehr als ausreichende Lebensmittelversorgung gewährleistet. Wenn also die evolutionsbiologischen Nachteile geringer werden, der Vorteil (mehr Sex) aber bleibt: Wird sich der Muskelmann in der zukünftigen Evolution stärker durchsetzen? Vermutlich nicht. Der medizinische Fortschritt greift nämlich auch hier in den Entwicklungsprozess ein. Dank der Erfindung von Verhütungsmitteln bedeutet “mehr Sex” heute nicht mehr automatisch “mehr Kinder”.

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