Was ist Kultur wert? – ein Vortrag
Veröffentlicht: 6. März 2013 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande | Tags: öffentliche Güter, externe Effekte, Kultur, Kulturförderung, Subventionen Schreibe einen Kommentar »Der Dachverband freier Würzburger Kulturträger hat eine dreiteilige Veranstaltungsreihe unter dem Titel ”Der Preis der Kultur?” initiiert. Bei der Auftaktveranstaltung durfte ich das Referat halten. Folgend die Dokumentation des Vortrags (Download der Slides als PDF)….
Die Themen “Ökonomie” und “Kultur” sind für mich in zweifacher Hinsicht interessant. Beide Einzel-Themen interessieren mich persönlich. Gleichzeitig stehen die beiden Begriffe häufig in einem Spannungsverhältnis. Würde man mit den Begriffen eine Familienaufstellung machen, viele würden sie vermutlich in entfernten Ecken aufstellen.
Die Begriffe sind keine Gegensätze. Der Markt ist nicht der Feind der Kultur. Ich würde mich freuen, wenn ich mit diesem Vortrag ein wenig dazu beitragen kann, Markt und Kultur näher zusammenzubringen.
Auf welche Fragen ich in den folgenden 45 Minuten Antworten geben will:
- Was meint Wert?
- Wie ensteht aus einem Wert ein Preis?
- Warum ist der Markt eine feine Sache?
- Warum regelt der Markt nicht alles?
- Welche Besonderheiten haben Kulturgüter?
- Ist die Finanzierung von Kultur durch den Staat gerecht?
Der Titel dieser Veranstaltung…
… enthält erfreulicherweise zwei Begriffe, die zum Verständnis vom Markt – auch dem Markt für Kulturgüter – unerlässlich sind.
Wie hängen die beiden Begriffe zusammen? Der Wert eines Gutes ist etwas anders als sein Preis, …
… aber der Wert eines Gutes ist wesentlicher Bestandteil eines sich bildenden Preises.
Ein kurzes Gedankenexperiment: Bitte überlegen Sie sich, wie hoch der Wert dieses Apfels ist.
Die gleiche Überlegung für ein Konzert: Was ist der Besuch eines klassischen Konzerts wert?
Was ist Ihnen mehr Wert? Ein Apfel oder ein Konzertbesuch?
Es gibt keine richtige oder falsche Antwort. Der Wert ist subjektiv, hängt vom Auge, Ohr, Mund des potenziellen Konsumenten ab. Und kann sich stetig ändern. Wer satt ist, wird vielleicht gerne ins Konzert gehen, wer Hunger hat, den Apfel stark wertschätzen.
Der Wert eines Gutes ist also subjektiv – und wichtig für die Entstehung eines Preises. Denn aus dem Wert entsteht Zahlungsbereitschaft.
Wie viel wir für ein Gut zu zahlen bereit sind, hängt aber nicht nur davon ab, was es uns wert ist, sondern von zwei weiteren Bedingungen.
1) Wir leben nicht im Paradies. Unser Leben ist voller Restriktionen. Eine ist die Zeit. Wir müssen uns stetig entscheiden, wie wir unsere Zeit verbringen und damit Alternativen auslassen. Oder Geld. Wir können nur kaufen, wenn wir Geld haben.
2) Neben den (Budget-)Restriktionen wird die Zahlungsbereitschaft durch ein weiteren Umstand bestimmt: von Alternativen.
Beim wem im Garten Birnen wachsen, der muss nicht im Supermarkt Äpfel kaufen. Wenn die Pfirsiche oder Bananen in der Obstauslage schmackhaft aussehen oder im Angebot sind, beeinflusst dies ebenfalls unsere Zahlungsbereitschaft für Äpfel.
Wie viel wir für ein Gut zu zahlen bereit sind, hängt also neben der Wertschätzung von den Restriktionen und den Alternativen ab.
Noch zwei Schritte bis zum Preis. Zunächst: Wir leben nicht alleine auf der Welt. Auch andere kaufen Äpfel, Bücher, Konzertkarten.
Aus den aggregierten Zahlungsbereitschaften potenzieller Konsumenten ergibt sich die klassische Nachfragekurve.
Wenige sind bereit, einen hohen Preis für Äpfel zu bezahlen. Je günstiger der Apfelpreis, desto mehr Menschen wollen sie kaufen.
Der letzte Schritt zum Preis: das Angebot. Damit ein Geschäft zustande kommt, braucht es zwei. Ohne vertiefend auf die Entstehung der Angebotskurve zu sprechen zu kommen, an dieser Stelle nur so viel: Die Angebotskurve verhält sich zur Nachfragekurve gegensätzlich; je höher der Preis, desto mehr Anbieter sind bereit, Äpfel zu verkaufen.
Das Ergebnis ist ein klassisches Marktdiagramm. In einem solchen (perfekten) Markt entsteht (wie von unsichtbarer Hand geschaffen) ein Marktpreis, bei dem der Markt geräumt ist. Optisch ist dies der Schnittpunkt von Angebot und Nachfrage.
Wie kommt es zu diesem markräumenden, wie von unsichtbarer Hand geleiteten, Marktpreis? – Ist der Preis zu hoch, gibt es mehr Anbieter als Nachfrager, also einen Angebotsüberschuss. Die Anbieter, die ihre Ware nicht loswerden, werden den Preis senken, soweit, bis die gesamte Ware verkauft ist.
Umgekehrt: Ist der Preis zu niedrig, gehen Nachfrager leer aus. Die Bereitschaft einen höheren Preis zu bezahlen, wird zu Preissteigerungen führen, bis zum markträumenden Preis.
Zwischenfazit:
- Der Wert eines Gutes ist subjektiv.
- Aus dem Wert eines Gutes plus Restriktionen plus Alternativen ergibt sich die Zahlungsbereitschaft.
- Aus der Zahlungsbereitschaft vieler Nachfrager entsteht die Nachfragekurve.
- Schnittpunkt aus Nachfrage- und Angebotskurve ergibt in einem freien Markt den Preis.
So viel aus der Erstsemsester-Vorlesung VWL.
Was bringt die Erkenntnis über die Begriffe “Wert”, “Preis” und “Markt”? …
… Sie gibt Orientierung bei der Beantwortung folgender Fragen:
Der Wert von Kultur ist subjektiv.
Den Preis für Kultur zahlen auf einem Markt jene, die Kultur auch in Anspruch nehmen.
Tatsächlich funktioniert der Kulturmarkt häufig wie beschrieben. Beispielsweise auf dem Markt für Konzerte…
… oder auf dem Markt für handelbare Kunst…
Der Umsatz der Kultur- und Kreativ-Wirtschaft steigt in Deutschland kontinuierlich. Im Jahre 2010 betrug er über 137 Milliarden Euro.
Warum finden liberale Ökonomen den Markt eigentlich so toll? Weil dort ein Geschäft nur dann zustande kommt, wenn es beiden Seiten hilft. Win-Win-Situation heißt das heute häufig. Der amerikanische Philosoph John Rawls hat es so gesagt: “Der Markt ist ein Unternehmen der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil.”
Ein letztes Mal zurück zur mathematischen Ökonomie. Der gegenseitige Vorteil zeigt sich anschaulich auch im Marktdiagramm, nämlich im so genannten Wohlfahrtsdreieck.
Dieses Wohlfahrtsdreieck ergibt sich auf dem Schaubild aus den beiden farbigen Dreiecken (grün und gelb). Diese zeigen den Wolfahrtsgewinn, den ein Markt erzeugt. Inwiefern? Die grüne Gerade bildet bekanntlich die aggregierten Zahlungsbereitschaften der Nachfrager ab. Es gibt keinen Nachfrager, der bereit ist, 100 Cent für einen Apfel zu bezahlen. Darunter beginnt die Nachfrage. Je geringer der Preis, desto mehr Menschen, die bereit sind, höchstens diesen Preis zu bezahlen. Der Punkt ist: Alle zahlen aber lediglich den Marktpreis von 50 Cent. Die Differenz von Zahlungsbereitschaft und Marktpreis ist der Nutzen des Geschäfts für den Nachfrager.
Spigelbildlich verhält es sich mit den Anbietern. Bis zum Schnittpunkt des Marktpreises lohnt sich für alle Anbieter ein Verkauf unterhalb des Marktpreises. Da sie aber alle den Marktpreis erhalten, erzielen sie einen Nutzen in der Größe der gelben Fläche.
In der Ökonomie nennt man die grüne Fläche “Konsumentenrente”, die gelbe “Produzentenrente”; die Summe zeigt en Gesamtnutzen.
Bisher ging es um Märkte. Jetzt kommt der Staat ins Spiel.
Braucht es zur Erzeugung von Kulturgütern den Staat? Sei es, in dem er Geld gibt, sei es, indem er gesetzgeberisch eingreift?
Liberale Ökonomen sehen Staatseingriffe kritisch. Sie haben dafür gute Argumente:
- Zum Beispiel das Gerechtigkeitsargument: Warum soll der eine bezahlen, was der andere nutzt?
- Ökonomen sehen in staatlicher Aktivität häufig auch eine Anmaßung von Wissen (“Weiß der Staat besser als jeder Einzelne, was gut für ihn ist?”).
- Außerdem erzeugt die kostenlose Bereitstellung von Gütern die Illusion, dass solche Angebote kostenlos seien. Sind sie aber nicht, sie müssen freilichfinanziert werden. Da die Zahlungsbereitschaft bei kostenlosen Angeboten aber nicht offensichtlich ist, ist auch unklar, wie groß der Nutzen eines solchen Gutes ist. Es entstehen, ökonomisch gesprochen, Ineffizienzen, gesellschaftliche Ressourcen fließen in falsche Verwendungen, der Wohlstand ist niedriger als möglich wäre.
- Bisweilen führt eine Subventionierung sogar zu einem Wohlfahrtsverlust, wenn nämlich die Gesamtkosten niedriger als der Gesamtnutzen sind.
- Desweiteren können Subventionen dazu führen, dass Kulturanbieter sich nicht an jenen orientieren, für die Kultur gemacht wird. Vielmehr richtet sich das Angebot auch an jenen aus, welche die Kultur finanzieren.
- Außerdem entbrennt bei staatlicher Kulturfinanzierung, wie bei jeder Staatsfinanzierung, ein Kampf um Gelder, bei denen nicht immer jene den Zuschlag erhalten, die für die Bevölkerung das beste Angebot bereitstellen würden. Andere Kriterien spielen eine Rolle, etwa, dass wahlentscheidende Wählergruppen bedient werden.
Wo findet solche Staatsfinanzierung von Kultur statt? Beispielsweise bei der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Was früher GEZ hieß, heißt heute Beitragsservice, ein Service, der auf Zwang beruht. 7,5 Milliarden Euro werden jährlich ab-, bzw. eingenommen. Davon werden neben 22 Fernseh- und 67 Radiosendern eine Vielzahl von Online-Plattformen betrieben. Insgesamt arbeiten mehr als 25.000 festangestellte Mitarbeiter beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk; dazu kommen knapp 150 Tochterfirmen.
Wie viel sind eigentlich 7,5 Milliarden Euro?
Ein nettes Beispiel, das ich nur in Dollar gefunden habe, veranschaulicht den Betrag. Es werden zur Visualisierung der Summe ausschließlich 100 Dollar Noten verwendet. Genauso gut kann man sich 100 Euro-Scheine vorstellen.
Dieses Bündel besteht aus 100 Scheinen, sind also 10.000 Dollar.
100 dieser Bündel ergeben 1 Million Dollar.
100 mal so viel ergibt eine Palette voll 100 Dollar Scheine.
10 Paletten ergeben 1 Milliarde Dollar.
Und das ist ungefähr der jährliche Betrag, den wir für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgeben:
Nebenbei: Das sind 1 Billion Dollar (man beachte den Größenvergleich mit der Person links unten). Diese Summe ist ca. die Hälfte der deutschen Staatsschulden.
Zurück zum Thema. Für was werden in Deutschland Steuergelder ausgegeben? Ein paar Beispiele: 7 Millionen jährlich für die Wagner-Festspiele in Bayreuth, bei denen 60 Prozent der Karten gar nicht verkauft, sondern an prominente Persönlichkeiten abgegeben werden;…
… vermutliche 476 Millionen Euro für die Elbphilharmonie in Hamburg, die ursprünglich mal 77 Millionen Euro kosten sollte; …
… oder die Kulturausgaben in Berlin, die sich auf jährlich rund eine Milliarde Euro belaufen. Damit werden 23 Bühnen finanziert, auch die Staatsoper. Jede verkaufte Karte wird mit 193 Euro bezuschusst.
Wie groß ist die Summe der Subventionen (was Subventionen sind, dazu gleich mehr) für den Kulturbetrieb. Zunächst, woraus bestehen die Subventionen? Der Subventionsbericht des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW) listet sie auf: Umsatzsteuerbefreiung, ermäßigter Umsatzsteuersatz, direkte und indirekte Finanzhilfen von Bund, Länder und Gemeinden.
Wie hoch sind die Subventionen? Zuerst die Summe aller Subventionen. Die jüngsten Zahlen sind von 2010 und weisen eine Höhe von 163 Milliarden Euro auf.
Wer bekommt davon den größten Anteil? Antwort: Die Unternehmen (inklusive deren Beschäftigten), nämlich mit 81,5 Milliarden Euro ziemlich genau die Hälfte.
Der Subventionsbericht des IfW listet ein schönes Beispiel für den deutschen Subventionsdschungel auf. Die Wissenschaftler haben an einem Beispiel-Unternehmen (mittelständischer Maschinenbauer in Mecklenburg-Vorpommern) alle Fördermöglichkeiten zusammengesucht und aufgelistet.
Insgesamt listet das IfW in seinem Subventionsbericht 44 Fördermöglichkeiten auf.
Wie viel Subventionen aber gehen nun an die Kultur? 6,6 Milliarden Euro.
Der Anteil der Kultursubventionen ist relativ betrachtet überschaubar.
Was versteht man eigentlich unter Subventionen? Nochmal das Institut für Weltwirtschaft in Kiel: „Unter Subventionen werden Finanzhilfen des Staates und Steuervergünstigungen verstanden, die die Allokation der Ressourcen verzerren.“
Demnach ensteht eine Subvention dann, wenn Zuordnung und Verteilung knapper Ressourcen wie Arbeit, Kapital, Boden und Rohstoffen nicht zum größtmöglichen Output führt.
Eine einfachere Definition gelingt über die Verneinung, nämlich was keine Subvention ist. Die Frage ist folglich: Was ist eine Staatsaufgabe? Jede Finanzhilfe oder Steuererleichterung, die keiner Staatsaufgabe zuzuordnen ist, wird somit als Subvention definiert.
Es gibt aus ökonomischer Sicht drei Staatsaufgaben:
- Öffentliche Güter,
- die Erfüllung soziale Aufgaben
- sowie die Internalisierung externer Effekte.
Was sind öffentliche Güter? Ein paar klassische Beispiele. Die Friedenssicherung gehört dazu…
… der Deichbau…
… oder die Straßenbeleuchtung.
Das besondere an öffentlichen Gütern: Sie werden von den Menschen gewünscht, aber ohne staatliche Bereitstellung würde es sie nicht geben. Obwohl es Bedarf gibt, entsteht kein Angebot. Es herrscht Marktversagen. Zwei Kriterien machen öffentliche Güter aus: “Öffentliche Güter zeichnen sich im Konsum durch die Eigenschaften Nicht-Ausschließbarkeit und Nicht-Rivalität aus.“
Im Detail:
Öffentliche Güter haben die Eigenschaft der Nicht-Ausschließbarkeit, d. h. die unzureichende Zuweisung oder Durchsetzbarkeit von Eigentumsrechten an dem Gut, wofür es verschiedene Gründe (ökonomische, technologische, institutionelle, normative, etc.) geben kann. Beispiel: In den Nutzen eines Deichbaus kämen auch jene Bewohner, die nicht für den Deichbau bezahlt haben. Warum soll sich folglich jemand an den Kosten des Deichbaus beteiligen? Wird der Deich nicht vom Staat bereitgestellt, unterbleibt der Bau, obwohl er allen nutzt.
Öffentliche Güter weisen keine Rivalität im Konsum auf – sie könnten zur gleichen Zeit von verschiedenen Individuen konsumiert werden. Um beim Beispiel zu bleiben: Die Tatsache, dass der Deich einen Bewohner schützt, verringert nicht den Schutze für einen weitern Bewohner.
Gibt es öffentliche Güter im Kulturbereich? Ja, bei digitale Medien.
Die unzureichende Durchsetzung des Schutzes des geistigen Eigentums führt dazu, dass es im Konsum (anders als bei iTunes) häufig eine Nicht-Ausschließbarkeit gibt (jeder hat kostenlosen Zugang zu digitalen Medien). Gleichzeitig führt die kostenlose Reproduktion auch zur Nicht-Rivalität im Konsum.
Die zweite Aufgabe des Staates: Sicherung von Bedarfsgerechtigkeit. Der Markt sorgt für Leistungsgerechtigkeit, aber nicht dafür, dass alle Menschen ein Mindestmaß an Auskommen haben. Soweit die Gesellschaft kulturelle Teilhabe als Bedarfsgerechtigkeit definiert, soweit sind diese staatlichen Ausgaben keine Subventionen. Was gehört dazu? Kulturelle Daseinsvorsorge, wie z. B. Kulturbildung an Schulen, die Förderung von Jugendkultur oder kulturelle Mittel im Rahmen der Grundsicherung.
Dritte und letzte Staatsaufgabe: externe Effekte, besser gesagt die Internalisierung von externen Effekten.
Externe Effekte meint die unkompensierte Auswirkung ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer. Die Effekte gibt es in positiver und negativer Form und rechtfertigen prinzipiell einen staatlichen Eingriff.
An dieser Stelle kommt der amerikanische Ökonom Michael C. Munger zu Wort, der externe Effekte am Beispiel von Kartoffelchips erklärt.
Professor Munger spricht über negative externe Effekte,….
… es gibt aber auch das Gegenteil, nämlich positive externe Effekte, ….
…. dass also der Nutzen, der aus einem Geschäft entsteht, Dritte betrifft. Weil diese sich aber nicht an der Finanzierung beteiligen, wird zu wenig von diesem Gut zu wenig bereitgestellt.
Ein klassisches Beispiel: Häuserfassaden. Der Staat fördert die Sanierung von alten Häusern, weil der Nutzen der Sanierung nicht nur dem Hausbesitzer/-bewohner und der Sanierungsfirma einen Gewinn bringt, sondern auch den Menschen, die sich an der sanierten Hausfassade erfreuen.
Von Häusern zurück zur Kultur. Eine viel diskutierte Frage: Erzeugt Kultur positive externe Effekte? Wirkt ein Theaterbesuch über jene, die im Theater sitzen hinaus?
Ich vermute: Überzeugte Kulturschaffende wollen häufig genau dies, nämlich Kultur “herstellen”, die positive externe Effekte erzeugt, die nämlich über das hinaus wirkt, was gerade, etwa im Theater dem Publikum, gezeigt wird. Kulturschaffende wollen die Welt verändern, manchmal zumindest.
Ein passender Satz von Thomas Schmidt in der Zeit: „Der Zweck eines Theaters besteht ja nicht darin, Plätze zu verkaufen, sondern in Inszenierungen anschlussfähigen Sinn zu produzieren.“
Fazit: Aus liberaler ökonomischer Perspektive kann es staatlich Kulturförderung grundsätzlich aus allen drei Gründen geben, wozu der Staat legitimiert ist: Der Staat als Produzent öffentlicher Güter, der Staat als Erfüllung sozialer Aufgaben sowie der Staat zur Internalisierung externer Effekte. Das freilich heißt nicht, dass jede Kulturförderung immer eines der drei Kriterien auch erfüllt. Wohl eher im Gegenteil, so meine Vermutung. Meine Einschätzung: Kulturförderung erfüllt häufig keines dieser Kriterien (was sie per Definition zur Subvention macht).
Letzte Bemerkung. Welches Bewusstsein ich mir beim Umgang mit Staatsgeldern stärker wünschen würde? Dass das ausgegebene Geld, das Geld anderer ist, bzw. war.
“It‘s the other people ‘s money!”, sagt Milton Friedman, der 2006 verstorbene Wirtschaftsnobelpreisträger – und mein Lieblingsfreiheitskämpfer. Hier zum Abschluss ein kurzen Ausschnitt von Friedman aus einer Fernsehsendung aus dem Jahre 1975. Friedman erklärt darin das Grundproblem staatlicher Ausgaben im Allgemeinen und im Speziellen, warum vermehrte Einnahmen der Stadt New York das Leben dort nicht zwangsläufig besser gemacht hat.
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Warum verdienen Frauen weniger als Männer?
Veröffentlicht: 21. Februar 2013 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande | Tags: Diskriminierung, Einkommensverteilung, Gender Gap 1 Kommentar »Antwort von Professor Steve Horwitz: Nicht weil Frauen auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden, sondern weil Männer und Frauen unterschiedliche Entscheidungen treffen, verschiedene Lebenswege wählen. Frauen kümmern sich zum Beispiel häufiger um die Kindererziehung und wählen Berufe, die schlechter bezahlt werden.
siehe auch:
- Pixelökonom-Post: Marktergebnis oder Diskriminierung? Warum Frauen im Berufsleben seltener aufsteigen und weniger verdienen
- Interessant: In den USA verdienen junge Single-Frauen ohne Kinder mehr als Männer.
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Wer gebildeter ist, lebt gesünder – Aber schafft mehr Bildung auch mehr Gesundheit?
Veröffentlicht: 1. Februar 2013 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande | Tags: Bildung, DIW, Gesundheit 2 Kommentare »Das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW hat eine Studie veröffentlicht, welche den Zusammenhang von Gesundheit von Bildung untersucht hat. Genauer gesagt stellt die Studie (Datenbasis: SOEP) einen Zusammenhang von Bildungsabschluss von Müttern zum Gesunheitszustand ihrer Kinder her.
“Jugendliche rauchen häufiger, treiben seltener Sport und sind öfter übergewichtig, je niedriger der Schulabschluss ihrer Mutter ist. Zumindest ein Teil dieser gesundheitsbezogenen Unterschiede kann ursächlich auf die Bildung der Mütter zurückgeführt werden.”
Es wird nicht lange dauern, bis daraus folgende öffentliche Forderung erhoben werden wird: Dass es mehr Bildungsinvestitionen braucht, in diesem Fall für Frauen, damit es Kindern besser geht.
Doch der Zusammenhang von mehr Bildung gleich mehr Gesundheit könnte ein konstruierter sein. Denn möglicherweise ist die Korrelation eine Scheinrelation und in Wirklichkeit durch eine dritte, unberücksichtigte Variable beinflusst.
Etwa die von den unterschiedlichen Zeitpräferenzen der Menschen.
Manche Menschen leben stärker im Augenblick (Liberté toujours) und kümmern sich weniger um die langfristigen Konsequenzen. Sie rauchen, trinken und investieren beispielsweise nicht (durch anstrengendes Lernen in der Gegenwart) in einen zukünftigen Bildungsabschluss. Wem dagegen die eigene Zukunft wichtig ist, der überlegt sich die Sache mit dem Tabakkonsum zweimal und der ist auch eher bereit zu büffeln.
Wer also eher kurzfristig denkt, wird sich tendenziell sowohl ungesünder ernähren als auch weniger lernen. Das eine folgt also nicht dem anderen, sondern hat seine Ursache in einem dritten Grund, der Zeitpräferenz. Wenn dem so ist, dann ist die politische Forderung nach mehr Bildung für mehr Gesundheit unsinnig, weil nicht zielführend. Der Kausalzusammenhang ist schlicht nicht vorhanden.
Möglich ist allerdings auch, dass es die Kausalkette doch gibt, wenn auch indirekt. Wenn nämlich Bildungsinvestitionen den Horizont erweitern. Vielleicht wird, wer sich bildet, dessen Zukunft wichtiger. Gerade weil er die Ernte seiner Arbeit erst in der Zukunft einfahren wird. Dann wäre die Kausalkette folgelnde: mehr Bildung -> Zukunft wird wichtiger -> gesundheitsschädigendes Verhalten nimmt ab. Dann wiederum würde tatsächlich ein Anstieg der Bildungsausgaben tendenziell die Volks(kinder)gesundheit verbessern.
Fazit: Der häufig gezogene Rückschluss, dass mehr Bildung die Menschen gesünder leben lässt, ist zumindest unsicher.
Ergänzung, 06. Februar 2013: Jan Marcus, einer der Autoren der Studie, hat sich unten im Kommentar zu Wort gemeldet und erklärt, dass in der Studie versucht wurde, den Einfluss von unbeobachteten Faktoren herauszurechnen. Ergebnis: „Zumindest ein Teil dieser gesundheitsbezogenen Unterschiede kann ursächlich auf die Bildung der Mütter zurückgeführt werden.“
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Was die Ehe mit der Euro-Krise zu tun hat
Veröffentlicht: 21. September 2012 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande | Tags: Eurokrise, Karl Homann, SWR2-Forum Schreibe einen Kommentar »Wer in seinem Leben noch keinen Zugang zur Lehre von der Ökonomie, also der Ökonomik, gefunden hat, dem kann geholfen werden. “Ökonomik – eine Einführung” heißt das 2005 erschienene Werk des erimitierten Wirtschaftsethik-Professors Karl Homann.
Es ist das einzige VWL-Lerhbuch, das ich kenne, welches, sozusagen ganzheitlich, verschiedene Theoriegebiete mit einem einheitlichen Ansatz zu verbinden versucht. Und nicht nur versucht. Im Kern erklärt es, wie die moderne Gesellschaft, als “ein Unternehmen der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil” (J. Rawls) funktioniert.
Ich habe es im Sommerurlaub gelesen. Es ist grandios erkenntnisreich.
Ich habe mir deshalb mit Interesse eine Radio-Talksendung (SWR2-Forum) mit dem Titel “Gut vernetzt“ (Download-Link) angehört.
Es ging um Netzwerke. Wie Kontakte die Karriere fördern können. Wie das Internet die Vernetzung der Menschen verändert. Karl Homann war eingeladen. Und ich finde es zitierenswert, wie Homann die Brücke von Freundschaft und Ehe hin zur Eurokrise schlägt (ab Minute 27:15):
Freundschaft, Ehe und Vertrauen bedürfen eines ökonomischen Fundaments – wobei ich das nicht im rein ökonomischen oder monetären Sinne verstanden wissen will. Wenn in einer Freundschaft oder Ehe eine Seite nur drauf zahlt, dann brechen Freundschaften weg, dann gehen Ehen auseinander, dann gehen Kooperationen vor die Hunde. Ein solches ökonomisches Fundament, im Sinne eines weiten Vorteilsfundaments braucht jede funktionierende Beziehungen.
Und auch die Moral braucht ein ökonomisches Fundament. Ich vergleiche das gerne mit einem Eisberg. Bekanntlich sehen wir von einem Eisberg nur ein Sechstel, das was über der Wasseroberfläche ist. Dieser Teil funkelt in der Polarsonne und wir fühlen uns magisch angezogen. Dieses Sechstel sind die Moral, die Ideale, die Visionen, die Begeisterung, die Zuneingung und ähnliches. Aber wir wissen, dass Fünfsechstel unterhalb der Wasseroberfläche treiben – und das ist das Fundament. Und wenn das wegschmilzt, dann können wir uns für die Ideale und Emotionen nichts mehr kaufen.
Ich bringe ein aktuelles Beispiel aus der gegenwärtigen Politik. Wenn die Politik glaubte, auf den großen Schwingen der Europabegeisterung die Vereinigten Staaten von Europa bauen zu können, ohne die ökonomischen Grundlagen in Ordnung zu bringen, dann fliegen uns die Dinge eben irgendwann um die Ohren, so wie das ja auch im Augenblick der Fall ist. Begeisterung trägt nur punktuell, drei oder vier Mal, aber wenn das ökonomische Gleichgewicht in ein Ungleichgewicht abrutscht, in dem einige immer drauf zahlen, dann geht jede Kooperation, jede Moral, jedes Vertrauen kaputt.
Wie Geld glücklich macht
Veröffentlicht: 24. April 2012 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande 1 Kommentar »
“At TEDxCambridge, Michael Norton shares fascinating research on how money can, indeed buy happiness — when you don’t spend it on yourself. Listen for surprising data on the many ways pro-social spending can benefit you, your work, and (of course) other people.”
Ökumene ökonomisch betrachtet
Veröffentlicht: 24. September 2011 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande | Tags: Ökumene, evangelische Kirche, Katholische Kirche, Kirche, Papst, Papstbesuch 4 Kommentare »Der Papst weilt zur Zeit bekanntlich in Deutschland. Alle Talkshows greifen den Besuch auf. Es werden Themen diskutiert, die schon seit vielen Jahren diskutiert werden. Zölibat, Sexuallehre, Missbrauch. Mich langweilt das ziemlich. Es fehlen neue Erkenntnisse.
Zumal, weil der Papst, wenn man seine verzwirbelten Texte entzwirbelt, wohl sagt, dass er gedenkt, wenig bis gar nichts an den Problemen zu ändern.
Einen Punkt aber finde ich interessant, wenn man ihn aus machtpolitischer Sicht betrachtet, nämlich die Diskussion um die Ökumene.
Jeder Diskussion darüber scheint die unausgesprochene gemeinsame Grundhaltung inne zu wohnen, dass Ökumene etwas Gutes sei, dass es Ziel von Katholiken und Protestanten sein sollte, sich anzunähern, sich wieder zu vereinigen.
Wegen dieser Grundhaltung hat der Papst gestern auch Erfurt besucht, war an der Wirkungsstätte Luthers. Was er sagte, waren nicht mehr als Höflichkeitsadressen. Er hätte auf das Wirken Luthers eingehen können, wie Luther damals die Fehler der katholischen Kirche offenlegte, er hätte ihn würdigen können, sagen können, dass Luther so handeln musste, wie er handelte. Der Papst tat es nicht. Warum sollte er die Missstände der katholischen Kirche von vor 500 Jahren ansprechen, wenn er nicht mal für die heutigen klare Worte findet?
Die Ökumene jedenfalls, das war in Erfurt auch durch Blumen gesprochen sehr verständlich, ist für den Papst kein Thema.
Dies wird eine von mehreren ernüchternden Erkenntnissen sein, wenn das Papamobil wieder in der Garage, der Papst in Rom und die Euphorie der Live-Events verflogen ist.
Ich frage mich allerdings, warum es einen unausgesprochen Konsens darüber zu geben scheint, dass Ökumene etwas Gutes sein soll.
Wer sagt, dass eine christliche Einheitskirche besser ist, als eine Vielzahl von Gruppierungen? Man kennt die Vorteile aus der Ökonomie:
- Vielfalt sorgt für Wettbewerb (Kirchen müssen mit guten Angeboten um Mitglieder werben),
- Vielfalt bringt Auswahl (Jeder Christ kann sich seinen Religionsvorstellungen entsprechend für eine Kirche seiner Wahl entscheiden),
- Vielfalt verhindert Machtmissbrauch (Es ist hinlänglich bekannt, dass Monopole zu unmoralischem Verhalten anregen).
Es spricht also aus meiner Sicht wenig für eine Vereinigung von Protestanten und Katholiken.
Am wenigsten Interesse an einer solchen Fusion dürften übrigens die Kirchenangestellten selbst haben.
Man kennt das von Übernahmeversuchen von Unternehmen. Oft stemmt sich das Führungspersonal verzweifelt gegen eine Übernahme, selbst wenn die Eigentümer der Firma einem Aufkauf positiv gegenüberstehen. Denn den angestellten Geschäftsführen droht mit der Übernahme der Verlust des Arbeitsplatzes.
Dieses Schicksal würden bei einer Fusion von Katholiken und Protestanten auch Kirchenangestellten widerfahren.
Ein Grund für eine Belebung der Ökumene könnte es dann aber doch geben: wirtschaftliche Notwendigkeit. Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche leidet seit Jahren unter Einnahmerückgängen, wegen der Kirchenaustritte. Zwei Kirchen bedeuten doppelte Kosten, ein Zusammenschluss würde Effizienzen schaffen.
Wer die Ökumene in Deutschland fördern will, der sollte sich deshalb für die Abschaffung der Kirchensteuer einsetzen. Würden die Einahmen der beiden Kirchen nicht mehr durch automatische Abbuchung von der Gehaltsabrechnung erfolgen, würden sie drastisch einbrechen. Die wirtschaftliche Not würde die Kirchen schnell an einen Tisch bringen.
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Luxusgut Bio
Veröffentlicht: 29. April 2011 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande | Tags: Öko, Bio, Lebensmittel, Luxusgut Schreibe einen Kommentar »Es ist nicht wirklich verwunderlich, aber dennoch interessant: Die Ökobewegung ist ein Wohlstandsphänomen! In der Nachkriegszeit hat sich kaum einer Gedanken darüber gemacht, unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert wurden. Was zählte, war Masse. Die Menschen mussten satt werden.
Heute werden in den reichen Ländern alle satt. Wir können es uns daher zunehmend leisten, andere Prioritäten zu setzen. Auf Qualität und Produktionsbedingungen wird mehr geachtet – offensichtlich aber nur bei steigenden Einkommen.
Auf dem lesenswerten Blog Economics Help ist nämlich nachzulesen, dass in England nach jahrelang zweistelligen Wachstumsraten im Zuge der Wirtschaftskrise die Nachfrage nach Biolebensmitteln im vergangenen Jahr um 9 Prozent gefallen ist.
Noch also scheint Bio ein Luxusgut zu sein. Mit weiter wachsendem Wohlstand wird sich auch das ändern. Bio wird der neue Standard werden.
Zahlst Du, dann darfst Du: Nirgendwo zeigen sich die Prinzipien des Kapitalismus anschaulicher als beim Eintritt
Veröffentlicht: 8. November 2010 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande 1 Kommentar »In Berlin stehen sie jetzt für Hitler an. Die Schlange am Deutschen Historischen Museum geht regelmäßig um mehrere Ecken. Eltern mit ihren Kindern warten, Jugendliche, Rentner – die Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“ fasziniert viele so sehr, dass sie bereit sind, eine Stunde und länger auszuharren.
Einen Ansturm erleben Museen selten. Regelmäßig übersteigt in Ausstellungsräumen die Zahl der Aufseher die der Besucher. Ein Museumsbesuch mag erkenntnisreich sein, aber er kostet auch. Nicht nur das Geld für den Eintritt, auch Zeit und Aufmerksamkeit.
Vom Philosophen Karl Popper stammt der Satz „Alles Leben ist Problemlösen“. Diese Erkenntnis dringt uns im Alltag nur selten ins Bewusstsein. Weil Probleme zu lösen, so selbstverständlich ist. Wir treffen Tag für Tag tausende Entscheidungen. Stehen wir unmittelbar nach dem Weckerklingeln auf oder bleiben wir noch ein paar Minuten im warmen Bett liegen? Kochen wir den Kaffee selbst oder holen uns am Bistro an der Ecke einen Coffee to go? Heben wir das Kaugummi-Papier auf, das uns beim Warten auf den Bus versehentlich zu Boden fiel, oder sparen wir uns die Mühe und versuchen den verachtenden Blick des Mitwartenden zu ignorieren?
Meist sind es kleine Probleme, nur die größeren werden uns bewusst. Letztere sind in einer Marktwirtschaft häufig Kaufentscheidungen. Wir geben Geld und erhalten etwas dafür. Butter, eine Prepaid-Karte fürs Handy, ein Auto, einen Urlaub. Je mehr Geld wir ausgeben, desto länger überlegen wir zuvor. Was geb ich, was bekomm ich? Nur, wenn der erwartete Wert größer ist, als der Betrag, den wir zahlen sollen, willigen wir in das Geschäft ein.
So entsteht im Kapitalismus der Wohlstand. Weil aus jedem Handel ein Mehrwert erwächst. Zumindest dann, wenn der erwartete Nutzen auch mindestens dem tatsächlich eintretenden entspricht. Ein Fußballspiel, für das 60.000 Stadionbesucher bezahlt haben und das, nach einem langweiligen Kick, 0:0 endet, ist eigentlich ein beträchtlicher gesellschaftlicher Wohlstandsverlust.
Was genau geschieht aber bei einer Kaufentscheidung? Was bringt Käufer dazu, einen bestimmten Preis zu akzeptieren? Und nach welchen Kriterien legt der Anbietende seine Preise fest?
Nirgendwo zeigen sich die Prinzipien des Kapitalismus anschaulicher als beim Eintritt. Nur wer zahlt, darf die Grenze überschreiten. Darf sich die Bilder der Ausstellung betrachten, seine Bahnen im Schwimmbad ziehen, mit der U-Bahn fahren.
Milliardenschwer ist jene Industrie, die ständig neue Wege sucht und findet, Barrieren zu errichten. Um nur jene durchzulassen, welche die Bedingungen akzeptiert haben. Kassensysteme, elektronische Ticketanlagen, Schranken – die Techniken sind so ausgeklügelt, weil auch jene, die das System überlisten wollen, schlau sind.
Ebenso komplex wie die Zutrittsbarrieren ist die Preisgestaltung. Einfach sind lediglich die zugrunde liegenden Motivationen. Deren gibt es zwei: Die einen wollen Gewinn und Umsatz maximieren, bei den anderen spielen soziale Aspekte eine Rolle. Vor allem staatlich subventionierte Kultureinrichtungen gestalten ihre Preise oft so, dass auch Menschen mit wenig Geld, eine Zugangschance erhalten. Zumindest dann, wenn sie sich einer bestimmten sozialen Gruppe zuordnen lassen.
Doch die Preisdifferenzierung nach Gruppen ist keineswegs nur ein soziales Gestaltungsmittel. Damit lässt sich auch der Gewinn steigern. Denn nur, wer viel hat, kann viel zahlen. Bevor aber, wer wenig besitzt, erst gar nicht zur Kasse schreitet, weil ihm der Eintritt zu teuer ist, wird er mit niedrigen Preisen gelockt.
Nicht immer treffen Preisvergünstigungen die Richtigen, tendenziell aber haben Studenten, Jugendliche und Familien weniger. Wer die Preise für jene niedrig hält, steigert seinen Umsatz, ohne beim zahlungskräftigeren Publikum auf Einnahmen verzichten zu müssen. Was sozial motiviert erscheint, dient der Gewinnmaximierung.
Manchmal lässt sich mit dem zahlenden Publikum sogar ein doppeltes Geschäft machen. Im Fußballstadion zum Beispiel. Dort variieren die Eintrittspreise besonders stark. Ein Logenplatz kostet mehrere hundert Euro, der Dauerkartenbesitzer im Fanblock zahlt pro Spiel dagegen nur ein paar Euro.
Eigentlich könnten die Veranstalter diese Karten teurer verkaufen. Aber sie hüten sich. Sie brauchen die Fans. Denn Fans machen Stimmung. Sie schwenken Fahnen, singen und grölen. Ohne diese Atmosphäre wäre ein Fußballspiel nur halb so schön. Auch und gerade vor dem Fernseher. Die Fans in den Stadien stützen die Einschaltquote. Die ist Milliarden wert. Gäbe es keine Fans, die Vereine müssten Schauspieler verpflichten. Es würde sich rechnen.
Von der schlauen Preispolitik der Fußballvereine können andere Einrichtungen lernen. Museen zum Beispiel. Denn ein Museumsbesuch ist ein Erfahrungsgut. Das ist problematisch. Denn man kann die Qualität erst dann ermessen, wenn sie konsumiert wird. Wer aber nicht weiß, was ihn erwartet, ist beim Geldausgeben zurückhaltend. Deswegen produzieren Filmemacher spektakuläre Trailer und Geisterbahnen auf Rummelplätzen sehen von außen oft angsteinflösender aus, als die Fahrt dann tatsächlich ist. Es wird dick aufgetragen, auf dass der potentielle Käufer in das ungewisse Geschäft einwilligt.
Museen tun sich schwerer, ihre Pfründe vor der Kaufentscheidung zu präsentieren.
Eine Möglichkeit, das Problem der Ungewissheit zu lösen, ist die Kasse nicht am Eingang, sondern am Ausgang aufzustellen. Gezahlt wird dann nach dem Konsum. Je länger der Museumsbesuch dauert, desto höher der Preis. Von den Ökonomen Bruno Frey und Lasse Steiner kommt dieser Vorschlag.
Ein Eintrittspreis nach Verbrauch habe den Vorteil, so die Wissenschaftler der Universität Zürich, dass der Besucher um so mehr zahle, je mehr ihm das Gesehene gefalle und er deshalb länger verweile.
Eine andere Methode um Besucherzahlen zu erhöhen und Besucherströme zu lenken: Die Staffelung der Preise nach Spitzenbesuchszeiten. Wer am Wochenende mehr verlangt und an schwächeren Tagen weniger, der steuert die Auslastung seiner Einrichtung.
Das Deutsche Historische Museum in Berlin übrigens denkt ebenfalls darüber nach, wie lange Warteschlangen in Zukunft verhindert werden können. Die Idee: Der Verkauf so genannter Zeitfenster-Tickets.
Wer an der Kasse bezahlt hat, darf dann nicht sofort die Ausstellung besuchen, sondern erhält erst zu einer vorgegebenen Uhrzeit Einlass, muss sich dafür aber auch nicht vor dem Eingang die Beine in den Bauch stehen. Bis 6. Februar ist die Hitler-Ausstellung noch zu sehen. Zeit genug, es besser zu machen als bisher.
Ist der Staat für unser Glück zuständig?
Veröffentlicht: 29. April 2010 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande | Tags: Brutto-Sozial-Glück, Glück, Lebensqualität, Richard Easterlin, Staat, Zufriedenheit 1 Kommentar »Der Staat soll die Menschen glücklich machen! Aristoteles hat dieses Postulat aufgestellt. „Zielgut der Staatskunst“ und „das höchste Gut im Gebiet des Handelns“, so schreibt der griechische Philosoph in der Nikomachischen Ethik, sei die „Glückseligkeit“.
Mehr als 2300 Jahre später scheint die Forderung aktueller denn je. Im südasiatischen Königreich Bhutan werden Glück und Zufriedenheit amtlich erfasst und im “Brutto-Sozial-Glück” ausgewiesen, die britische Regierung lässt untersuchen, wie man „glücklich sein“ messen und es zur Grundlage politischen Handelns machen kann, in die offiziellen US-amerikanischen Gesundheitsstatistiken fließen die empirischen Ergebnisse über die Zufriedenheit der Bürger ein und erst kürzlich haben die Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen im Auftrag des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ein Gutachten zur besseren Messung des ökonomischen und sozialen Fortschritts erstellt.
Bereits auf seiner ersten Pressekonferenz als Staatsoberhaupt hatte Sarkozy wissen lassen, dass ihm das Bruttosozialprodukt nicht mehr genüge, um den Wohlstand der Franzosen zu messen. Es müssten bessere und umfassendere Messdaten her. Vielleicht wollte Sarkozy nur von den niedrigen französischen Wachstumsraten ablenken.
Recht hatte er dennoch. Der Mensch lebt nicht vom BIP allein. Gesundes Essen, saubere Luft, Frieden, steigende Lebenserwartung: Vieles von dem, was uns wichtig ist, schlägt sich nicht in der Wachstumsstatistik nieder. Anderes wird erfasst, obwohl es den Wohlstand senkt. Wer etwa mit seinem Auto im Stau steht, der erhöht – da er Sprit verbraucht – die Wirtschaftsleistung, dabei verschwendet er Ressourcen und Nerven.
1974 hat der US-amerikanische Ökonom Richard Easterlin Untersuchungen veröffentlicht, wonach die Menschen zwar immer reicher werden, aber dabei nicht glücklicher. Dieses so genannte Erste-Welt-Paradox hat die empirische Wissenschaft mittlerweile mehrfach bestätigt.
Auch in Deutschland hat die Lebensqualitätsforschung seit Jahrzehnten einen festen Platz. Wir wissen heute, dass das absolute Einkommen eines Menschen viel weniger wichtig für seine Zufriedenheit ist als das relative (also wie viel er im Vergleich zu seinen Nachbarn und Freunden verdient). Wir wissen, dass Menschen, die ein Ehrenamt begleiten, glücklicher sind. Das Gleiche gilt für Menschen, die viele Freunde haben. Auch wer verheiratet ist, ist in der Regel zufriedener und ebenso, wer in einer Umgebung lebt, in der die ethnischen Unterschiede gering sind. Deutlicher als viele glauben, reduziert hingegen langes Pendeln zur Arbeitsstätte das Zufriedenheitsgefühl. Und der Verlust des Arbeitsplatzes wirkt sich verheerender aus als vielmals angenommen wird.
Was aber folgt aus diesen Erkenntnissen für die Politik? Sollen die Ergebnisse der Forschung in politische Entscheidungen münden?
Das 2006 beschlossene Elterngeld gilt heute als Erfolg auf dem Weg zur Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Weil die vollständige 14-monatige staatliche Unterstützung nur jene Familien erhalten, in der auch der Mann für mindestens zwei Monate eine berufliche Auszeit nimmt, steigt der Väteranteil seit der Einführung des Gesetzes stetig an.
Ein Wohlstandsgewinn?
Warum glaubt der Staat die Menschen bei ihren individuellen Entscheidungen in eine bestimmte Richtung drängen zu müssen? Warum lässt er nicht jedes Paar selbst entscheiden, wie sie ihr Leben organisieren wollen? Weil er glaubt es besser zu wissen! Darin liegt eine wesentliche Gefahr der Glücksforschung.
Dass der Staat Arbeitsplätze möglichst sicher machen soll, weil deren Verlust für viele dramatisch ist, dem wird vermutlich noch jeder zustimmen. Aber soll er auch das Heiraten fördern, weil Verheiratete in der Regel glücklicher sind? Oder die Migration beschränken, um ethnische Unterschiede zu reduzieren? Oder ein Ehrenamt für jeden zur Pflicht machten?
Wo Menschen zum Glück gezwungen werden, entsteht das Unglück.
Es stimmt zwar, dass wer ein Ehrenamt begleitet, in der Regel glücklicher ist. Aber würden jene, die bisher nicht ehrenamtlich arbeiten, dadurch ihr Wohlbefinden verbessern, wenn man ihnen ein solches Amt aufbürden würde? Vielleicht macht ja gar nicht das Ehrenamt glücklich, sondern jene Lebenseinstellung, die Menschen dazu veranlasst, eine solches Amt anzunehmen.
Nicht weniger problematisch wäre die Einführung einer Zielgröße für Lebensqualität, eines Glücksindikators sozusagen. Er würde zur Zielscheibe für Manipulation. Die Regierung würde mit Wohltaten versuchen, Befragungen positiv zu beeinflussen, die Opposition würde dazu aufrufen, Unzufriedenheit deutlich zu artikulieren.
In der Glücksforschung verhält es sich wie mit Heisenbergs „Unschärferelation“: Je genauer man hinschaut, desto stärker wird das Ergebnis beeinflusst. Indikatoren der Lebenszufriedenheit laufen Gefahr ihren Wert zu verlieren, sobald sie in den Fokus der politischen Aufmerksamkeit geraten.
Deshalb: Die Glücksforschung kann Orientierung geben, alles weitere muss in der politischen Diskussion und in Wahlen entschieden werden, also mit den Mitteln der Demokratie – übrigens jene Gesellschaftsform, welche nachweislich am glücklichsten macht.
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Gleiches Thema, nur ausführlicher:
Paper des Rates für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD): „Sind Indikatoren zur Lebensqualität und zur Lebenszufriedenheit als politische Zielgrößen sinnvoll?“
Dieser Artikel erscheint auch im Südkurier.
Warum riskieren Soldaten ihr Leben? Weil sie sonst ihr Leben riskieren! – Über die Ökonomie des Krieges
Veröffentlicht: 3. März 2010 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande | Tags: David Friedman, Economics of war, Frieden, Krieg, Soldaten 1 Kommentar »Alle Menschen sind ähnlich, jeder Mensch ist anders. Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte unterscheiden sich, in einem aber sind wir alle gleich: Wir wollen am Leben bleiben. Keine Motivation ist stärker, als die zu überleben. Das gilt auch und gerade für Soldaten.
Seit es Kriege gibt, haben sich deshalb ihre Organisatoren darüber Gedanken machen müssen, wie es gelingt, dass ihre Soldaten kämpfen, statt zu fliehen. Wie bringt man jemanden dazu, sein Leben zu riskieren, anstatt Reißaus zu nehmen und sich in Sicherheit zu bringen?
Tapferkeitsorden wurden erfunden und Ideologien entwickelt, auf dass der Einzelne sich opfere, für die gute Sache, für sein Volk. Doch die meisten Menschen sind nicht dumm. Schon gar nicht, wenn es ums eigene Leben geht. Verlässlich hilft deshalb nur der Zwang. Wer nicht kämpft, wird bestraft. Nicht selten steht auf Fahnenflucht die Todesstrafe.
Wie stark der Drang zu fliehen ist, zeigt die Kriegstaktik vergangener Jahrhunderte. Gekämpft wurde in der Regel in großen Formationen, auf weitläufigem, übersichtlichem Gelände. Außerdem wurden die Soldaten in auffällige Uniformen gesteckt. Wer floh, fiel auf. Wenn nicht sofort, dann nach der Schlacht.
Es ist paradox: Diese Kriegstaktik diente dem Schutz der eigenen Soldaten. Sie wurden so vor ihrem Untergang bewahrt. Denn wenn im Krieg jeder Armeesoldat seinem eigenen Interesse folgt, nämlich dem Interesse zu überleben, wird am Ende die ganze Armee sterben.
Beispiel: Sie sind Soldat in einem früheren Jahrhundert. Sie stehen in einer Schlacht in der ersten Reihe, mit einem Speer in der Hand. Sie werden angegriffen von reitenden Soldaten, die ebenfalls Speere haben und Schwerter. Ihre Lage ist also misslich. Sie können tapfer stehen bleiben und kämpfen, Sie können aber auch fliehen. Was tun?
Vielleicht werden sie überlegen, wie ihre Kameraden handeln werden. Bleiben alle stehen und kämpfen, dann ist es für Sie von Vorteil zu fliehen. Selbst wenn ihre Kameraden dem Ansturm auf Dauer nicht standhalten, haben Sie immerhin bei der Flucht einen Vorsprung. Wenn aber ihre Kameraden ebenfalls fliehen, dann würden Sie ganz alleine gegen die Reiterarmee stehen. Sie würden mit absoluter Sicherheit sterben.
Aus dieser Überlegung entsteht das Paradox: Egal wie sich ihre Kameraden verhalten, es ist für Sie immer rational zu fliehen. Geht man davon aus, dass sich alle Soldaten rational verhalten, werden alle fliehen. Die Folge: Die reitenden Soldaten werden die fliehenden überrennen und töten. Es wäre also besser, alle würden stehen bleiben und kämpfen. Die Wahrscheinlichkeit zu überleben wäre höher.
Es klingt nicht schön, aber es ist so: Die Todesstrafe auf Fahnenflucht kann dem Selbstschutz dienen. Sie verhindert, dass die rational richtige Entscheidung jedes Einzelnen dazu führt, dass jeder Einzelne am Ende schlechter dasteht.
Das beschriebene Problem existiert nicht nur im Krieg. Es begegnet uns auch im Alltag. Zum Beispiel beim Autofahren. Auf Kreuzungen im Feierabendverkehr. Die Ampel springt von grün auf gelb, auf der Kreuzung stehen bereits Autos, dennoch fährt man weiter. Wenn dann der Querverkehr Grünlicht bekommt, kann der nicht weiterfahren, da die Straße blockiert ist. Verhalten sich viele so (und es verhalten sich viele so!) kommen alle später nach Hause.
Es wäre besser, keiner würde auf Kreuzungen einfahren, auf denen sich der Verkehr staut. Aber niemand kann für alle entscheiden, jeder nur für sich selbst. Und die schnellste Möglichkeit nach Hause zu kommen, ist eben, auch noch bei Gelblicht auf die Kreuzung zu fahren, selbst wenn man auf ihr stehen bleiben wird.
Um solch individuell rationales, aber kollektiv schädliches Verhalten zu unterbinden, hat die Gesellschaft vielfältige Wege gesucht und gefunden. Moral und Anstand zum Beispiel (es wird an die Rücksicht der Verkehrsteilnehmer appelliert), aber auch Zwang und Strafe (Verbot des Einfahrens auf Kreuzungen bei stockendem Verkehr, StVO §11, Absatz1).
Auch die heutigen Kriegsorganisatoren müssen trotz technischen Fortschritts weiter das Paradoxon beachten. Statt Speeren wird mit Gewehren gekämpft, das Problem ist geblieben. Wer den Feind sieht, wer anlegt, wer zielt, der begibt sich selbst in Gefahr. Er kann gesehen werden. Wenn nicht von dem, auf den er zielt, dann von dessen Kameraden. Vielleicht also wird auf ihn geschossen, bevor er selbst schießt. Soldaten, deren höchstes Ziel das Überleben ist, werden sich lieber in ein Erdloch vergraben und dabei vielleicht ein paar mal in die Luft feuern. Die Statistik sagt: Vierfünftel aller Soldaten benutzen nie ihre Waffen, und wer sie nutzt, zielt oft schlecht. Nur eine von 100.000 Kugeln tötet einen Feind.
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Dieser Text erscheint auch im Südkurier und basiert auf dem Aufsatz „The Economics of War“ des Ökonomen und Rechtswissenschaftlers David Friedman.
