Bin ich noch drin?

Nach der Krise kommt die Zukunft: Wie das Internet in einigen Jahren aussehen könnte

Wirtschaftlichen Krisenzeiten verengen den Blick. Das Heute ist wichtig. Was zählt, ist das Überleben. Hektisch wird nach Sparpotentialen gesucht, der Gürtel enger geschnallt, Investitionen in interessante, aber gewagte Ideen in die ferne Zukunft geschoben. Der wirtschaftliche Zwang regiert das Tagesgeschäft.

Der aktuelle Finanzcrash im weltweiten Bankensystem lässt auch alle anderen Branchen nach dem Krisenplan in der Schublade kramen. Die gewagte Geschäftsidee hat Hausarrest – auch und gerade bei Unternehmen der Informationstechnik. Da kommt eine Studie gerade Recht, die den Blick über den zeitlichen Tellerrand ermöglicht. IVW, Agof und Infonline, drei Organisationen, die unter anderem die Internetnutzung beobachten, haben sich mit der Zukunft des Internets beschäftigt. Zwischen März und Mai diesen Jahres wurden Experten aus den Bereichen Internet-Werbung, Webseiten-Betreiber, Journalisten, Verbände, Institute, Techniker und Wissenschaftler mit folgender Fragestellung konfrontiert: „Wohin entwickelt sich das Medium Internet in den nächsten Jahren?“

Konkret gaben die Experten Antworten auf drei Bereiche: die Entwicklung von Webinhalten, zukünftige Geschäftsmodelle sowie die veränderte Nutzung des Internets durch die User.

1) Wie ändern sich die Inhalte der Webseiten?

Die Experten vermuten, dass Blogger an Bedeutung gewinnen. Einzelne Blogger könnten den „Status der Meinungsführerschaft“ erlangen. Blogs würden somit selbst zu kleinen Medienmarken.

Außerdem erwarten die Internet-Experten eine stärkere Vermischung von redaktionellem Inhalt mit von Usern erstellten Beiträgen. Die Interaktion werde zentral, weil die User mitmachen wollten, so die Studie.

2) Womit wird man im Internet in Zukunft Geld verdienen?

Grundsätzlich, so die Studie, gebe es heute wie in der Zukunft drei Möglichkeiten, im Internet Umsätze zu erwirtschaften: mit Werbung, mit E-Commerce (also dem elektronischen Handel) sowie bezahlten Inhalte (so genannter paid content). Letzteres, so glauben die Experten, werde auf wenige Bereiche beschränkt bleiben. Diese seien Video auf Abruf, Computerspiele, Fachinformationen und Erotik. Entscheidend sei hierbei die Aktualität, die Exklusivität und die Hochwertigkeit. Der E-Commerce dagegen werde sich in Zukunft auf weitere Warengruppen ausweiten. Voraussetzung für eine schnelle Ausweitung sei eine Vereinfachung der Bezahlsysteme. Und auch der klassische Online-Werbemarkt, wie etwa Anzeigen, werde mit der steigenden Online-Nutzungsdauer wachsen, vor allem weil man immer bessere Informationen über die Nutzer hätte und deshalb Werbung immer zielgenauer zukommen lassen könne.

3) Wird sich die Nutzung des Internets wandeln?

Die Experten vermuten, dass das Internet wie bisher ein aktives Medium bleibt. Das bedeutet, dass der User sich weiter aktiv auf die Suche nach Inhalten macht. Das Internet als so genanntes Lean-Back-Medium, also als Berieselungsmedium, können sich nur die wenigsten Befragten vorstellen. Allerdings: Es gibt auch den Trend zur Medienkonvergenz, das meint die Auflösung der Format-Kanal-Bindung. Konkreter: Das Internet vereinigt zunehmend alle Formate. Mit ihm wird Fern gesehen, Radio gehört, Musik abgespielt, Nachrichten gelesen, Videos geschaut, Comupter-Spiele gespielt. Wer aber im Internet beispielsweise einen Film schaut, für den ist das Internet ein passives Medium, weil seine Hände nicht mit Tastatur und Maus, nach Inhalten suchen.

Vermutlich wird der Begriff des Internets selbst zunehmend unscharf, weil das Internet nicht mehr alleine das Surfen auf Webseiten meint, sondern lediglich die Übertragung von Daten mittels der Technik des Internets. „Die Nutzer werden in Zukunft gar nicht mehr genau wissen, wann sie im Internet sind und wann nicht“, sagt einer der Experten laut der Studie. Weil das Internet zur völligen Selbstverständlichkeit geworden ist und unterschiedlichste Geräte auf das Internet zurückgreifen. Denkbar, dass eine drahtlose Internetverbindung bald so selbstverständlich sein wird, wie Radiowellen für den Empfang eines Senders.

Die Statistik belegt, dass ein Großteil der heutigen Unternehmen bei dieser Entwicklung gar nicht mehr dabei sein werden. Schätzungen zufolge überstehen nur fünf bis zehn Prozent aller Startups rund ums Internet die ersten drei Jahre. Der Blick über den zeitlichen Tellerrand ist für manches Unternehmen deshalb auch der Blick in den eigenen wirtschaftlichen Abgrund sein. Kein Wunder, dass man da lieber an heute als an morgen denkt.

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