Der große Euro-Schwindel
Veröffentlicht: 1. August 2012 Einsortiert unter: politische Ökonomie | Tags: ARD, Dokumentation, Euro-Einführung, EZB, Griechenland Schreibe einen Kommentar »“Ihr seid nicht dabei und ihr werdet auch nie dabei sein“, hat der ehemalige Finanzminister Theo Waigel Mitte der 90erJahre zu seinem damaligen griechischen Amtskollegen gesagt. Der wettete dagegen. Der Rest ist bekannt.
Diesen Satz wiederholt Waigel in der sehenswerten Dokumentation “Der große Euro-Schwindel”, die Anfang Juli in der ARD gezeigt wurde und auf Youtube nachzusehen ist. Es ist ein Film über Mauscheleien, Haushaltstricks und Konstruktionsfehler. Etwa der, dass zwar ein Kontrollmechanismus eingeführt wurde, um übermäßige Staatsverschuldung der Euro-Staaten zu vermeiden, dass aber darüber, ob es bei Nichteinhaltung Sanktionen geben wird, die Politiker selbst entscheiden. Ottmar Issing, ehemaliger Chefvolkswirt der Bundesbank, sagt es in dem Film treffend: “Eine Jury, in der potenzielle Sünder über aktuelle Sünder richten, kann nicht funktionieren.”
Auch eine schöne Geschichte: Wie die Bundesbank sich “ein letztes Mal” gegen die Bundesregierung durchsetzte, als Waigel mit dem Hubschrauber bei der Bundesbank in Frankfurt eingeflogen kam und den Zentralbankrat davon überzeugen wollte, die Goldreserven höher zu bewerten, damit Deutschland das Defizitkriterium erfüllen kann.
Es sind sehenswerte 45 Minuten, die erklären, warum damals 170 deutsche Ökonomen gegen die Euro-Einführung waren, wie es dazu kam, wie es heute ist.
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“Ups, Griechenland ist doch pleite” – Wie digitale Kommunikation Demokratie verändert
Veröffentlicht: 27. Oktober 2011 Einsortiert unter: Digitales, politische Ökonomie | Tags: EU-Gipfel, Europäische Union, Griechenland, Piratenpartei, Regelbindung, Rettungsschirm, Schuldenkrise Schreibe einen Kommentar »Die goldene Regel von Machtpolitik in einer Demokratie lautet, unbeliebte Reformen am Anfang einer Legislaturperiode durchzuführen. Die sympathischere Begründung dieser Strategie ist, dass sich die positiven Wirkungen einer zunächst unbeliebten Reform erst mit Zeitverzug entfalten und – so dies vor der nächsten Wahl geschieht – die Reformpartei am Ende wiedergewählt wird. Die weniger freundliche Variante lautet: Der Wähler ist ein Goldfisch. Was zu Beginn einer Legislaturperiode von den Machthabern beschlossen wird, spielt beim Ankreuzen des nächsten Wahlzettels keine Rolle mehr.
Beide Lesarten sind mit dem Grundprinzip der Demokratie eigentlich nicht vereinbar, wonach die Politik umsetzen soll, was die Mehrheit will. Gegen die Mehrheit zu entscheiden, ist im Kern undemokratisch.
Die Schuld für undemokratisches Regieren nur bei der Politik zu suchen, ist zu einfach und populistisch. Wenn beispielsweise alle, die sich mit einem Thema auseinander setzen, der Meinung sind, dass die Politik etwas ändern muss, wenn aber die Mehrheit sich mit dem Thema gar nicht auskennt und deshalb diese Veränderung nicht will, weil sie den Nutzen nicht erkennen kann, dann wäre es eigentlich für alle gut, dass sich etwas ändert – nur demokratisch ist es eben nicht.
Demokratie befindet sich dann in einem Dilemma: Die richtige Politik ist undemokratisch, die falsche schädlich.
In Wirklichkeit ist die Lage meist noch komplizierter, weil sich auch Experten häufig nicht einig sind, was gut und was schlecht ist. Dennoch gibt es aus dem Dilemma nur einen Ausweg: Eine bessere politische Bildung der Wähler.
Diese Bildung freilich hat Grenzen. Kein Mensch kann auf allen Gebieten Experte sein. Und dennoch: Je mehr sich Menschen für Politik interessieren, desto eher können sie Entscheidungen verstehen, gut finden oder ablehnen.
Aber wie entsteht Interesse für Politik? Durch die Möglichkeit der Teilhabe. Wer etwas verändern kann, ist bereit zu investieren. Digitale Kommunikation ermöglicht diese Teilhabe.
Es ist viel darüber geschrieben worden, wie Facebook, Twitter und Co. helfen, Despoten im Nahen Osten und Nordafrika von der Macht zu verjagen. Weniger diskutiert wird, wie neue Techniken auf demokratische Systeme wirken.
Aber warum soll neue Kommunikationstechnik nur Diktaturen und nicht auch Demokratien gründlich verändern? Die Piratenpartei ist Folge dieser Technikentwicklung und First-Mover im Parteiensystem. Ich bin der Überzeugung, dass die jüngsten Erfolge der Piratenpartei den Anfang einer Veränderung bilden, die ähnlich folgenreich sein wird, wie es die Etablierung der Massenmedien Radio und Fernsehen war.
Der Kern der Veränderung wird eine neue Form der Regelbindung sein. Das Politiker-Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ funktioniert bereits heute häufig nicht mehr. In einer Internetwelt, wo jedes Komma für alle abrufbar archiviert ist, wird die Gegenwart schneller von der Vergangenheit eingeholt.
Aber das ist nur der Anfang. Die Piratenpartei gibt erste Hinweise, wohin die Reise geht. Der Politiker wird zum Vollzugsbeamten der Bürger. Charismatiker und Schaumschläger (die Unterscheidung ist nicht immer einfach und bisweilen fließend) braucht es zunehmend weniger. Anzug und Krawatte, gesundes Aussehen und sicheres Auftreten, die Krücken der Glaubwürdigkeit, werden unwichtiger. Weil die Wünsche der Wähler unmittelbarer und häufiger in die Parteipolitik einfließen können, weil tatsächliche Kontrolle möglich wird. Was zählt ist wirkliche Transparenz. Die Technik von heute macht das möglich. Die Technik von morgen wird dies optimieren.
Man kann es auch ökonomisch sagen: Der technische Fortschritt senkt die Transaktions- und Überwachungskosten politischer Entscheidungen. Immer besser lässt sich Politik an Taten als an Worten messen.
Die Folge für die Demokratie: Politik wird nicht mehr so oft gegen den Willen der Mehrheit entscheiden. Mit der negativen Begleiterscheinung des oben beschriebenen Dilemmas, dass eben auch Reformen, die nötig, aber unpopulär sind, unterbleiben. Allerdings führt die Teilhabe zu Interesse. Die Menschen werden kompetenter in ihren politischen Entscheidungen. Das Dilemma wird also immer seltener auftreten.
Nur für die Politik wird der Wind rauer: Pfründesicherung, Geklüngel und Egotrips werden deutlicher schwerer. Dafür stehen die Chancen gut, dass der Berufsstand des Politikers im Ansehen der Bürger steigt. Wer tut, was einem gesagt wird, der darf Zustimmung erwarten.
Warum ich das hier schreibe? Weil der gestrige EU-Gipfel zeigt, wie weit der Weg in diese neue Demokratiewelt noch ist. Eine Pleite Griechenlands komme nicht in Frage, koste es, was es wolle, hatte die Bundesregierung wochenlang verkündet, noch als für jeden Interessierten schon klar war, dass es ohne Schuldenschnitt nicht gehen würde – jetzt kommt die Pleite, koste sie was sie wolle. Über eine Hebelung des Rettungschirms werde nicht nachgedacht, war verkündet worden, als längst deutlich war, dass hunderte Milliarden, hunderte Milliarden zu wenig sind.
Jetzt also ist Griechenland (zumindest teilweise) pleite und soll 100 Milliarden Euro Steuergeld der EU-Bürger erhalten. Die Bundesregierung hat sich der Regelbindung genauso verweigert, wie es die Europäische Union insgesamt bei der Schuldenkrise tat. No-Bail-Out lautete die Grundregel, ohne die der Euro nicht eingeführt worden wäre, die bei der ersten ernsthaften Krise über Bord gekippt wurde und ohne die der Euro nicht überleben wird.
Diese Krise der Europäischen Union zeigt, wie wichtig Regelbindung in einer Demokratie ist. Die digitalen Kommunikationsmöglickeiten erhöhen die Chancen auf bessere Durchsetzung solcher Regeln. Der Euro wird damit nicht mehr zu retten sein, die Demokratie schon.
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Merkel bei Jauch: Sie wusste nicht, was sie sagte
Veröffentlicht: 26. September 2011 Einsortiert unter: Weltwirtschaft | Tags: Euro, Griechenland, Jauch, Merkel, Schuldenschnitt Schreibe einen Kommentar »Frau Merkel hat gestern in der ARD bei Günther Jauch so manches ökonomisch Wirres bis Unsinniges erzählt. Ein Punkt sei herausgegriffen: Ein Schuldenschnitt für Griechenland sei zum jetzigen Zeitpunkt gefährlich, hatte die Bundeskanzlerin gesagt.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Frau Merkel nicht wusste, was sie da sagte. Was sie nämlich sagte war, dass sie dafür plädiere, Griechenland weiter Garantien für neue Staatsanleihen zu geben, um in der Zukunft einen Schuldenschnitt für Griechenland in Erwägung zu ziehen. Dann also, wenn die Folgen eines Schuldenschnitts noch viel stärker vom deutschen Steuerzahler zu bezahlen sind. Das sagte die Kanzlerin – ohne es vermutlich sagen zu wollen.
FDP – nicht wählbar!
Veröffentlicht: 17. September 2011 Einsortiert unter: Weltwirtschaft | Tags: EFSF, FDP, Griechenland, Rösler, Rettungsschirm, Schuldenkrise 10 Kommentare »Auf die FDP einzudreschen ist so populär wie uninovativ. Aber das geht jetzt nicht anders. Das muss raus. Alles andere würde der Gesundheit schaden.
Deutsche Ökonomen haben sich hinter Philip Rösler gestellt, lese ich eben. Es sind Ökonomen, die ich durch die Bank sehr schätze, Hochachtung vor ihrer Leistung habe. Aber diese Unterstützung geht mir gegen den Strich, so sehr sie in der Sache gerechtfertigt ist.
Herr Rösler hatte gesagt, dass man über eine Insolvenz Griechenlands nachdenken müsse. Viele Ökonomen sagen das auch. Es ist schlicht der einzig mögliche Weg aus der Schuldenkrise.
Was also Herr Rösler sagt, klingt vernünftig. Er nimmt sogar einen Konflikt mit der Bundeskanzlerin in Kauf. – Welch billige Finte! Morgen ist Wahl. Rösler kann gar nichts besseres passieren, als dass Frau Merkel meckert, als das Thema am Köcheln zu halten.
Denn die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist gegen die Staaten-Rettung der Regierung. Für eine noch überwältigendere Mehrheit ist die FDP nicht wählbar. Da will die FPD kurz vor Urnenschluss noch ein paar Stimmen fischen. Herr Rösler macht Wahlkampf.
Man erkennt Menschen nicht an Worten, sondern an Taten. – Bei der Probeabstimmung zur Erweiterung des Rettungsschirms (EFSF), der am 29. September im Bundestag beschlossen werden soll, hatten ganze zwei FDP-Abgeordnete gegen den Rettungsschirm gestimmt.
Auch hier war das Kalkühl offensichtlich. Lässt die FDP die Abstimmung platzen, steht die Koalition auf dem Spiel. Neuwahlen aber würden den FPD-Abgeordneten im Bundestag ihren Job kosten (mindestens vielen von ihnen).
Man könnte fast Verständnis aufbringen, für solch ein egoistisches Motiv. Schließlich geht es um berufliche Existenzen. Aber nicht bei der Bedeutung dieser Abstimmung! Hunderte Milliarden Euro der Steuerzahler stehen auf dem Spiel.
Einen Schuldenschnitt in Erwägung zu ziehen, gleichzeitig Pleitestaaten Garantien über Milliarden zu gewähren, das ist keine konsistente Politik. Herr Rösler und die anderen FDP-Abgeordneten werden ihrer Verantwortung nicht gerecht. I dislike!
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Rettet die Banken! Das ist gerecht!
Veröffentlicht: 16. September 2011 Einsortiert unter: Weltwirtschaft | Tags: Bankenrettung, EFSF, EMS, Euro, Griechenland, Rettungsschirm, Schuldenkrise, Schuldenschnitt 3 Kommentare »Wie der europäischen Schuldenkrise entkommen? Staaten retten? Oder Staaten pleite gehen lassen?
Ökonomisch betrachtet ist die Antwort einfach. Staaten retten bringt nichts. Weil erstens der Umfang der Rettung nicht zu stemmen ist. Und weil zweitens eine Staatenrettung falsche Anreize setzt. Es löst nicht das Problem, das nämlich Staaten gerne mehr ausgeben als sie einnehmen. Im Gegenteil: Eine Staatenrettung würde das Problem in die Zukunft verlagern und gleichzeitig verschärfen.
Als Ausweg bleibt nur der Schuldenschnitt. Aber auch der hätte negative Folgen. Eine Bankenkrise könnte folgen. Denn Banken halten Staatsanleihen, ein Schuldenschnitt könnte Geldhäuser in Schieflage bringen und so die Probleme einzelner Länder nach ganz Europa tragen.
Der Weg aus der Krise kann in der Rekapitalisierung gefährdeter Banken bestehen. Staaten geben Banken Geld und bekommen dafür Anteile an der Bank. Staaten werden also Miteigentümer von Banken. Im Gegensatz zur versuchten Staatenrettung besteht hier die berechtigte Hoffnung, nach der Krise die erworbenen Bankanteile ohne Verlust (vielleicht sogar mit Gewinn) wieder verkaufen zu können.
Eine Bankenrettung hat gegenüber einer versuchten Staatenrettung also zwei Vorteile:
- An einer Bank kann man, im Gegensatz zu einem Staat, Eigentum erwerben. Einer Rettung steht folglich ein Gegenwert gegenüber.
- Eine Bankenrettung bewegt sich in finanziellen Dimensionen, die zu stemmen ist.
Leider ist eine Bankenrettung bei den meisten Wählern unpopulär. Deswegen wird sich die Politik nicht darauf einlassen. Bei einer Bankenrettung, so der weit verbreitete Glaube, werde jenen Geld gegeben, die eh schon genug haben, nämlich der Finanzwelt.
Doch der Glaube ist ein Irrglaube. Eine Bankenrettung ist unter Verteilungsgesichtspunkten deutlich gerechter als eine Staatenrettung. Darauf weisen die beiden Wirtschaftswissenschaftler Harald Hau und Bernd Lucke in einem Gastbeitrag in der heutigen FAZ hin. 70 Prozent des von einer möglichen Staateninsolvenz betroffenen Kapitals befände sich im Besitz der 5 Prozent reichsten Menschen, schreiben die Wissenschaftler. “Die durch einen Rettungsschirm erfolgende Übernahme von Verlusten dieser kleinen Vermögenselite bedeutet eine gewaltige Umverteilung zuungunsten des durchschnittlichen Steuerzahlers.”
Und weiter: “Durch eine Bankenrekapitalisierung findet diese sozial anstößige Umverteilung entgegen landläufiger Meinung nicht statt, denn die Bankaktionäre werden nicht Eigentümer des frischen Kapitals: Es gehört vielmehr dem Staat.”
Eine geordnete Insolvenz inklusive Bankenrettung durch den Steuerzahler wäre also ökonomisch und gerecht. Die Bundesregierung aber will sie nicht. Sie hält ihre milliardenschweren Rettungspläne für alternativlos. Der Bundestag soll sie am 29. September abnicken. Hau und Lucke appellieren an den Widerstand der Parlamentarier. Der Bundestag dürfe sich “in einer für die Zukunft Deutschlands und Europas so bedeutenden Frage nicht zum Erfüllungsgehilfen einer Regierungen machen, die wider besseren Wissens ihre eigene Politik für alternativlos erklärt.”
Wenn Europa Griechenland nicht helfen würde…
Veröffentlicht: 22. Juli 2011 Einsortiert unter: Weltwirtschaft | Tags: Euro, Euro-Rettung, Griechenland, Schuldenkrise 5 Kommentare »Was eigentlich würde mit Griechenland passieren, wenn Europa nicht helfen würde?
Dann würde Griechenland seinen Gläubigern sagen, dass sie nicht mehr zahlen werden. Und den Worten würden Taten folgen. Die Gläubiger würden auf ihren hochwertig bedruckten Anleihe-Papieren sitzen bleiben. Sie würden diese nie mehr in Euro zurück tauschen können. Das wäre nicht schön für die Gläubiger. Aber so ist das (Finanz-)Leben. Wertpapiere steigen nicht nur im Wert, sie fallen auch. Manchmal verlieren sie ihren Wert vollständig. Man kennt das. Bei Aktien passiert das täglich. Firmen gehen Pleite. Die Unternehmenswerte sind dann nicht mehr das Papier wert auf dem sie stehen.
Für Griechenland wäre eine solcher, so genannter Schuldenschnitt, zunächst eine Befreiung. Müssten sie doch aktuell keine Steuergelder mehr dafür aufwenden, fällig werdende Staatsanleihen zu bedienen.
Der Nachteil für Griechenland: Sie würden nur zu hohen Kosten Geld für weiteres Schuldenmachen erhalten. Die Kapitalmärkte würden zunächst noch skeptischer. Warum sollte man jemandem, der in der Vergangenheit unzuverlässig war, für die Zukunft eine andere Eigenschaft attestieren?
Es wäre dieses fehlende Vertrauen, das Griechenland in eine goldene Zukunft führen könnte. Denn die griechische Politik müsste sich ändern. Die Wirtschaftspolitik müsste konsequent auf Wachstum ausgerichtet werden, indem mehr Wettbewerb zugelassen wird. Es würde eventuell eine Schuldenbremse in die Verfassung geschrieben werden. Die Politik insgesamt würde transparenter werden. Weil Griechenland nur so wieder an günstiges Geld für (maßvolle und temporäre) neue Schulden kommen könnte.
Die Zukunft Griechenlands könnte rosig sein. Stattdessen wird Griechenland “gerettet”. Mit billigem Geld für das die (noch) verlässliche Staaten bürgen.
Durch die vermeintliche Rettung kommt Griechenland an günstiges Geld, ohne die Märkte überzeugen zu müssen. Lediglich europäische Regierungen müssen überzeugt werden. Der Schein dominiert die Wahrheit.
Und so wird, was uns heute als Rettung verkauft wird, zumindest das Ende des Euros in seiner jetzigen Ausbreitung sein. Der könnte durch eine einzige Maßnahme gerettet werden: Wenn die Regierungen glaubhaft machen könnten, sich bei Verschuldung in Zukunft nicht mehr gegenseitig zu helfen. Aber daran denkt momentan kein Regierungschef.
Es ist wie mit der Erziehung. Wer will, dass Kinder verantwortungsvolle Erwachsene werden, der muss ihnen Verantwortung geben. Das bedeutet, dass sie die Folgen ihres Tuns zu spüren bekommen. Das mag bisweilen weh tun. Es ist die Basis für ein gelingendes Leben.
“Der Euro-Rettungsschirm belohnt die Spekulanten und schadet Deutschland”
Veröffentlicht: 31. Mai 2010 Einsortiert unter: Linktipps | Tags: Euro, Finanzkrise, Griechenland, Krise, Rettungsschirm 1 Kommentar »Hans-Werner Sinn zuzuhören, heißt für mich: wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen. Jetzt hat sich Sinn der Eurokrise angenommen. Seine Analyse: Der Rettungsschirm für Griechenland und eventuell weitere Länder ist nicht nur unnötig, sondern auch schädlich. Denn erstens sei der Euro letzlich gar nicht gefährdet und zweitens würde durch den Schutzschirm dem rasanten Kapitalexport aus Deutschland Vorschub geleistet. Denn wer ausländische Staatsanleihen stütze, mache sie im Vergleich zur inländischen Geldanlage attraktiver.
Und eine ganz grundsätzliche Frage stellt Sinn auch: Warum sollen eigentlich die Steuerzahler mit Milliarden das Risiko jener Spekulanten tragen, die riskante Staatsanleihen gekauft haben?
Linktipp: Euro-Krise, ifo-Schnelldienst, Hans-Werner Sinn
Schaffen Spekulanten Wohlstand?
Veröffentlicht: 17. März 2010 Einsortiert unter: Gesellschaft | Tags: Finanzkrise, Griechenland, Spekulanten 1 Kommentar »Der Mundschenk des Pharaos hatte ihn zurück in die Freiheit gebracht. Er, Josef, war zwei Jahre zuvor zusammen mit dem Mundschenk und einem Bäcker des Pharaos im Gefängnis gesessen. Der Mundschenk und der Bäcker hatten dort seltsame Träume gehabt. Josef deutete die Träume. Der Mundschenk komme wieder zu Gnaden, der Bäcker aber an den Galgen, prophezeite er. Und so kam es auch.
In Freiheit erinnerte sich der Mundschenk an den Deuter Josef. Sein Pharao hatte ebenfalls seltsam geträumt. Von fetten Kühen, die von mageren aufgefressen werden und von schönen, prallen Ähren, die von sieben dürren umschlungen werden. Der Pharao hatte alle Wahrsager des Landes zusammen kommen lassen, aber keiner konnte den Traum interpretieren.
Da erzählte der Mundschenk seinem Herrn von dem Erlebnis im Gefängnis und der Pharao ließ Josef holen. Und Josef deutete:
„Siehe, sieben reiche Jahre werden kommen in ganz Ägyptenland. Und nach ihnen werden sieben Jahre des Hungers kommen, so dass man vergessen wird alle Fülle in Ägyptenland. Und der Hunger wird das Land verzehren, dass man nichts wissen wird von der Fülle im Lande vor der Hungersnot, die danach kommt; denn sie wird sehr schwer sein.“
Aber Josef ließ es nicht bei der Deutung. Er bot auch eine Lösung an:
„Nun sehe der Pharao nach einem verständigen und weisen Mann, den er über Ägyptenland setze, und sorge dafür, dass er {der Pharao} Amtleute verordne im Lande und {er, der Pharao} nehme den Fünften {Anteil der Ernte} in Ägyptenland in den sieben reichen Jahren und lasse sie sammeln den ganzen Ertrag der guten Jahre, die kommen werden, dass sie Getreide aufschütten in des Pharao Kornhäusern zum Vorrat in den Städten und es verwahren, damit für Nahrung gesorgt sei für das Land in den sieben Jahren des Hungers, die über Ägyptenland kommen werden, und das Land nicht vor Hunger verderbe.“
Die mündliche Job-Bewerbung Josefs nahm der Pharao dankend und erhob ihn zum staatlichen Verwalter.
Das erste Buch Moses im Alten Testament erzählt die Geschichte vom wundersamen Aufstieg Josefs vom Sklaven zum zweiten Mann in Ägypten. Es ist aber auch die Geschichte einer gigantischen Spekulation. Sieben Jahre lang ließ Josef Vorräte horten, in dem Glauben, dass sie ab dem achten Jahr dringend benötigt werden. Josef, der Spekulant, rettete ein ganzes Volk vor dem Hungertot. Und vermutlich verdiente er sich – freilich schweigt sich darüber die Bibel aus – zusammen mit dem Pharao eine goldene Nase.
Der Spekulant als Lebensretter? Spekulanten profitieren vom Unglück anderer (Hungersnot), sie sind Parasiten, weil sie keine keine eigenen Werte schaffen, sondern sich an der Arbeit (Ernte) anderer bereichern, sie treiben die Preise nach oben und gelten deshalb als Krisenverschärfer und -profiteure. Gerät ihr Nachbar in Not, schließen sie wetten auf ihren Untergang ab, anstatt ihm zu helfen. Der Spekulant ist ein Egoist, der der Gesellschaft schadet.
Was sind Spekulanten? Lebensretter oder Wohlstandsvernichter?
Zunächst: Die Arbeit des Spekulanten ist eigentlich ganz simpel. Er kauft etwas, wenn er glaubt, dass es billig ist, und verkauft es, wenn er glaubt, dass es teuer ist. Die Differenz ist sei Einkommen (oder Verlust). Er handelt zu seinem Nutzen. Was aber sind die Auswirkungen auf die Gesellschaft?
Spekulationen sind grundsätzlich hilfreich. Dieser Überzeugung war der Wirtschaftsnobelpreisträger und amerikanische Liberale Milton Friedman. Im Kern ist seine Argumentation einfach.
Ein Beispiel: Der Wert eines Unternehmens A liegt nach Ansicht kundiger Marktteilnehmer bei 100 Euro. Aufgrund von Spekulationen unkundiger Anleger steigt der Börsenwert auf 110 Euro. Die kundigen Spekulanten erkennen diese Überbewertung, wittern ein Geschäft und verkaufen ihre Aktien, wodurch sich der Aktienkurs wieder dem tatsächlichen Wert nähert.
Spekulanten, so Friedmans Überzeugung, tragen zur Glättung von Kursbewegungen bei. Sie stabilisieren die Wirtschaft. Nicht nur durch den Handel mit Aktien. Auch durch Geschäfte mit Gütern.
Ein Spekulant etwa, der eine Hungersnot prognostiziert, wird frühzeitig Getreide aufkaufen. Als Folge seiner Nachfrage wird der Preis steigen. Dann aber, wenn die Hungersnot eintritt, die Not am größten ist und deshalb auch der Preis am höchsten, wird der Spekulant sein Getreide verkaufen und damit den Preis senken.
Die Realität aber hält sich nicht immer an Friedmans Theorie von den sich glättenden Preisen. Sie wurde deshalb um diverse Theorien zur Blasen-Bildung erweitert. Um im Beispiel zu bleiben: Nicht jeder kundige Spekulant verkauft seine Aktien bei 110 Euro, zumindest dann nicht, wenn er vermutete, dass der Kurs durch schlecht informierte Anleger weiter steigen wird. Der Spekulant versucht auf der Welle mitzureiten und hofft abspringen zu können, bevor der Absturz kommt. Weil viele so denken, bauen sich Aktienkurse regelmäßig auf, bevor sie abrupt einbrechen.
Es klingt absurd, aber es ist so: Auf der einen Seite korrigieren Spekulanten Übertreibungen, auf der anderen Seite befeuern sie diese Übertreibungen und produzieren selbst Blasen.
Aber Spekulanten beeinflussen nicht nur Kurse. Ihre Wetten auf die Zukunft können für all jene hilfreich sein, denen die Unsicherheit ihre Existenz kosten kann. Gegen eine angemessene Rendite-Erwartung kaufen Spekulanten Risiken ab, die andere nicht schultern wollen. Solche Geschäfte nennt man Hedging. Landwirte sichern sich damit ihre Zukunft. Sie können bereits im Frühjahr ihre Weizenernte über so genannte Terminbörsen verkaufen. Das schafft Planungssicherheit. Sie wissen somit genau, welchen Preis sie im Herbst für ihre Ernte erhalten werden.
Der Spekulant übernimmt das Risiko, dass der Weizenpreis im Herbst im Keller sein wird, er erhält aber auch die Chance, dass der Preis im Herbst höher sein wird, als was er dem Landwirt zahlen muss.
Was aber ist mit den Spekulationen auf Firmenpleiten? Sogar ganze Staaten sollen von Spekulanten in den bankrott getrieben worden sein (siehe auch „Kann ein Land bankrott gehen?“). Vernichten Spekulanten mit solchen Untergängen nicht Milliarden?
„Niemand soll den Spiegel für seine hässliche Fratze verantwortlich machen“, antworten die Spekulationsfreunde. Spekulanten machen nur offensichtlich, was ohnehin faul ist. Und da sie davon leben, dass sie die Zukunft vorhersagen, decken sie Fehler früher als andere auf.
Und sie schauen genauer hin. Denn es ist ihr Geld, das auf dem Spiel steht. Die Europäische Statistikbehörde hat es lange nicht so genau genommen mit den Buchungsmethoden des griechischen Staates. Die Spekulanten haben dies gesehen und darauf gewettet, dass diese Tricks auf Dauer nicht gut gehen werden.
Spekulanten sind Zocker, die Gerechtigkeit in die Welt der Lügen bringen! Wer auf sie schaut, hat die Möglichkeit zu reagieren. Mit etwas Glück ist es dann noch nicht zu spät.
Nach dem Anschlägen am 11. September 2001 gab es Überlegungen, Spekulationen auf Terrorattacken zuzulassen. Verdienen sollte, wer Ort und Ziel des nächsten Angriffs möglichst genau vorhersagt.
Auf einem solchen Handelsplatz über das Wissen von Terroranschlägen wären Millionen von Informationen zusammengelaufen. Denn Wissen begibt sich dorthin, wo sich mit ihm Geld verdienen lässt. Man hat diese Überlegungen als unmoralisch verworfen. Man hat damit aber auch eine Chance verworfen, zukünftige Terroranschläge zu verhindern.
Das Verbot der Spekulation verhindert, zukünftige Gefahren heute zu entschärfen. Josefs Hortung von Getreide über sieben Jahre ist der biblische Beleg für eine solche Gefahrenabwendung. Der Vorwurf, Josef sei auch ein Scharlatan gewesen, hat die Wissenschaft übrigens widerlegt. Die Traumdeutung Josefs war keine frei erfundene Interpretation. Die Hochwasser des Nils waren für die Landwirtschaft Ägyptens lebenswichtig. Die sieben fetten und sieben mageren Jahre, die den Ägyptern damals zu schaffen machten, seien womöglich auf die so genannte Nordatlantische Oszillation zurückzuführen, schreibt der Forscher Dmitri Kondrashov von Universität von Los Angeles in einer Forschungsarbeit. Diese im Rhythmus von sieben Jahren wiederkehrende Klimaveränderung beeinflusste den Wasserstand des Nils.
Man muss sich Josef, den Spekulanten, als sehr schlauen und weisen Menschen vorstellen.
Kann ein Land bankrott gehen?
Veröffentlicht: 17. März 2010 Einsortiert unter: Gesellschaft | Tags: Bankrott, Finanzkrise, Griechenland, Pleite, Staatsbankrott 2 Kommentare »Der Stabilitätspakt von Maastricht soll die Schulden der EU-Länder begrenzen. Nicht nur, aber vor allem Griechenland, ist von der Einhaltung der im Pakt verankerten Grenzen weit entfernt:
- Das Haushaltsdefizit eines Jahres darf nicht mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen, bei den Griechen waren es im vergangenen Jahr geschätzte 12,7 Prozent.
- Die Gesamtschulden eines EU-Landes dürfen laut Stabilitätspakt nicht über 60 Prozent des BIP liegen, 2009 waren es bei den Griechen 113 Prozent.
Jetzt wird darüber spekuliert, ob Griechenland seine Schulden überhaupt wird zurückzahlen können. Die EU-Staaten denken über Kredite an Griechenland nach, obwohl der Maastricht-Vertag solche Hilfen ausdrücklich verbietet.
Was würde passieren, wenn Griechenland pleite ging?
Weniger als man vielleicht denkt. Denn eine Staatsbankrott läuft anders ab als eine Unternehmenspleite. Ein Unternehmen, das dauerhaft seine Schulden nicht mehr bezahlen kann, verschwindet von der Bildfläche. Ein Staatsbankrott aber ist nicht gleichbedeutend mit einer Staatsvernichtung. Wenn ein Staat seinem Schuldendienst nicht mehr nachkommt, dann passiert erst mal gar nichts. Was sollen die Gläubiger auch tun. Einen Krieg anzetteln?
Hinzu kommt: Im Vergleich zu einem Unternehmen hat der Staat immer Menschen, die “für ihn arbeiten” und ihn mit Geld in Form von Steuern versorgen. Reicht das nicht, werfen Staaten gerne die Notenpresse an. Sie bezahlen ihre Schulden mit frischem Geld und nehmen die folgende Inflation billigend in Kauf.
Und weil einem Staat nie wirklich das Geld ausgeht, finden sich selbst nach einem Staatsbankrott schnell wieder Bereitwillige, die eine neue Verschuldung des Staates finanzieren, indem sie dessen neue Anleihen kaufen.
Staaten gehen nicht unter, weil sie kein Geld mehr haben. Das wusste bereits Philipp II. Der regierte das spanische Weltreich von 1556 bis 1598. In den 42 Jahren seiner Regierungszeit gab es gerade mal 6 Monate Frieden. 90 Prozent seiner Einnahmen gab er für das Militär aus, weshalb sein Staat gleich viermal bankrott ging (mehr hier). Seiner Macht setzten die Pleiten nie ein Ende. Jedes mal fand er neue Finanziers, die ihm neue Kriege ermöglichten.
