Wie viele Schulden haben die USA?

Das Video stammt von DemonOcracy.info, eine Seite, die sich auf die Visualisierung von schwer vorstellbaren, weil gigantisch großen Zahlen spezialisiert hat. So gibt es etwa auch eine anschauliche Grafik zu den Schulden der Welt und darüber, wer Griechenland Geld geliehen hat.

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Infografik: Deutsche Pro-Kopf-Verschuldung durch die europäische Schuldenkrise

Das Vergleichsportal vergleich.de hat eine Infografik erstellt, welche den bestehenden Schulden Deutschlands die potenziellen durch die Euro-Schuldenkrise gegenüber stellt. Eine informative Grafik – und eine clevere Art, für sein Portal zu werben.

Griechenland Krise vergleich.de

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Teufelszeug Eurobonds

Die SPD fordert es, Teile der Union ebenfalls und die Italiener sowieso: Eurobonds. Bei Eurobonds haftet für die Schulden eines Staates die Gemeinschaft mehrerer Staaten. Das klingt nach einem geschickten Ausweg aus dem aktuellen Problem, dass nämlich hochverschuldete Staaten sich keine neuen Schulden mehr leisten können, weil die Zinsen stark gestiegen sind. Weil schlicht die Märkte zunehmend weniger an eine Rückzahlung glauben.

Gut eigentlich, dass es diesen Marktmechanismus gibt. Er beschränkt die Möglichkeit der Staatsverschuldung. Eurobonds würden diesen Mechanismus zumindest für eine gewisse Zeit aushebeln. Weil eben die Staaten mit soliderer Haushaltspolitik für die weniger verlässlichen mithaften.

Aber Eurobonds lösen kein Problem, sie vertagen es nur und verschlimmern es dadurch.

Das wird spätestens dann offensichtlich, wenn man – zur Veranschaulichung - das Gebaren der Staaten auf einzelne Individuen überträgt. Ist eine funktionierende Gesellschaft  vorstellbar, in der jene, die mehr Geld ausgeben als sie haben, nicht für die dadurch entstehenden Schulden haften müssen? Wie würden wir leben, wenn wir wüssten, dass das Geld, das wir ausgeben, nicht von uns zurückgezahlt werden muss? Dass dafür andere gerade stehen. Würden wir mehr Geld ausgeben oder weniger? Die Fragen sind fast schon rhetorisch. Auf der Ebene der Staaten, bei der Diskussion um Eurobonds aber werden sie ernsthaft diskutiert. Weil Politik nur an kurzfristigen Lösungen interessiert ist.

Wir haben an anderer Stelle schon heute ein Auseinanderfallen von “Schulden machen” und “Haftung übernehmen” – bei der intertemporären Verschuldung, der zwischen Generationen. Wir geben als Gesellschaft seit langem mehr Geld aus als wir einnehmen. Wir verlagern das Schulden bezahlen auf die nächsten Generationen. Das ist egoistisch, das ist menschlich, das ist ungerecht.

Wenn wir nun neben dieser intertemporären noch eine zwischenstaatliche Haftungsverschiebung erlauben, vergrößern wir die Probleme der Staatsschulden. Es ist wie Durst mit Cola zu löschen: Es hilft nur für den Augenblick, der nächste Durst wird um so größer sein.


Deutschland hat mehr als 1.700.000.000.000 Euro Schulden. In zehn Jahren könnten alle beglichen sein. Eine einfache Rechnung.

Der Mensch ist für große Zahlen nicht geschaffen. Wir mögen kleine Zahlen. Am liebsten die von eins bis zehn. Sie sind uns vertraut. Weil wir von Geburt an nichts häufiger zu sehen bekommen als unsere Finger.

Je mehr Nullen an einer Zahl hängen, desto unverständlicher wird sie uns. Zum Beispiel, dass die Erde Teil der Milchstraße ist, zu der bis zu 200.000.000.000 Sterne gehören. Unvorstellbar. Und dass diese Milchstraße nur eine von schätzungsweise 100.000.000.000 Galaxien im Weltraum ist. Nicht zu ermessen.

Die Unbegreiflichkeit großer Zahlen finden wir auch im Alltag. Die Millionenschar wöchentlicher Lottospieler zeigt, wie wenig wir von der Welt der Mathematik verstehen. Die Wahrscheinlichkeit eines Sechsers beim Spiel 6 aus 49 (und damit eines Gewinns von durchschnittlich 500.000 Euro) beträgt 1 zu 13.983.816. Hätten alle eine Vorstellung von der Größe dieser Zahl, kein Mensch würde sich an diesem Glücksspiel beteiligen.

Wie mit dem Weltraum und dem Lotto, so geht es uns auch bei den Staatsschulden. Wir können sie nicht fassen. Auf 1.708.408.722.708 Euro belaufen sich die deutschen Verbindlichkeiten beim Schreiben dieses Satzes. Bei diesem Satz sind es schon einige Tausend Euro mehr. Um 2.589 Euro wachsen die Schulden pro Sekunde, rechnet der Bund der Steuerzahler vor.

Klingt nach Drama. Nach einem Problem, das uns über den Kopf gewachsen ist. Wir leben über unsere Verhältnisse, lesen wir. Wir verspielen die Zukunft unserer Kinder, heißt es. Die Katastrophe scheint unabwendbar.

Und wieder lassen wir uns von großen Zahlen täuschen. Stecken den Kopf in den Sand, weil eine Lösung nicht vorstellbar ist.

Dabei ist die Schuldenlast greifbar. Nämlich, wenn sie verteilt wird. Auf die Menschen. Pro-Kopf-Verschuldung heißt das dann. Und die liegt in Deutschland aktuell bei 21.000 Euro. Als habe sich jeder Deutsche einen Mittelklassewagen gekauft, aber nicht bezahlt.

In den vergangenen Jahrzehnten sind aber nicht nur die Schulden gewachsen. Auch die Vermögen. Und zwar deutlich stärker. Das Vermögen der Deutschen hat von 1995 bis 2008 um 81 Prozent zugenommen, die Staatsschulden im gleichen Zeitraum um 64 Prozent.

Auch in absoluten Zahlen überragt das Vermögen die Schulden. Den Verbindlichkeiten in Höhe von 1,7 Billionen Euro, steht ein Privatvermögen von 8,2 Billionen Euro gegenüber.

Theoretisch also könnte das Problem der deutschen Staatsschulden mit einer einzigen Maßnahme gelöst werden, nämlich einer einmaligen Vermögensabgabe von 20 Prozent auf jegliches Privatvermögen. Der Staat wäre auf einen Schlag alle Schulden los. Theoretisch.

Aus der Theorie Praxis werden lassen, das ist der Traum von Alexander Dill. Er ist Leiter des alternativen Basler Instituts für Gemeingüter und Wirtschaftsforschung und hat einen Tilgungsplan für die deutschen Staatsschulden erstellt (siehe Pixelökonom-Interview mit Alexander Dill: „Eine einmalige Vermögensabgabe von 20 Prozent halte ich für umsetzbar“).

Unter Berücksichtigung, dass wegen der Laufzeit der Staatsanleihen, die Schulden nicht alle gleichzeitig beglichen werden könnten, wäre Deutschland durch die Einführung einer solchen einmaligen 20 prozentigen Vermögensabgabe nach zehn Jahren schuldenfrei.

Die Finanzierung einer solchen Abgabe sei für die meisten kein Problem, rechnet Dill vor, „schließlich liegen 80 Prozent der Vermögen in Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von über 4.500 Euro.“

Die erfreuliche Folge: Bund, Länder und Gemeinden müssten nicht mehr 60 Milliarden Euro pro Jahr allein für die Tilgung der Zinsen aufbringen. Steuern und Sozialabgaben könnten drastisch sinken.

Eines von mindestens zwei Problemen einer solchen Vermögensabgabe: Sie würde sich auch auf Festgelder, Aktiendepots, Lebensversicherungen und Immobilien erstrecken. Millionenfach müssten langfristige Anlagen kurzfristig in Geld gewandelt werden.

In erster Linie wird eine solche Abgabe aber deswegen nie eingeführt werden, weil keine Partei politischen Selbstmord begehen will. Denn: Wer würde einer Partei die Stimme geben, die von jedem Wähler verlangt, 20 Prozent seines Ersparten zu geben?

Und überhaupt: Wenn alle Verbindlichkeiten beglichen wären, wer würde sicherstellen, dass den alten Schulden nicht neue folgen?

Einmalige Hau-Ruck-Aktionen lösen selten dauerhafte Probleme.

Die Ursache der hohen Verschuldung liegt nicht darin, dass wir nicht grundsätzlich in der Lage wären, staatliche Aufgaben mit dem von uns Erwirtschaften zu finanzieren.

Und es ist auch nicht so, dass der Staat zu gierig wäre und immer mehr ausgeben würde, zumindest nicht prozentual. Der Anteil der Staatsausgaben am gesamten Bruttoinlandsprodukt liegt aktuell bei rund 45 Prozent. Anfang der 90er Jahre waren es fast 50 Prozent gewesen.

Eines aber hat sich nie verändert, nämlich dass sich der Staat von den Bürgern immer ein paar Prozent weniger holt als er ausgibt. Seit Jahrzehnten schwankt der Finanzierungssaldo – von wenigen Ausnahmen abgesehen – zwischen minus 1 und minus 5 Prozent jährlich.

Die schlichte Erklärung für dieses Phänomen: Die Politik verteilt gerne Geschenke. Weil sie dafür Stimmen bekommt. Gewählt wird, wer viel verspricht, nicht, wer viel fordert. Deswegen finanziert der Staat Teile seiner Ausgaben auf Pump – und bürdet damit jenen Lasten auf, die noch keine (Wähler-)Stimme haben, weil sie noch nicht geboren sind.

Die Politik für dieses Verhalten verantwortlich zu machen, ist nichts als Selbstbetrug. Politiker handeln, wie wir es wünschen. Ändern sich unsere Wünsche, ändert sich die Politik.

Wir können die Schulden loswerden. Es ist leichter als wird denken.


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