„Keiner kann ihn ersetzen“: Segen und Fluch charismatischer Unternehmenschefs am Beispiel Steve Jobs
Veröffentlicht: 4. September 2011 Einsortiert unter: Digitales, Unternehmen/Branchen | Tags: Apple, Erfolg, Steve Jobs, Unternehmer Schreibe einen Kommentar »Zu jedem Star gehört eine Aufstiegsgeschichte. Die vom Tellerwäscher zum Millionär, bisweilen zum Milliardär. Steve Jobs hat seine Geschichte 2005 erzählt. In einer Rede vor dem Abschlussjahrgang der Stanford-Universität in Kalifornien. Nie zuvor und nie danach hat der Apple-Gründer so viele Details seines Lebens öffentlich preisgegeben.
Zum Beispiel, dass er ein Adoptivkind war und als Jugendlicher ein viel zu teures College besuchte. Und dass er das Studium bald abbrach, vorher aber noch einen Kalligraphie-Kurs besuchte, von dem er nicht wusste, was der eigentlich bringen soll, der ihm aber schlicht Spaß machte. Dass er lange kaum Geld hatte, dass er deshalb 5-Cent-Pfandflaschen sammelte, um Essen kaufen zu können. Oder wie er später aus dem Unternehmen Apple rausflog, das er 20 Jahre zuvor in der Garage seiner Eltern gegründet hatte.
Jobs erzählt auch, wie er daraufhin mit „Next“ eine neue Computerfirma etablierte und bei „Pixar“ einstieg, das später zum erfolgreichsten Studio für computeranimierte Kinofilme der Welt wurde. Auch über die Erfahrungen der gerade überstandenen Krebserkrankung plaudert Jobs bei strahlendem Sonnenschein vor den Absolventen.
Interessanter als die Details seines Lebens aber ist die Art, wie der erfolgreichste Unternehmer der Welt mit seinen Erfahrungen umgeht. Zwei Dinge scheinen Jobs wichtig zu sein. Zum einen nimmt er hin, was nicht (oder nicht mehr) zu ändern ist, und interpretiert es positiv. „Ich bin mir recht sicher“, sagt Jobs vor den jungen Menschen und meint die Erfolge mit den Unternehmen „Next“ und „Pixar“ sowie das Kennenlernen seiner Frau Laurene, „dass das alles nicht geschehen wäre, wäre ich bei Apple nicht gefeuert worden.“ Zweitens: sich nicht anzupassen. „Bleibt hungrig, bleibt tollkühn“, ruft Jobs den Studenten zu und rät den eigenen Wünschen und Sehnsüchten zu folgen, auch wenn dies zunächst keinen Nutzen zu ergeben scheint.
Der Nutzen stelle sich häufig später ein. So war es zumindest bei Steve Jobs. Etwa mit seiner Kalligraphie-Ausbildung gewesen. „Ich konnte nicht hoffen, dass irgendetwas davon in meinem Leben einmal wichtig werden würde“, so Jobs, „aber zehn Jahre später, als wir den ersten Macintosh-Computer entworfen haben, war es so weit: Wir arbeiteten alles in den Mac ein, es war der erste Computer, der wunderschöne Schriftzeichen setzen konnte.“
Vielleicht würde Steve Jobs keiner kennen, wenn es nicht ihn gegeben hätte: Konrad Zuse. Der Ingenieur, Erfinder, Manager und Maler muss mindestens so genial gewesen sein wie der Apple-Gründer. Der langfristige wirtschaftliche Erfolg aber blieb ihm verwehrt.
Konrad Zuse hatte Anfang der 1940er Jahre in Berlin den ersten Computer gebaut, der diesen Namen verdient, den Z3. Zuse hatte studiert und danach in den Flugzeugwerken von Henschel eine Stelle als Statiker bekommen. Vom vielen Rechnen genervt, entwickelte er den Plan für einen Computer.
Der Krieg verzögerte die Umsetzung seiner Pläne (er floh mit seiner Familie und dem in große Holzkisten verpackten Rechner beim Einmarsch der Russen ins Allgäu), aufhalten ließ er sich nicht. 1949 gründete er mit zwei Partnern die Zuse KG und machte sich an die Arbeit für den Z4.
Der wurde fertig gestellt und zahlreiche weitere Baureihen auch (bis Z25). Der durchschlagende Erfolg aber blieb aus. 250 Computer verkaufte die Zuse KG, dann kamen andere Unternehmen wie IBM und überrollten das Startup. Mitte der 60er Jahre stieg Siemens ein, löschte die Zuse KG aus dem Handelsregister und schickte Konrad Zuse nach Hause. Dort schrieb er fortan Bücher und malte Bilder.
Was unterscheidet Zuse und Jobs? Was führt zu Erfolg, was zum Scheitern?
Nicht selten, so eine schlichte Einsicht, bestimmt der Zufall den Lauf des Lebens. Nicht die eigene Intelligenz, nicht der persönliche Ehrgeiz, nicht das individuelle Können entscheiden dann, sondern die Zeit, in der man lebt, die Menschen, die man trifft, die Möglichkeiten, die einem umgeben. Aber was ist mit dem Teil, der zu beeinflussen ist? Was kennzeichnet Menschen wie Steve Jobs?
„Gute Unternehmer gehen Risiken ein und blicken nach vorne“, meint die Unternehmensberaterin Inke Schulze-Seeger, „diese Unternehmer haben außerdem Durchhaltevermögen, trotzen schlechten Zeiten und setzten sich gerade dann klare Ziele.“ Außerdem hätten solche Menschen gelernt, nicht alles selbst machen zu können, weil andere manches besser können. „Außerdem“, so Schulze-Seeger weiter, „stecken diese Menschen den Rahmen, in dem sich ihre Mitarbeiter bestmöglich selbst motivieren können.“
Zusammengefasst: Erfolgreich ist, wer neugierig bleibt, Widrigkeiten trotzt und Mitmenschen begeistern kann. Keine Frage, diese Beschreibung passt zu dem Mann, der abgetreten ist als sein Unternehmen das wertvollste der Welt geworden war.
Eigentlich gibt es keinen besseren Zeitpunkt zu gehen. Apples Zukunft wäre auch mit Steve Jobs ungewiss. Der Vorsprung vor der Konkurrenz ist in den vergangenen Jahren geschrumpft. Der iPod hat keine Zukunft, weil die Musikfunktion zunehmend im Handy integriert wird. Das iPhone wird bedrängt von Smart-Phones mit immer ausgereifterer Hardware gepaart mit solider Android-Software. Und das iPad erhält fast täglich einen neuen Tablet-Konkurrenten.
Steve Jobs Abschied geschieht möglicherweise auf dem Höhepunkt der Unternehmensgeschichte von Apple. Wie tragisch, dass er allem Anschein nach nicht freiwillig geschieht, sondern krankheitsbedingt.
So oder so aber ist die Lücke, die Jobs bei Apple hinterlässt, nicht zu füllen. Es wird eine Weile brauchen, bis die Folgen spürbar werden. Weil Produktpläne einen Vorlauf von mehreren Jahren haben. Weil also, was Apple in der nächsten Zeit auf den Markt bringt, mit und ohne Jobs passieren wird. Auch weil Steve Jobs gutes Personal für seine Firma ausgewählt hat, die das Unternehmen erfolgreich führen werden.
Langfristig aber werden die Folgen sichtbar. Weil eben der fehlt, der auch in Zukunft hervorragendes Personal findet und bindet und motiviert. Vor allem aber, weil Jobs Gespür nicht zu ersetzen ist, das Gespür dafür, was den Menschen gefällt.
Ein Journalist hat Jobs einmal gefragt, wie umfangreich die Marktuntersuchungen vor der Einführung des iPads gewesen wären. Es habe keine gegeben, antwortete Jobs dem verblüfften Reporter, denn es sei nicht Aufgabe der Konsumenten zu wissen, was sie brauchen.
„Steve Jobs hat eine einzigartige Kombination aus visionärer Kreativität und Entscheidungsfreude“, hat David B. Yoffie, Professor an der Harvard Business School, neulich gesagt, „keiner kann ihn ersetzen.“ Ein hoffnungsvoller Satz über die Zukunft des Unternehmens Apple liest sich anders.
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Erobert “Google TV” den Milliardenmarkt?
Veröffentlicht: 21. Mai 2010 Einsortiert unter: Medien | Tags: Apple, Apple TV, Fernsehen, Google, Google TV Schreibe einen Kommentar »Porsche verkauft Brillen, Camel macht auf Schuhverkäufer: Schon immer haben starke Marken ihren Namen gegeben, um Produkte an Mann und Frau zu bringen, von denen sie eigentlich keine Ahnung haben. Jetzt will der mächtige Google-Konzern ins Fernsehgeschäft einsteigen. “Google TV” nennt sich das Projekt, das Fernsehen und Internet verbinden soll. Daran haben sich schon einige die Zähne ausgebissen. Doch für die neue Idee gibt Google weit mehr als seinen Namen. Der Eindruck nämlich täuscht: Fernsehen berührt die Kernkompetenz des Unternehmens, die Werbung. – Meine Einschätzung zu diesem Thema habe ich im MacMagazin aufgeschrieben.
Heilsbringer oder Totengräber? (Linktipp 41)
Veröffentlicht: 28. Januar 2010 Einsortiert unter: Linktipps | Tags: Apple, iPad 1 Kommentar »Rettet Apples iPad die Medienbranche? http://j.mp/a8cye5 #Wired
Die Zerstreuungsmaschine – Wie das iPhone mein Leben bestimmt
Veröffentlicht: 5. Dezember 2009 Einsortiert unter: Digitales | Tags: Apple, iPhone, iPhone-Apps 6 Kommentare »Langeweile? Muss ich das letzte Mal vor dem 9. November 2007 gehabt haben. An dem Tag habe ich mir mein erstes iPhone gekauft. Seitdem ist immer was zu tun. Beim Warten auf den Bus, zum Espresso in der Kneipe, während der Werbeunterbrechung im Fernsehen – ein Griff in die Hosentasche und schon füllt mir das iPhone meine Zeit.
182 Programme (so genannte Apps) sind auf meinem iPhone. Spiele sind keine darunter. Ich mag keine Computerspiele. Dafür alles andere: Ich nutze den mobilen RSS-Reader von Google, weil er eine nie versiegende Quelle für Nachrichten und Geschichten ist; ich verwende das Twitter-Programm Tweetie2, weil Twitter sein muss; ich benutze Facebook, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben; ich lass mir von Google Maps den Weg weisen; ich teile Foursquare (und damit Freunden) mit, wo ich mich gerade aufhalte; ich suche in Fahr-Info nach dem nächsten Bus; ich erstelle mit der iPhone-Kamera Bilder und Videos, schneide die Videos mit Reel Director und bearbeite die Fotos in Photogene; und ich lade die Ergebnisse auf Flickr hoch. Von den 182 Programmen nutze ich 15 mindestens einmal pro Tag.
Seit ich das iPhone besitze, habe ich viel zu tun, selbst wenn nicht viel zu tun ist.
Neulich war ich für fünf Tage an der Ostsee. Kurzurlaub. Als ich am zweiten Tag mein iPhone an das Aufladegerät anschließen wollte, machte es “Pfff”. Es roch verbrannt, das iPhone war kaputt. Und weil T-Mobile für Mobilfunkverträge mit dem iPhone zwar exorbitante Preise verlangt, aber während der Dauer einer Reparatur kein iPhone-Austauschgerät zur Verfügung stellt, war ich vier Tage ohne Handy. Ein Glück.
Diese Zeit hat mir die Augen geöffnet. Im wahrsten Sinne. Musste ich irgendwo warten, hielt ich die Augen offen, sah mich um. Ich nahm die Umgebung bewusster wahr. Oder hing meinen Gedanken nach. Der Urlaub ohne iPhone hat mir gezeigt: Das Gerät ist eine Zerstreuungsmaschine, schlimmer als der Fernseher. Weil es überall dabei ist. Es lässt einem keine ruhige Minute. Das ist fatal. Denn wer keine ruhige Minute hat, der führt mit sich selbst keinen inneren Dialog mehr. Nachdenken, Reflexion, Aufarbeitung – all das bleibt auf der Strecke.
Das iPhone gibt einem so viel – und entfremdet einen dabei von sich selbst.
Ob ich aus der Urlaubserfahrung Lehren gezogen habe? Ein wenig. Manchmal bleibt das Handy jetzt bewusst in der Hosentasche. Selten. Weil das Bewusstsein meist fehlt. Die Gewohnheit regiert – mit 182 Ablenkungsmöglichkeiten.
Das Geschäftsmodell von Apple ist von gestern – eigentlich
Veröffentlicht: 19. November 2009 Einsortiert unter: Unternehmen/Branchen | Tags: Apple, iPhone, iTunes, Steve Jobs 1 Kommentar »Der iPhone-Gott will mit Apple nichts mehr zu tun haben. Er hat genug. Gibt auf. Will zurück in die Freiheit. – Ganz lapidar hatte Joe Hewitt seine Entscheidung in die Welt getragen: „Es ist Zeit für mich, etwas Neues zu probieren“, twitterte er vor wenigen Tagen, um auf Nachfrage dann doch seine Leidensgeschichte zu offenbaren.
Hewitt ist Programmierer bei Facebook. Damit man auch auf Apples iPhone verfolgen kann, was die Facebook-Freunde so treiben, hat Hewitt eine Software geschrieben, eine so genannte App. Über 100.000 solcher Programme gibt es mittlerweile für das iPhone.
Hewitt galt als einer der besten App-Programmierer. Jetzt steigt er aus, weil er sich von Apple bevormundet und gegängelt fühlt. Wegen des internen Prüfungsverfahrens bei Apple. Jede Software, die im so genannten App-Store angeboten werden will, muss zuvor diese Prüfung durchlaufen. Diese wird von Hewitt (und vielen anderen) als zu strikt und undurchsichtig kritisiert. Manche Entwickler warten Wochen und Monate auf die Zulassung ihrer Software, anderen wird sie mit unverständlichen Begründungen ganz verweigert.
Typisch Apple! Auf Transparenz legte der Computerkonzern aus dem kalifornischen Cupertino noch nie gesteigerten Wert. Wichtiger sind ihm: Geheimniskrämerei und Abschottung. Dabei scheinen diese Prinzipien so gar nicht zur modernen Computer- und Internetwelt zu passen. Dort ist vermeintlich alles offen, jede Information nur ein Klick weit entfernt, Zusammenarbeit wichtiger als Konkurrenz, Arbeitsteilung das A und O.
Aber Apple ist anders. Man will fast alles selbst machen. Teure Berater rund um den Globus verkünden (bevorzugt in Krisenzeiten), dass sich jedes Unternehmen auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren habe. Verkürzen Sie Ihre Wertschöpfungskette, raten sie. Bieten Sie nur an, was Sie am besten können!
Apple schert sich um solche Ratschläge nicht: Das eigens entwickelte Betriebssystem (OS X) läuft ausschließlich auf den eigens produzierten Rechnern; man steigt mit neuen Produkten (iPhone) in fremde Branchen (Telefonmarkt) ein; schenkt dem Handel keinen Cent, indem man vorwiegend in eigenen Apple-Stores verkauft; und lässt sich eben auch bei den Apps fürs iPhone nicht vorschreiben, wann welche Software zu erscheinen hat.
Apple ist anders, und Apple ist erfolgreich. So erfolgreich wie noch nie. Die jüngsten Quartalszahlen haben die Erwartungen der Finanzexperten mal wieder deutlich übertroffen. Mehr als 3 Millionen Mac-Computer, über 10 Millionen iPods und 7,4 Millionen iPhones – so viele Geräte hat Apple allein in den Monaten Juli, August und September verkauft. Der Umsatz stieg auf fast 10 Milliarden Dollar (ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum gleichen Vorjahresquartal) und der Gewinn legte auf 1,67 Milliarden Dollar zu (plus 46 Prozent).
Jetzt ist Apple sogar in Sichtweite der Nummer eins, Microsoft. 180 Milliarden Dollar ist Apple mittlerweile an der Börse wert und übertrifft damit Branchenriesen wie Google (174 Milliarden Dollar), IBM (159), HP (114), Intel (109) oder Dell (29). Analysten schätzen, dass der Preis pro Aktie auf 280 Dollar steigen könnte. Dann würden alle Apple-Aktien zusammen 250 Milliarden Dollar wert sein, genau so viel, wie alle Microsoft-Aktien heute.
Wenn aber das Geschäftsmodell von Apple eigentlich von gestern ist, warum ist das Unternehmen dann so erfolgreich?
Es ist die Leidenschaft – eine Eigenschaft, die sich vorwiegend in eigentümergeführten Unternehmen findet. Im Haushaltswaren-Laden um die Ecke oder beim Brillengeschäft am Marktplatz erlebt man die damit verbundene Einstellung häufig: Man wird freundlich bedient, gut beraten, nicht übers Ohr gehauen. Dort, wo der Ladenbesitzer selbst am Werk ist, werden die Wünsche der Kunden am häufigsten erfüllt.
Der Vorteil gegenüber anderen Unternehmensformen: Zumindest für den Chef ist der Beruf mehr als nur ein Job. Der hat viel Zeit und Geld investiert. Es geht ihm um Erfolg, manchmal sogar um die Existenz. Dafür ist er bereit, besonders viel zu leisten. Gute Voraussetzungen für eine positive Geschäftsentwicklung.
Um die Existenz geht es bei Steve Jobs schon lange nicht mehr. Aber Apple ist Jobs Lebenswerk. Er hat das Unternehmen 1976 gegründet und besitzt heute 5,5 Millionen Apple-Aktien. Er hat also viel zu verlieren. Seine Leidenschaft und seine Intelligenz haben Apple aus der Versenkung geholt. Weil er, wie kaum ein zweiter, immer wieder Antworten auf die beiden wichtigsten Fragen findet: Was wollen die Kunden? Wofür sind sie bereit, (möglichst viel) Geld zu bezahlen? – Für einfache Bedienung? Ja. Für gute Verarbeitung? Ja. Für tolles Design? Ja.
Hinzu kommt: Steve Jobs hat früh erkannt, dass seine Hard- und Software der Schlüssel für weitere Geldquellen ist. Von jeder verkauften App fürs iPhone erhält Apple 30 Prozent. Und nirgendwo im Internet wird mehr Musik erworben als bei iTunes. 80 Prozent aller Käufe werden über die Software abgewickelt. Die Apple-Gewinnmarge pro verkauftem Song: immerhin 3 Prozent.
Apples Erfolg aber ist auch Apples Gefahr. Dem Vorteil eigetümergeführter Unternehmen steht ein Nachteil gegenüber: Was passiert, wenn der Eigentümer einmal abtritt? Als Jobs im Januar diesen Jahres eine krankheitsbedingte Auszeit von einem halben Jahr verkündetet, sackte die Apple-Aktie um 10 Prozent ab.
An das Ende des Erfolgsduos Apple und Jobs denken aber zumindest die Börsen zur Zeit nicht. Die kurze Sicht dominiert die lange. Jobs, so wird erwartet, wird alsbald die nächste Revolution einläutet, und zwar in Form eines neuen Apple-Computers, dem Tablet.
Darunter versteht man einen Computer, der vor allem aus einem berührungsempfindlichen Display besteht, also keine Tastatur braucht. Das Tablet soll der bessere E-Book-Reader werden. Das wird für Apple vermutlich nicht allzu schwer werden, betrachtet man Design und Handhabung der aktuellen Reader. Außerdem soll das Tablet mehr können: Es soll Spielkonsole, DVD-Player, Musikspieler sein; und natürlich wird man mit dem neuen Computer auch im Internet surfen können.
„Apple wird mit seinem Tablet jeden sprachlos machen“, formuliert jüngst eine Börsen-Analystin ihre hochgesteckten Erwartungen. Bisher hat Jobs diese meist übertroffen.
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Dieser Artikel erscheint im Südkurier.
Die Killer-Anwendung
Veröffentlicht: 18. Februar 2009 Einsortiert unter: Digitales | Tags: Apple, G-Phone, Handy, iPhone, Nokia, Ovi-Store Schreibe einen Kommentar »Verzweifelt lange suchte die Handy-Branche nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten – Jetzt sind sie gefunden
Wo Tom Alby zum ersten Mal ein Mobiltelefon gesehen hat, daran erinnert er sich bestens. Es war Anfang der 80er Jahre, in einer Fernseh-Dokumentation über Thomas Gottschalk. Der steuert seinen Mercedes über die Autobahn, die eine Hand am Lenker, die andere hält einen Hörer: Gottschalk telefoniert.
Mehrere Generationen waren damit aufgewachsen, dass ein Telefon seinen festen Platz hatte. Zunächst außer Haus, später in der eigenen Wohnung. Im Wohnzimmer oder im Flur. Das Kabel des Apparates steckte in einer Buchse an der Wand. Mobilität hatte eine eng gezogene, natürliche Grenze, die sich in der Länge des Kabels bemaß. Plötzlich sah man Menschen “ohne Kette” telefonieren, im Auto sitzend, fahrend. Damals waren Kabellos-Telefonierer Exoten, Exoten mit viel Geld. Das Autotelefon gab es nur für Super-Reiche. Rund 10.000 DM kostete ein Gerät, ein Drittel des damaligen durchschnittlichen Jahreseinkommens.
Tom Alby schildert seine Gottschalk-Erinnerung in seinem lesenswerten Buch “Das mobile Web“. Er beschreibt darin unter anderem die Geschichte des Mobiltelefons; wobei von Geschichte kaum die Rede sein kann: Das Handy als Massenkommunikationsmittel ist in Deutschland gerade mal seit 1992 möglich, nämlich mit der Einführung des so genannten D-Netzes auf Basis des GSM-Standards (Global System for Mobile Communications). Erst dieser Standard erlaubte es überhaupt, dass viele Menschen gleichzeitig mobil telefonieren konnten. Theoretisch zumindest. Denn auch Anfang der 90er Jahre war das für die wenigsten finanzierbar. Die Geräte kosteten noch immer 3000 DM.
Heute gibt es Handys nicht nur als kostenlose Dreingabe zum Mobilfunkvertrag, Sprachkommunikation ist nur noch eine, wenn auch weiter die am meisten verwendete Anwendung auf Mobilfunkgeräten. Darüber hinaus werden SMS getippt, E-Mails gelesen und – seit neuestem – zunehmend im Internet gesurft.
Lange haben die Mobilfunkbetreiber gerätselt, wie sie die 50 Milliarden Euro wieder reinholen können, die sie im Jahr 2000 bei der Versteigerung von UMTS-Lizenzen in die Kassen des damaligen Finanzministers Hans Eichel gesteckt hatten. Mit UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) lässt sich mobil schnell im Internet surfen. Das Problem: Lange Zeit wollte das keiner. Bis das iPhone von Apple kam. Mit ihm kam das Internet aufs Handy. Der Anteil des iPhones am gesamten Handymarkt liegt bei bescheidenen 1 Prozent, doch die Hälfte aller mobilen Zugriffe auf das Internet erfolgt von diesem Modell.
Seit kurzem drängen die Nachahmer in den Markt. Das G-Phone von Google ist seit wenigen Wochen erhältlich, auch Nokia und Sony-Ericsson mischen mit. Dabei geht es nicht mehr ausschließlich um den Verkauf der Handys. Auch hier hat Apple mit dem Online-Kaufhaus “App Store” als erster ein neues, erfolgreiches Geschäftsmodell etabliert. Externe Software-Anbieter können dort ihre Anwendungen einstellen. Der Kunde kauft die Programme, womit er sie auch verwendet: mit seinem Handy. Das ist praktisch. 20.000 unterschiedliche Anwendungen tummeln sich mittlerweile im App-Store. Musikprogramme, Einkaufsführer, Organisationssoftware. Von jedem Verkauf zweigt sich Apple eine Umsatzbeteiligung ab. Und da es auf legalem Wege keine andere Möglichkeit gibt, Software auf das iPhone zu spielen, bringt dieses Geschäft dem Unternehmen Millionen.
Jetzt will die Konkurrenz die Apple-Strategie kopieren. Für das G-Phone gibt es bereits einen Store. Und auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress, die zur Zeit in Barcelona stattfindet, hat neben Microsoft auch Nokia, die Nummer eins unter den Handy-Herstellern, den so genannten Ovi-Store angekündigt. 30 Prozent der in diesem Shop getätigten Umsätze will Nokia für sich behalten.
Ob die Shops Erfolg haben werden, wird nicht zuletzt von den Geräten abhängen, auf denen sie verwendet werden. Ohne überzeugende Hardware nützen die besten Anwendungen nichts. Was es braucht: einen Bildschirm mit hoher Auflösung, der auch bei einfallendem Licht noch zu gebrauchen ist; eine leicht verständliche Bedienung des Handys inklusive seiner Programme; und einen Internetbrowser, der den Namen “Browser” auch verdient. Außerdem: ein bezahlbarer Mobilfunkvertrag inklusive einer Datenflatrate. Denn Spaß am Internetsurfen hat nur, wer nicht ständig an die Kosten denken muss.
Sind diese Bedingungen erfüllt, wird das Handy zum Multifunktionsgerät. Vielleicht aber sollte man als Handy-Besitzer nicht jedes Angebot nutzen. Zum Beispiel nicht jenen Service, der unter www.ehebruch24.de seine Dienste offeriert. “Sie sind frisch verliebt, verlobt, verheiratet?”, wird der User auf der Startseite gefragt. Und weiter: “Dann sind Sie hier richtig. Treue und Vertrauen sind die Basis jeder Beziehung. Sorgen Sie dafür, dass diese Basis erhalten bleibt!” Was dann folgt, fußt aber auf dem Gegenteil von Vertrauen: Die Seite bietet nämlich einen Ortungsdienst für Handys an. So kann man exakt verfolgen, wo sich der Partner (oder zumindest sein Handy) gerade aufhält. Ein Dienst für Eifersüchtige also. Für jede Ortung verlangt das Portal einen Euro. Spionage als Beziehungskitt – so verkauft der Anbieter sein Angebot und verabschiedet sich am Ende der Webseite mit folgenden Worten: “Eine lange und glückliche Partnerschaft wünscht: Euer Ehebruch24-Team.”
