Lesetipp: “Mit Dummheit Geld machen”

Heute Abend, 21.45 Uhr, ist Frau Merkel zu Gast bei Günther Jauch. Merkel werde zu Fragen nach der Lösung der Euro-Krise Stellung nehmen, heißt es von der ARD. Die Bundeskanzlerin sucht die Offensive. Die Mehrheit der Deutschen ist gegen den Rettungsschirm, der am kommenden Donnerstag, 29. September, im Bundestag zur Entscheidung ansteht.

Man weiß schon, was die Bundeskanzlerin sagen wird, dass nämlich ein überzeugter Europäer für die Krisenländern eintreten müsse. Sie sagt das zur Zeit ständig.

Nicht nur mir ist klar, dass die Politik Merkels eine Europa-Krise erst herauf beschwören wird. Wenn Länder für andere Länder haften und Steuerzahler Milliardenbeträge zum Stopfen von Haushaltslöchern in anderen Staaten aufbringen müssen, ist schlechte Laune kontinentalweit vorprogrammiert.

Ich habe in diesem Blog zu diesen Thema schon manches geschrieben. An anderer Stelle wird dazu auch viel gesagt, den unterhaltsamsten und bissigsten Text hat meiner Meinung nach aber der Tagesspiegel-Redakteur Harald Schumann verfasst.

“Mit Dummheit Geld machen”, heißt der heute online erschienene Artikel. Schumann erzählt darin, wie er aus Zorn über die Politik in der europäischen Schuldenkrise zum Spekulanten wurde. Unbedingt lesen!

Meine Lieblingsstellen:

Seit Jahren predigen Konzernfürsten und ihre Wasserträger in Regierungsämtern dem Volk die Regeln der Marktwirtschaft, um Lohnsenkungen für Arbeitnehmer und Steuersenkungen für Kapitalbesitzer zu rechtfertigen. Doch jetzt, da es um Banken und ihre vermögenden Kunden geht, zählen die Regeln des Marktes nicht mehr.

Die als “Rettung” getarnte Umverteilung zugunsten der Vermögenden geht weiter.

Alle Fachleute, die nicht der Finanzwirtschaft verbunden sind, plädierten unabhängig von ihrem politischen Standpunkt schon im Frühjahr 2010 für einen schnellen Schuldenerlass.

Ein Jahr nach der ersten Fehlentscheidung hat die Finanzbranche einen mächtigen Bündnispartner gefunden: Die EZB war über den – von den Regierungen gewünschten – Kauf von Anleihen der Krisenstaaten inzwischen selbst zu deren größtem Gläubiger geworden. Allein in Griechenland hat sie mehr als 50 Milliarden Euro im Feuer. Jeder „substanzielle Beitrag“ der Kreditgeber reißt nun auch in die Bilanz der EZB ein großes Loch. Mit seiner ganzen Autorität wehrte sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet daher gegen einen Schuldenerlass. Wieder und wieder warnten er und seine Kollegen für diesen Fall vor einem finanziellen Armageddon, nicht zuletzt, um ihre Ehre als Notenbanker zu retten.

Als die Regenten der Euro-Zone am 21. Juli in Brüssel zusammenkamen, um weitere 100 Milliarden Euro Kreditnachschub für Athen zu verabschieden, saß Bankenlobbyist Ackermann wie selbstverständlich mit am Tisch des zentralen Gesetzgebungsorgans der EU. Das sprach zwar allen demokratischen Prinzipien Hohn, aber es hatte seine innere Logik. Schließlich sollte die Finanzbranche einen „freiwilligen“ Beitrag leisten. Darum war konsequenterweise der globale Lobbyverband IIF beauftragt worden, ein Konzept vorzulegen, um die Teilnahme für die Betroffenen attraktiv zumachen. Einen solchen Plan der Frösche zur Trockenlegung des Sumpfes konnte aber niemand besser verklären als deren Chef selbst.


FDP – nicht wählbar!

Auf die FDP einzudreschen ist so populär wie uninovativ. Aber das geht jetzt nicht anders. Das muss raus. Alles andere würde der Gesundheit schaden.

Deutsche Ökonomen haben sich hinter Philip Rösler gestellt, lese ich eben. Es sind Ökonomen, die ich durch die Bank sehr schätze, Hochachtung vor ihrer Leistung habe. Aber diese Unterstützung geht mir gegen den Strich, so sehr sie in der Sache gerechtfertigt ist.

Herr Rösler hatte gesagt, dass man über eine Insolvenz Griechenlands nachdenken müsse. Viele Ökonomen sagen das auch. Es ist schlicht der einzig mögliche Weg aus der Schuldenkrise.

Was also Herr Rösler sagt, klingt vernünftig. Er nimmt sogar einen Konflikt mit der Bundeskanzlerin in Kauf. – Welch billige Finte! Morgen ist Wahl. Rösler kann gar nichts besseres passieren, als dass Frau Merkel meckert, als das Thema am Köcheln zu halten.

Denn die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist gegen die Staaten-Rettung der Regierung. Für eine noch überwältigendere Mehrheit ist die FDP nicht wählbar. Da will die FPD kurz vor Urnenschluss noch ein paar Stimmen fischen. Herr Rösler macht Wahlkampf.

Man erkennt Menschen nicht an Worten, sondern an Taten. – Bei der Probeabstimmung zur Erweiterung des Rettungsschirms (EFSF), der am 29. September im Bundestag beschlossen werden soll, hatten ganze zwei FDP-Abgeordnete gegen den Rettungsschirm gestimmt.

Auch hier war das Kalkühl offensichtlich. Lässt die FDP die Abstimmung platzen, steht die Koalition auf dem Spiel. Neuwahlen aber würden den FPD-Abgeordneten im Bundestag ihren Job kosten (mindestens vielen von ihnen).

Man könnte fast Verständnis aufbringen, für solch ein egoistisches Motiv. Schließlich geht es um berufliche Existenzen. Aber nicht bei der Bedeutung dieser Abstimmung! Hunderte Milliarden Euro der Steuerzahler stehen auf dem Spiel.

Einen Schuldenschnitt in Erwägung zu ziehen, gleichzeitig Pleitestaaten Garantien über Milliarden zu gewähren, das ist keine konsistente Politik. Herr Rösler und die anderen FDP-Abgeordneten werden ihrer Verantwortung nicht gerecht. I dislike!

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Rettet die Banken! Das ist gerecht!

Wie der europäischen Schuldenkrise entkommen? Staaten retten? Oder Staaten pleite gehen lassen?

Ökonomisch betrachtet ist die Antwort einfach. Staaten retten bringt nichts. Weil erstens der Umfang der Rettung nicht zu stemmen ist. Und weil zweitens eine Staatenrettung falsche Anreize setzt. Es löst nicht das Problem, das nämlich Staaten gerne mehr ausgeben als sie einnehmen. Im Gegenteil: Eine Staatenrettung würde das Problem in die Zukunft verlagern und gleichzeitig verschärfen.

Als Ausweg bleibt nur der Schuldenschnitt. Aber auch der hätte negative Folgen. Eine Bankenkrise könnte folgen. Denn Banken halten Staatsanleihen, ein Schuldenschnitt könnte Geldhäuser in Schieflage bringen und so die Probleme einzelner Länder nach ganz Europa tragen.

Der Weg aus der Krise kann in der Rekapitalisierung gefährdeter Banken bestehen. Staaten geben Banken Geld und bekommen dafür Anteile an der Bank. Staaten werden also Miteigentümer von Banken. Im Gegensatz zur versuchten Staatenrettung besteht hier die berechtigte Hoffnung, nach der Krise die erworbenen Bankanteile ohne Verlust (vielleicht sogar mit Gewinn) wieder verkaufen zu können.

Eine Bankenrettung hat gegenüber einer versuchten Staatenrettung also zwei Vorteile:

  1. An einer Bank kann man, im Gegensatz zu einem Staat, Eigentum erwerben. Einer Rettung steht folglich ein Gegenwert gegenüber.
  2. Eine Bankenrettung bewegt sich in finanziellen Dimensionen, die zu stemmen ist.

Leider ist eine Bankenrettung bei den meisten Wählern unpopulär. Deswegen wird sich die Politik nicht darauf einlassen. Bei einer Bankenrettung, so der weit verbreitete Glaube, werde jenen Geld gegeben, die eh schon genug haben, nämlich der Finanzwelt.

Doch der Glaube ist ein Irrglaube. Eine Bankenrettung ist unter Verteilungsgesichtspunkten deutlich gerechter als eine Staatenrettung. Darauf weisen die beiden Wirtschaftswissenschaftler Harald Hau und Bernd Lucke in einem Gastbeitrag in der heutigen FAZ hin. 70 Prozent des von einer möglichen Staateninsolvenz betroffenen Kapitals befände sich im Besitz der 5 Prozent reichsten Menschen, schreiben die Wissenschaftler. “Die durch einen Rettungsschirm erfolgende Übernahme von Verlusten dieser kleinen Vermögenselite bedeutet eine gewaltige Umverteilung zuungunsten des durchschnittlichen Steuerzahlers.”

Und weiter: “Durch eine Bankenrekapitalisierung findet diese sozial anstößige Umverteilung entgegen landläufiger Meinung nicht statt, denn die Bankaktionäre werden nicht Eigentümer des frischen Kapitals: Es gehört vielmehr dem Staat.”

Eine geordnete Insolvenz inklusive Bankenrettung durch den Steuerzahler wäre also ökonomisch und gerecht. Die Bundesregierung aber will sie nicht. Sie hält ihre milliardenschweren Rettungspläne für alternativlos. Der Bundestag soll sie am 29. September abnicken. Hau und Lucke appellieren an den Widerstand der Parlamentarier. Der Bundestag dürfe sich “in einer für die Zukunft Deutschlands und Europas so bedeutenden Frage nicht zum Erfüllungsgehilfen einer Regierungen machen, die wider besseren Wissens ihre eigene Politik für alternativlos erklärt.”


Alles Gute! – Warum wir an den Folgen der Weltwirtschaftskrise noch lange leiden werden

Wäre die Wirtschaft ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Zipperchen und Wehwehchen, mit Phasen ohne Beschwerden und mit Zeiten schwerer Krankheit, wäre die Wirtschaft also ein Mensch wie Du und ich, sie säße wahrscheinlich gerade beim Entlassungsgespräch mit dem Stationsarzt.

Der würde noch einmal die lange Leidensgeschichte nachzeichnen. Die zahlreichen Therapien, die man durchgeführt habe, dass man ehrlich gesagt gar nicht genau wisse, ob eine davon angeschlagen habe, dass sich aber der Gesundheitszustand, warum auch immer, mittlerweile stabilisiert habe, dass man darüber sehr froh sei, und es nun wagen könne, den Patienten aus dem Krankenhaus zu entlassen.

Zum Abschied würde der Mann im weißen Kittel seine Hand reichen, dem Patienten mit der Autorität eines Stationsarztes ernst in die Augen schauen und sagen: „Ich verlasse mich darauf, dass sie weiter regelmäßig ihre Medikamente nehmen. Denn bedenken Sie: Ihnen mag es im Augenblick wieder besser gehen, aber die Rückschläge werden kommen, allein schon wegen der Nebenwirkungen in Folge der heftigen Therapien. Geheilt im Sinne der Medizin sind Sie noch lange nicht.“

Die guten Nachrichten häufen sich. Deutsche Produkte sind im Ausland wieder gefragt: Um 30 Prozent sind die Ausfuhren im ersten Halbjahr 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Die Stimmung in der Wirtschaft ist prächtig: Der Ifo-Geschäftsklima-Index verzeichnet im Juli den kräftigsten Anstieg seit der Wiedervereinigung. Und auch die Kauflaune ist zurück: Nach einem kräftigen Sprung im Juli wird der Konsumklima-Index auch im August steigen.

Deutschland kommt gut aus der Krise, ist der Ökonom Hans-Werner Sinn überzeugt. „Ich glaube, dass die Welt sich zweiteilt, in Gewinner und Verlierer dieser Krise; wir gehören zu den Gewinnern, Amerika zu den Verlierern“, sagt das Mitglied des Sachverständigenrates. Warum das so ist? Weil die Krise viel mit Überschuldung zu tun habe und sich in den USA mittlerweile über 800 Milliarden Dollar Schulden aufgetürmt hätten, so Sinn. Das Exportland Deutschland dagegen habe zum Beispiel in Asien und in aufstrebenden so genannten Schwellenländern neue Partner gefunden und profitiere nun vom Wachstum dort.

Sie scheint also vorbei zu sein, die größte Weltwirtschaftskrise seit der großen Depression in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Welche Krise, möchte man fast fragen. Wo war sie?

Die Menschen sind weiter in den Urlaub gefahren. Sie haben ihre Wohnungen mit neuen Fernsehern und Computern ausgestattet. Sie konnten sich Lebensmittel im Überfluss kaufen. Welch ein Unterschied zur großen Depression! Damals hatten Millionen Menschen innerhalb kurzer Zeit ihre Arbeit verloren. Und weil das Sozialsystem von den heutigen Standards weit entfernt war, fiel ein Großteil in bittere Armut.

Wenn die aktuelle Weltwirtschaftskrise ein Drama war, dann jedenfalls kaum in Deutschland. 3,1 Millionen Menschen sind hierzulande arbeitslos. Viel zu viele. 2005 aber, als von der Weltwirtschaftskrise noch keiner sprach, waren es fünf Millionen gewesen. Und auch jene, die ihr Einkommen nur zum Teil mit ihrer eigenen Arbeit verdienen, die vielmehr ihr Vermögen arbeiten lassen und von den Zinsen leben, auch die haben unter der Krise nur kurz gelitten. „Die These, dass vor allem Vermögende zu den Verlierern der Krise gehören, ist zu verwerfen“, schreibt Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Wirtschaftsdienst. Das Gegenteil sei der Fall. Den Vermögenden gehe es besser als vor der Krise.

Ist der Genesungsprozess also bereits abgeschlossen?

Vielleicht ist der Entschluss von Horst Köhler, das Amt des Bundespräsidenten an den Nagel zu hängen, damals gereift, als die Krise am größten schien. Die Bundesregierung beschloss Rettungsgesetze, eines nach dem anderen. Die Hypo Real Estate sollte überleben, ein Milliarden schwerer Sonderfonds zum Schutz vor weiteren Banken-Zusammenbrüchen wurde installiert, und Griechenland bat um Rettung. Die Parlamentarier konnten die Gesetzestexte gar nicht so schnell lesen, wie sie verabschiedet wurden.

Und auch der Bundespräsident hatte keine Zeit, von der Wahrung seines Prüfungsrechts Gebrauch zu machen. „Es wird nicht so sein, dass der Süden bei den so genannten reichen Ländern abkassiert“, hatte Köhler, der maßgeblich an der Aushandlung des Maastricht-Vertrags beteiligt war, 1992 gesagt. Das sei rechtlich nämlich gar nicht möglich. „Es gibt eine No-bail-out-rule.“ Jetzt musste er durchwinken, gegen was er gekämpft hatte: systematische Fehlanreize.

Ohne eine solche No-Bail-out-Regel droht einem gemeinsamen Währungssystem nämlich die Selbstzerstörung. Weil sich die Folgen unverantwortlichen Handelns eines Landes auf viele Länder verteilen, erhöht sich der Anreiz, sich gemeinschaftsschädigend zu verhalten.

Konkret: Hat jedes Land seine eigene Währung, führt eine hohe Staatsverschuldung dazu, dass übermäßig viel Geld in Umlauf kommt. Das wiederum schürt Inflation, was einer Abwertung des eigenen Geldes gleichkommt. Die Einwohner eines solchen Landes können sich mit dem gleichen Geld folglich weniger kaufen. Das ist nicht schön, aber gerecht: Ein Land, das sich verschuldet, muss die Folgen selbst ausbaden.

In einer Währungsunion aber verteilen sich die negativen Folgen (Inflationsanstieg) auf das gesamte Währungsgebiet, während die positiven Effekte der Staatsverschuldung (Politiker können ihren Wählern Wahlgeschenke anbieten) im Land selbst bleiben.

Und noch einen zweiten Fehlanreiz fängt man sich bei einer Währungsunion ein. In einem solchen Zusammenschluss sind die Länder aufeinander angewiesen. Der Bankrott des einen Landes kann andere Länder mit in den Abgrund reißen. Deshalb kann sich jede Regierung sicher sein, dass ihr im Notfall andere Länder der Union unter die Arme greifen. Sie werden ein bankrottes Land retten, um nicht selbst unterzugehen. Fazit auch hier: Der Anreiz der Überschuldung steigt in einer Währungsunion, weil die negativen Folgen von anderen mitgetragen werden.

Deswegen gibt es im Maastricht-Vertrag die so genannte No-Bail-out-Regel, die es den Ländern gegenseitig untersagt, sich zu helfen. Und es gibt Verschuldungsgrenzen. Und auch die Europäische Zentralbank darf nicht eingreifen. Letztlich sollten die Länder mit der No-Bail-out-Regel vor sich selbst geschützt werden. Damit sie sich nicht gegenseitig ausnutzen.

Horst Köhler hat das alles gewusst. Er hat die Rettungsgesetze dennoch durchgewunken.

Jetzt gibt es einen Staatenrettungsfonds, der auf den Namen European Financial Stability Facility (EFSF) hört. Den können überschuldete Länder bis zu einer Höhe von 440 Milliarden Euro in Anspruch nehmen. Es wäre ein Wunder, wenn – um an das Geld zu kommen – im Laufe der Zeit die Zahl derer Staaten, die Not leiden, nicht steigen würde. Vielleicht nicht heute. Vielleicht nicht morgen. Aber die Zeit wird kommen. Weil jetzt jeder weiß: Die No-Bail-out-Regel gibt es nur auf dem Papier.

Aber nicht nur Staaten werden gerettet, sondern bekanntermaßen auch Banken. Die Errichtung des mit 500 Milliarden Euro dotierten Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) wurde von der Ankündigung begleitet, man werde binnen 100 Tagen eine neue Weltfinanzarchitektur schaffen. „Bei diesem frommen Wunsch ist es dann auch geblieben“, resümiert Professor Stefan Homburg, Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen der Leibniz Universität Hannover, ebenfalls in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienstes.  Die Bankenrettung habe Fehlanreize geschaffen, denen keine geartete Regulierung wirksam begegnen könne, so Homburg.

Denn für Banken gilt das gleiche wir für Staaten: Wer weiß, dass ihm im Notfall geholfen wird, der wird sein Verhalten entsprechend anpassen. Die Banken werden in Zukunft noch mehr riskieren als bisher. Weil sie wissen, dass sie die durch riskante Geschäfte erzielten hohen Gewinne behalten, aber die Verluste auf andere (die Steuerzahler) auslagern können.

In der gerade abflauenden Krise ist bereits die Saat für die nächste Krise gelegt. Eine dauerhafte Genesung ist nicht in Sicht.

Auch, weil Konjunkturprogramme und Rettungsfonds der Politik die Luft zum Atmen nehmen. Der Spielraum der öffentlichen Hand sei auf Jahre, vielleicht Jahrzehnte in unumkehrbarer Weise beschnitten, so Homburg, für Steuersenkungen und verbesserte Bildungsangebote kein Spielraum vorhanden. „Die Mittel der Konjunkturprogramme sind ausgegeben oder verplant, und aus den mit Soffin und Financial Stability Facility freiwillig begründeten Rechtspflichten kommt Deutschland nicht heraus.“

Die Folgen der Krise spürt also nicht nur der Steuerzahler. Sie sind auch in der Politik angekommen. Die Einengung politischer Möglichkeiten ist für Homburg  der entscheidende Grund für das desolate Erscheinungsbild von Schwarz-Gelb in Berlin. „Die versperrte Möglichkeit, Wähler durch gelegentliche Steuersenkungen oder Ausgabenerhöhungen für sich einzunehmen, ist meines Erachtens der tiefere Grund für die sonst kaum erklärlichen Zerfallserscheinungen der neuen Bundesregierung.“ Und sie seien ebenso die Hauptursache der um sich greifenden Flucht- und Absetzbewegungen wichtiger Entscheidungsträger der Koalition.

Der Arzt mag seinen Patienten nach Hause geschickt haben. Aber der Arzt weiß, dass der Patient bald wiederkommen muss.


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