Die Killer-Anwendung

Verzweifelt lange suchte die Handy-Branche nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten – Jetzt sind sie gefunden

Wo Tom Alby zum ersten Mal ein Mobiltelefon gesehen hat, daran erinnert er sich bestens. Es war Anfang der 80er Jahre, in einer Fernseh-Dokumentation über Thomas Gottschalk. Der steuert seinen Mercedes über die Autobahn, die eine Hand am Lenker, die andere hält einen Hörer: Gottschalk telefoniert.

Mehrere Generationen waren damit aufgewachsen, dass ein Telefon seinen festen Platz hatte. Zunächst außer Haus, später in der eigenen Wohnung. Im Wohnzimmer oder im Flur. Das  Kabel des Apparates steckte in einer Buchse an der Wand. Mobilität hatte eine eng gezogene, natürliche Grenze, die sich in der Länge des Kabels bemaß. Plötzlich sah man Menschen „ohne Kette“ telefonieren, im Auto sitzend, fahrend. Damals waren Kabellos-Telefonierer Exoten, Exoten mit viel Geld. Das Autotelefon gab es nur für Super-Reiche. Rund 10.000 DM kostete ein Gerät, ein Drittel des damaligen durchschnittlichen Jahreseinkommens.

Tom Alby schildert seine Gottschalk-Erinnerung in seinem lesenswerten Buch „Das mobile Web„. Er beschreibt darin unter anderem die Geschichte des Mobiltelefons; wobei von Geschichte kaum die Rede sein kann: Das Handy als Massenkommunikationsmittel ist in Deutschland gerade mal seit 1992 möglich, nämlich mit der Einführung des so genannten D-Netzes auf Basis des GSM-Standards (Global System for Mobile Communications). Erst dieser Standard erlaubte es überhaupt, dass viele Menschen gleichzeitig mobil telefonieren konnten. Theoretisch zumindest. Denn auch Anfang der 90er Jahre war das für die wenigsten finanzierbar. Die Geräte kosteten noch immer 3000 DM.

Heute gibt es Handys nicht nur als kostenlose Dreingabe zum Mobilfunkvertrag, Sprachkommunikation ist nur noch eine, wenn auch weiter die am meisten verwendete Anwendung auf Mobilfunkgeräten. Darüber hinaus werden SMS getippt, E-Mails gelesen und – seit neuestem – zunehmend im Internet gesurft.

Lange haben die Mobilfunkbetreiber gerätselt, wie sie die 50 Milliarden Euro wieder reinholen können, die sie im Jahr 2000 bei der Versteigerung von UMTS-Lizenzen in die Kassen des damaligen Finanzministers Hans Eichel gesteckt hatten. Mit UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) lässt sich mobil schnell im Internet surfen. Das Problem: Lange Zeit wollte das keiner. Bis das iPhone von Apple kam. Mit ihm kam das Internet aufs Handy. Der Anteil des iPhones am gesamten Handymarkt liegt bei bescheidenen 1 Prozent, doch die Hälfte aller mobilen Zugriffe auf das Internet erfolgt von diesem Modell.

Seit kurzem drängen die Nachahmer in den Markt. Das G-Phone von Google ist seit wenigen Wochen erhältlich, auch Nokia und Sony-Ericsson mischen mit. Dabei geht es nicht mehr ausschließlich um den Verkauf der Handys. Auch hier hat Apple mit dem Online-Kaufhaus „App Store“ als erster ein neues, erfolgreiches Geschäftsmodell etabliert. Externe Software-Anbieter können dort ihre Anwendungen einstellen. Der Kunde kauft die Programme, womit er sie auch verwendet: mit seinem Handy. Das ist praktisch. 20.000 unterschiedliche Anwendungen tummeln sich mittlerweile im App-Store. Musikprogramme, Einkaufsführer, Organisationssoftware. Von jedem Verkauf zweigt sich Apple eine Umsatzbeteiligung ab. Und da es auf legalem Wege keine andere Möglichkeit gibt, Software auf das iPhone zu spielen, bringt dieses Geschäft dem Unternehmen Millionen.

Jetzt will die Konkurrenz die Apple-Strategie kopieren. Für das G-Phone gibt es bereits einen Store. Und auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress, die zur Zeit in Barcelona stattfindet, hat neben Microsoft auch Nokia, die Nummer eins unter den Handy-Herstellern, den so genannten Ovi-Store angekündigt. 30 Prozent der in diesem Shop getätigten Umsätze will Nokia für sich behalten.

Ob die Shops Erfolg haben werden, wird nicht zuletzt von den Geräten abhängen, auf denen sie verwendet werden. Ohne überzeugende Hardware nützen die besten Anwendungen nichts. Was es braucht: einen Bildschirm mit hoher Auflösung, der auch bei einfallendem Licht noch zu gebrauchen ist; eine leicht verständliche Bedienung des Handys inklusive seiner Programme; und einen Internetbrowser, der den Namen „Browser“ auch verdient. Außerdem: ein bezahlbarer  Mobilfunkvertrag inklusive einer Datenflatrate. Denn Spaß am Internetsurfen hat nur, wer nicht ständig an die Kosten denken muss.

Sind diese Bedingungen erfüllt, wird das Handy zum Multifunktionsgerät. Vielleicht aber sollte man als Handy-Besitzer nicht jedes Angebot nutzen. Zum Beispiel nicht jenen Service, der unter www.ehebruch24.de seine Dienste offeriert. „Sie sind frisch verliebt, verlobt, verheiratet?“, wird der User auf der Startseite gefragt.  Und weiter: „Dann sind Sie hier richtig. Treue und Vertrauen sind die Basis jeder Beziehung. Sorgen Sie dafür, dass diese Basis erhalten bleibt!“ Was dann folgt, fußt aber auf dem Gegenteil von Vertrauen: Die Seite bietet nämlich einen Ortungsdienst für Handys an. So kann man exakt verfolgen, wo sich der Partner (oder zumindest sein Handy) gerade aufhält. Ein Dienst für Eifersüchtige also. Für jede Ortung verlangt das Portal einen Euro. Spionage als Beziehungskitt – so verkauft der Anbieter sein Angebot und verabschiedet sich am Ende der Webseite mit folgenden Worten: „Eine lange und glückliche Partnerschaft wünscht: Euer Ehebruch24-Team.“

2 Kommentare zu „Die Killer-Anwendung

  1. For those who are curious, I’m cnirapmog all possible combinations of the made-up words Streck, Strf6ck, 打た, Strock, Strack, Strick, and Strfcck, as well as (separately) 提供, Bete, Be4te, Bfcte, Bf6te, Bute, Bote, Bate.I didn’t combine long-short pairs (like Hf6lle-Hf6hle) because I know that they’re hard already, and combining ALL possible vowels would take forever. (Well not forever, but 15-20 分)

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