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Doppelt falsch: Warum Schäubles Konjunktur-Milliarden nichts bringen

Finanzminister Wolfgang Schäuble öffnet die Schatulle: Zwischen 2016 und 2018 sollen die Staatsausgaben um 10 Milliarden Euro über der bisher im Koalitionsvertrag geplanten Summe liegen. Um die “schwächelnde Konjunktur” (?) zu beleben. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel möchte das Geld unter anderem für Energieeffizienz und Gebäudesanierung verwenden. Nichts an diesen Plänen macht Ökonomen glücklich. Was wissen wir heute über die Konjunktur in den Jahren 2016, 2017 und 2018? Wenig bis nichts. Ein Konjunkturprogramm für diese Zeit aufzulegen ist ökonomisch betrachtet mindestens dumm. Abgesehen von der Konjunktur: Warum sollen Steuerbürger Milliarden zahlen, damit (private) Häuser energieeffizienter werden? Besteuerung ist Diebstahl, hat der berühmte Ökonom Milton Friedman einmal gesagt. Mindestens hier stimmt es. Der Staat kann den Energieverbrauch besteuern. Noch besser, er besteuert den klimaschädlichen Ausstoß. Das macht er bisher auf privater Ebene nicht. Ein Fehler. Mit einem solchen Instrument ließen sich Umweltziele exakt erreichen. Und Geld würde es auch noch in die Staatskasse bringen. Stattdessen subventioniert die Politik Hausbesitzer. Zur Rettung von Klima und Konjunktur. Wie schön das klingt! Wie falsch das ist! Wie wäre es damit, auf den …

Wie wichtig und richtig sind Prognosen?

Der Wunsch, die Zukunft zu kennen, bringt manche um den Verstand. Bisweilen hilft dann sogar der Bundesgerichtshof. Einem Mann war seine langjährige Freundin weggelaufen. Er, in den Vierzigern, Werber und Messebauer, ging darauf zu einer Wahrsagerin. Sein Ziel: Die Freundin zurück gewinnen. Das erste Telefonat war kostenlos gewesen. Danach wurde es teuer: Kartenlegen für 100 Euro, Coachings für ebenfalls 100 Euro, für die ersten 30 Minuten, plus 50 Euro für alle weiteren 15 Minuten. Eine Rechnung über 35.000 Euro beglich der Mann, eine zweite über 6.700 Euro verweigerte er, nachdem der Verlassene eine Sektenberatung aufgesucht hatte. Darauf klagte die Wahrsagerin, bis zum Bundesgerichtshof. Der fällte ein Sowohl-als-auch-Urteil: Zwar dürften Kartenleger grundsätzlich Geld verlangen, ein Vertrag könne aber sittenwidrig und damit nichtig sein, wenn er mit Kunden in “schwierigen Lebenssituationen”, psychisch labilen oder leichtgläubigen Menschen abgeschlossen werde. Der Bundesgerichtshof wies den Fall zur Beurteilung der Sittenwidrigkeit an die Vorinstanz zurück. Die Zukunft ist ein Milliarden-Geschäft. Auch für jene, die bei Sinnen sind. Noch nie waren die Möglichkeiten vielfältiger, mit richtigen Prognosen reich zu werden – mit dem Tippen von …

Gipfel im tiefen Tal: Welche Lehren das G20-Treffen in London aus der Weltwirtschaftskrise ziehen sollte

Joseph Alois Schumpeter hat der Konjunktur eine Ordnung gegeben. Der Ökonom aus Österreich (1883-1950) teilte die Wirtschaftsentwicklung in einen Zyklus mit vier Phasen: Aufschwung, Hochkonjunktur, Abschwung, Krise. Das Wissen um diesen Zyklus erschreckt und beruhigt zugleich. Es nährt die Gewissheit, dass die aktuelle Krise nicht die letzte sein wird, es untermauert aber zugleich die Hoffnung auf den nächsten Aufschwung. Damit dieser bald am Horizont sichtbar wird, treffen sich diese Woche die 20 gewichtigsten Staats- und Regierungschefs in London. Auf einfache Rezepte indes können sie nicht zurückgreifen. Denn in der Wissenschaft fehlt es sowohl an einer allgemein akzeptierten Theorie, warum ein marktwirtschaftliches System in Schwingungen gerät, noch sind sich die Ökonomen einig darüber, ob staatliche Stabilisierungsversuche tatsächlich helfen. Gewissheit gibt es nur darüber: Jede Krise hat ihre Besonderheiten, und wer sie schnell überwinden will, muss ihre speziellen Ursachen kennen. Die aktuelle Krise hat ihren Ursprung im überzogenen Konsum- und Importboom der USA, der dort über Jahre zu einem wachsenden Leistungsbilanzdefizit geführt hatte. Mit anderen Worten: Die US-Bürger haben lange, zu lange auf Pump gelebt. Weil Preise …