Ökumene ökonomisch betrachtet
Veröffentlicht: 24. September 2011 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande | Tags: Ökumene, evangelische Kirche, Katholische Kirche, Kirche, Papst, Papstbesuch 4 Kommentare »Der Papst weilt zur Zeit bekanntlich in Deutschland. Alle Talkshows greifen den Besuch auf. Es werden Themen diskutiert, die schon seit vielen Jahren diskutiert werden. Zölibat, Sexuallehre, Missbrauch. Mich langweilt das ziemlich. Es fehlen neue Erkenntnisse.
Zumal, weil der Papst, wenn man seine verzwirbelten Texte entzwirbelt, wohl sagt, dass er gedenkt, wenig bis gar nichts an den Problemen zu ändern.
Einen Punkt aber finde ich interessant, wenn man ihn aus machtpolitischer Sicht betrachtet, nämlich die Diskussion um die Ökumene.
Jeder Diskussion darüber scheint die unausgesprochene gemeinsame Grundhaltung inne zu wohnen, dass Ökumene etwas Gutes sei, dass es Ziel von Katholiken und Protestanten sein sollte, sich anzunähern, sich wieder zu vereinigen.
Wegen dieser Grundhaltung hat der Papst gestern auch Erfurt besucht, war an der Wirkungsstätte Luthers. Was er sagte, waren nicht mehr als Höflichkeitsadressen. Er hätte auf das Wirken Luthers eingehen können, wie Luther damals die Fehler der katholischen Kirche offenlegte, er hätte ihn würdigen können, sagen können, dass Luther so handeln musste, wie er handelte. Der Papst tat es nicht. Warum sollte er die Missstände der katholischen Kirche von vor 500 Jahren ansprechen, wenn er nicht mal für die heutigen klare Worte findet?
Die Ökumene jedenfalls, das war in Erfurt auch durch Blumen gesprochen sehr verständlich, ist für den Papst kein Thema.
Dies wird eine von mehreren ernüchternden Erkenntnissen sein, wenn das Papamobil wieder in der Garage, der Papst in Rom und die Euphorie der Live-Events verflogen ist.
Ich frage mich allerdings, warum es einen unausgesprochen Konsens darüber zu geben scheint, dass Ökumene etwas Gutes sein soll.
Wer sagt, dass eine christliche Einheitskirche besser ist, als eine Vielzahl von Gruppierungen? Man kennt die Vorteile aus der Ökonomie:
- Vielfalt sorgt für Wettbewerb (Kirchen müssen mit guten Angeboten um Mitglieder werben),
- Vielfalt bringt Auswahl (Jeder Christ kann sich seinen Religionsvorstellungen entsprechend für eine Kirche seiner Wahl entscheiden),
- Vielfalt verhindert Machtmissbrauch (Es ist hinlänglich bekannt, dass Monopole zu unmoralischem Verhalten anregen).
Es spricht also aus meiner Sicht wenig für eine Vereinigung von Protestanten und Katholiken.
Am wenigsten Interesse an einer solchen Fusion dürften übrigens die Kirchenangestellten selbst haben.
Man kennt das von Übernahmeversuchen von Unternehmen. Oft stemmt sich das Führungspersonal verzweifelt gegen eine Übernahme, selbst wenn die Eigentümer der Firma einem Aufkauf positiv gegenüberstehen. Denn den angestellten Geschäftsführen droht mit der Übernahme der Verlust des Arbeitsplatzes.
Dieses Schicksal würden bei einer Fusion von Katholiken und Protestanten auch Kirchenangestellten widerfahren.
Ein Grund für eine Belebung der Ökumene könnte es dann aber doch geben: wirtschaftliche Notwendigkeit. Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche leidet seit Jahren unter Einnahmerückgängen, wegen der Kirchenaustritte. Zwei Kirchen bedeuten doppelte Kosten, ein Zusammenschluss würde Effizienzen schaffen.
Wer die Ökumene in Deutschland fördern will, der sollte sich deshalb für die Abschaffung der Kirchensteuer einsetzen. Würden die Einahmen der beiden Kirchen nicht mehr durch automatische Abbuchung von der Gehaltsabrechnung erfolgen, würden sie drastisch einbrechen. Die wirtschaftliche Not würde die Kirchen schnell an einen Tisch bringen.
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Linktipps 20. November 2009
Veröffentlicht: 20. November 2009 Einsortiert unter: Linktipps | Tags: Geburtenrate, Jeff Jarvis, Kirche, Laffer-Kurve Schreibe einen Kommentar »- Die Regierung will 2011 die Steuern senken. Dadurch könnten die Steuereinnahmen steigen. Steuern senken und gleichzeitig mehr einnehmen? Möglich ist das! Unter bestimmten Umständen. Wirtschaftsprofessor Arthur Laffer hat den Zusammenhang von Steuersatz und Steuereinnahmen 1974 beschrieben und der daraus resultierenden Kurve den Namen gegeben: die Laffer-Kurve. Bereits vor einigen Tagen hat Philip Plickert in der FAZ anschaulich Laffers Gedanken dargelegt.
-> FAZ - In den USA macht die Finanzkrise auch nicht vor den Kirchen halt: 145 Gotteshäuser sind seit Ausbruch der Krise bankrott gegangen.
-> zeitenwende.ch - In Deutschland sterben mehr Menschen als geboren werden. Darf der Staat mit Anreizen versuchen, die Geburtenrate zu erhöhen? Oder ist das ein Eingriff in die Entscheidungsfreiheit? Carlos A. Gebauer diskutiert die Frage auf Eigentümlich frei.
-> ef-online - Bei Fragen des Medienwandels sind seine Antworten gefragt. Zu recht! Die Gedanken des US-Bloggers Jeff Jarvis sind erhellend. Anders als viele Medienberater steht er dazu, nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben. Jetzt hat Jarvis der Wochenzeitung Der Freitag ein Interview gegeben. Wie der Medienwandel stattfindet, wird Jarvis dort gefragt. Es werde chaotisch, prophezeit Jarvis.
-> Der Freitag
