Wehe wer länger arbeiten möchte… #Rente63

Die Wirtschaftswoche lässt deutsche Ökonomen die Pläne von Union und SPD für die jetzt begonnene Legislaturperiode bewerten. Lesenswert! Besonders interessant: Die Bewertung der Rentenpläne durch Axel Börsch-Supan. Er macht nämlich darauf aufmerksam, dass die Rente mit 63 “zuschlagsfrei” sein soll, was bedeutet, dass alle, die länger (als 40 Beitragsjahre) arbeiten wollen, keine höhere Rente beziehen werden. Das ist doppelt ungerecht. Denn wer länger arbeitet, zahlt mehr ein und bezieht weniger lang Rente. Einen schlechteren Anreiz zu arbeiten, kann man sich kaum vorstellen.

Kein Blatt vor den Mund zu den Rentenplänen der Großen Koalition nimmt auch der Würzburger VWL-Professor Norbert Berthold im Post “(Noch) weniger Markt wagen!” auf dem Blog “Wirtschaftliche Freiheit”.

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“Euro scheitert an Allmende-Problematik”

Marvin Wolf von der Leibniz Universität Hannover hat seine Masterarbeit zum Euro und dem mit ihm verbundenen Allmendeproblem geschrieben (am Lehrstuhl von Prof. Dr. Stefan Homburg).

Die Arbeit macht all jenen wenig Hoffnung, die dem Euro ein langes Leben wünschen. Wolf schreibt in der Zusammenfassung:

“Theoretisch muss jede supranationale Währungsunion an einer ‘Tragödie der Allmende’ scheitern. Historisch werden die gewonnenen Erkenntnisse anhand der bedeutendsten Währungsunionen der Geschichte überprüft und erweisen sich als wahr. Damit behalten nicht nur die Kritiker des Euro Recht, vielmehr wird niemals eine zwischenstaatliche Währungsunion erfolgreich bestehen können.”

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What Went Wrong with Islamic Law? / Linktipp

“The nation state destroyed the traditional Islamic legal system”, schreibt der Jurist und Ökonom David Friedman in einem interessanten Blogpost. Das islamische Rechtssytem passe nicht zum klassischen Staatssystem, so Friedman. Weil beispielsweise das islamische Rechtssystemauf Authoritäten baue, statt auf Bürokraten. Spannende Frage: Was folgt daraus?

http://daviddfriedman.blogspot.com/2013/07/what-went-wrong-with-islamic-law.html

“Da kann sich jetzt jeder was Passendes aussuchen”

Die Wahlalternativen zur Bundesstagswahl hat noch keiner schöner beschrieben als Harald Martenstein im Tagesspiegel:

“SPD heißt: SPD-Politik. Mit Steuererhöhungen. Grüne heißt, SPD- Politik, aber mit starken Steuererhöhungen. CDU heißt, SPD-Politik, aber ohne Steuererhöhungen. Linkspartei heißt, SPD-Politik, aber wie anno 1950. FDP heißt, SPD-Politik, aber nur unter Protest. Piraten heißt, SPD-Politik, aber nach dem zweiten Joint. Da kann sich jetzt jeder etwas Passendes aussuchen.”

Warum werden Großprojekte regelmäßig teurer als geplant?

Warum kosten Großprojekte wie Stuttgart 21, Elbphilharmonie Hamburg, Kölner U-Bahn, Flughafen Berlin regelmäßig mehr als veranschlagt? Es liegt nicht an der Fehlplanung, nicht an falscher Einschätzung, nicht an der Unsicherheit infolge großer Komplexität. Das Problem ist in erster Linie systematisch bedingt, schreiben die Wissenschafter Bent Flyvbjerg und Alexander Budzier im aktuellen Wirtschaftsdienst:

Nicht die technische Bauausführung, sondern der politische Entscheidungs- und Steuerungsprozess bieten den größten Hebel für Verbesserungen.

Projektbefürworter, wie z.B. Planer, Bauunternehmen, aber auch Politiker, verdienten an Großprojekten, ohne am Kostenrisiko beteiligt zu sein, so Flyvbjerg und Budzier. Dies führe zu systematischen und politisierten Falschdarstellungen der Planungsannahmen und -risiken.

Ist das Problem lösbar? Ja, schreiben die Wissenschaftler. Indem man ein Projekt mit Vorgängerprojekten vergleiche und die dort gemachten Fehlplanungen (Kostenunterschätzung) in das aktuelle Projekt einpreist:

Optimismus bei Planungen kann mit einem einfachen Ansatz erkannt werden: der Außensicht. Statt ein Projekt als Summe vieler Kleinteile zu betrachten, kann die einfache Frage “Wieviel haben denn die letzten 20 Auftraggeber am Ende zahlen müssen?” einen Perspektivenwechsel bieten, der individuelle Fehleinschätzungen korrigiert.

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Wird durch den Rundfunkbeitrag das Fernsehprogramm schlechter?

Wie wird sich der neue Rundfunkbeitrag auf das Fernsehprogramm von ARD und ZDF auswirken? Es wird schlechter werden, argumentiert Leander Steinkopf stimmig im Feuilleton der FAZ. Weil man sich nun überhaupt nicht mehr um die (zahlungsfähige) Gunst der Zuschauer kümmern muss.

“Mit dem vergangenen Gebührenmodell hatten die Öffentlich-Rechtlichen noch einen monetären Anreiz, sich um die abgerissene Generation zu bemühen, sie vom Programm zu überzeugen, um so aus Nichtsehern Gebührenzahler zu machen. Dieser monetäre Anreiz fällt nun weg, da eine Pauschalsteuer auf Wohnungstüren erhoben wird. Es spricht also alles dafür, dass die Kundenzufriedenheit noch egaler und also das Programm noch unwichtiger wird, weil der letzte Wettbewerbsmechanismus einfach abgeschaltet wurde. Die Öffentlich-Rechtlichen machen sich völlig unabhängig, selbst von den Zuschauern.”

Der neue Rundfunkbeitrag hat aber noch einen zweiten Effekt: Der Protest wird zunehmen. Bis vergangenes Jahr gab es die Möglichkeit, um die Bezahlung an die GEZ herumzukommen. Das haben viele gemacht. Und unter den Nicht-Zahlern waren vermutlich viele Nicht-Seher.

“Gerade die jungen Menschen unter diesen Schwarzsehern sind in Wirklichkeit Nichtseher, und nicht wenige von ihnen sehen das Nichtzahlen für das Nichtsehen als gerechtfertigten stillen Protest gegen ein Medium, das sie nicht betrifft. Manchmal schauen sie sich eine Arte-Dokumentation auf Youtube an, Nostalgiker treffen sich sonntags in der Kneipe zum „Tatort“-Gucken, wenn überhaupt schauen sie ARD und ZDF nur mit ironischer Distanz.”

Die Möglichkeit, dass Nicht-Seher auch Nicht-Zahler sind, gibt es mit der neuen Zahlmethode nicht mehr. Wenn kein GEZ-Mann mehr an der Türe klingelt, kann man ihn auch nicht abweisen. Jetzt werden Gebührenbescheide zugestellt, falls man diese ignoriert, folgen Mahnungen. Spätestens dann könnte der Protest zunehmen, so Steinkopf: “Ohne Fluchtmöglichkeit aus der Gebührenpflicht könnten die Menschen auf die Straße gehen.”

Der Rundfunkbeitrag bringt für die Öffentlich-Rechtlichen also vielleicht nur auf den ersten Blick mehr Sicherheit. Nochmals Leander Steinkopf:

“Der Rundfunkbeitrag ist eine „Kurtaxe“ (Kirchhof), die den Verantwortlichen der Öffentlich-Rechtlichen auch die Erholung rauben könnte.”

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Kann der Staat die Wirtschaft retten?

Abwrackprämie für Autos und andere staatliche Stützungsprogramme sollen Konjunkturkrisen abfedern. Aber funktioniert das auch? Nein, zeigt Prof. Antony Davies in folgendem Video von Learn Liberty. Zumindest nicht in den USA.

Und dem Arbeitsmarkt habe es auch nichts gebracht:

“After three years of stimulus spending, the unemployment rate remains at 9 percent. One thing that has changed is that our government is now $4.6 trillion further in debt than it was before the stimulus efforts.”

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Sechs Lesetipps für’s Pfingstwochenende

Lesen bildet, manchmal zumindest, hoffentlich bei den folgenden Lesetipps von deutschsprachigen ökonomische Papers, die ich am Wochenende (zumindest teilweise) lesen möchte:

  • Die Batterie als Schlüsseltechnologie für die Elektromobilität der Zukunft: Herausforderungen – Potenziale – Ausblick / Um was es geht: “Mit dieser Arbeit wird eine Analyse bezüglich der Herausforderungen, Potenziale und dem Ausblick der Batterie als Türöffner für die Elektromobilität der Zukunft vorgelegt. Zunächst werden die technischen Grundlagen der Batterie dargestellt und die an sie gestellten Anforderungen für automobile Anwendungen aufgezeigt. Anschließend werden die für den automobilen Einsatz in Fahrzeugen aktuell am stärksten verbreiteten sowie sich in Entwicklung befindliche elektrochemische Speichersysteme vorgestellt. Daran schließt sich eine Erörterung derer Potenziale und Grenzen an. Dazu werden die Batterietechnologien anhand der Anforderungen untereinander verglichen und bewertet. Als vielversprechendste Schlüsseltechnologie zur flächendeckenden Einführung der Elektromobilität wird die Lithium-Ionen-Batterie mit ihren Potenzialen und Spannungsfeldern vertiefender behandelt. Dies erfolgt über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, beginnend bei der Rohstoffgewinnung über die Produktion und die Nutzung bis hin zum Recycling der Batterie. Im Fazit und Ausblick werden die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammenfassend dargestellt.”
  • Ökonomische Grundfragen der Klimaanpassung: Umrisse eines neuen Forschungsprogramms / Um was es geht: “Angesichts erfolgloser internationaler Klimaschutzverhandlungen und einer kaum zu erwartenden Trendumkehr bereits eingetretener klimatischer Veränderungen gewinnt die Option der Anpassung an den Klimawandel immer mehr an klimapolitischer Bedeutung. Zahlreiche Länder haben durch die Konzeption von Strategien oder Maßnahmenkatalogen bereits einen Anpassungsprozess angestoßen. Daher besteht ein großer Bedarf, diesen Prozess von wissenschaftlicher Seite zu begleiten. Der ökonomischen Disziplin kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu, v. a. im Hinblick auf die Ausgestaltung, Bewertung und Auswahl von Anpassungsmaßnahmen und -instrumenten. Das noch recht junge Feld der ökonomischen Anpassungsforschung wächst mit beträchtlicher Geschwindigkeit und weist bereits eine enorme Bandbreite an methodischen Ansätzen und Forschungsfragen auf. Vor diesem Hintergrund ist der vorliegende Beitrag bestrebt, eine systematische Strukturierung und Synthese der einzelnen Forschungsarbeiten vorzunehmen, um den politischen Akteuren einen Überblick über die wissenschaftlichen Empfehlungen und Erkenntnisse zu verschaffen, die diese bei ihren Entscheidungen berücksichtigen müssen. Ferner sollen offene Forschungsfragen identifiziert und darauf aufbauend Eckpunkte für die zukünftige Ausrichtung der ökonomischen Klimaanpassungsforschung konturiert werden.”
  • Zur Integration von Tieren in wohlfahrtsökonomische Analysen / Um was es geht: “Insbesondere die zunehmende Diskussion um die Probleme und Regulierung landwirtschaftlicher Nutztierhaltung hat dazu geführt, dass in den letzten Jahren zahlreiche ökonomische Analysen veröffentlicht wurden, die das Wohlbefinden von Tieren zum Thema haben (z. B. Köhler 2005; Makdisi 2011; Schrader 2009; Wille 2011). Allen diesen Arbeiten ist gemein, dass das Wohlbefinden der Tiere indirekt berücksichtigt wird. Das Wohlbefinden der Tiere beeinflusst die wohlfahrtsökonomische Beurteilung eines Sachverhalts dann, und nur dann, wenn es Menschen gibt, denen das tierische Wohl ‘etwas wert’ ist. Die Motive dafür können durchaus über ein enges Nutzenkalkül hinausgehen und moralisch oder altruistisch begründet sein. Dieser Ansatz ist sicherlich zufriedenstellender als wenn man Tiere nur unter dem Aspekt ihrer kommerziellen Nützlichkeit (im weitesten Sinn) berücksichtigen würde, gleichwohl trägt er nicht der Forderung Rechnung, Tiere und Menschen moralisch analog zu berücksichtigen. Diese Forderung ist in Bezug auf empfindungsfähige Tiere nicht nur von den utilitaristischen Vorvätern der Wohlfahrtsökonomie erhoben worden, sie wird auch von den meisten Tierethikern vertreten. Es überwiegt die Meinung, dass man innerhalb ökonomischer Analysen dieser Forderung nicht Rechnung tragen kann. Aus ökonomischer Sicht gelte ‘(farm animals’) value and importance is derived explicitly from what the contribute to economic output’ (McInerney 2004) und ‘(animals’) preferences and wellbeing have relevance only to the extent that they are important to (humans)’ (ebd.), weshalb Ökonomen ‘(have to) assign zero value to the welfare of any sentinent life with no spending power’ (Frank 2002). Wir schließen uns dieser Meinung nicht an, sondern wollen mit unserem Beitrag den Kreis der wenigen ökonomischen Arbeiten erweitern, die über den anthropozentrischen Rahmen hinausgehen. Unser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie man innerhalb der Wohlfahrtsökonomie einen Eigenwert der Tiere berücksichtigen kann.”
  • Innovationsverhalten in Familienunternehmen / Um was es geht: “Familienunternehmen gelten in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders innovativ und als Hidden Champions der deutschen Wirtschaft. In jüngster Zeit widmen sich Forscher vermehrt der Überprüfung dieser These und kommen zu diametral unterschiedlichen Ergebnissen. Einerseits wird Familienunternehmen ein besonderer Unternehmergeist bescheinigt, der sie besonders innovativ macht, andererseits soll die mangelnde Trennung von Eigentum und Kontrolle sowie unzureichende Diversifikation zu deutlich geringer Innovationsaktivität führen. In dieser Studie untersuchen wir Innovationsaktivitäten von 436 deutschen Industrieunternehmen unterschiedlicher Rechtsformen, Größen, Alter, Industrien und vor allem unterschiedlicher familiärer Beteiligung und Beeinflussung des Management und des Aufsichtsrates. Wir kommen dabei zu differenzierten Ergebnissen. Grundsätzlich wirkt sich sowohl familiäres Anteilseigentum als Beteiligung der Eignerfamilie im Top Management signifikant negativ auf Innovationsaktivitäten aus. Im Gegensatz dazu hat der Grad familiärer Kontrolle im Aufsichtsrat signifikant positive Auswirkungen auf das Innovationsverhalten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass inhabergeführte Unternehmen aufgrund von Risikoaversion wenig innovativ sind, während der Rückzug der Investorenfamilie in die Rolle eines Ideengebers und Kontrolleurs zu mehr Innnovationen führt.”
  • War all die Aufregung umsonst? Über die Auswirkung der Einführung von Studiengebühren auf die Studienbereitschaft in Deutschland / Um was es geht: “Dem vorliegenden Beitrag liegt die Forschungsfrage zugrunde, ob Studienberechtigte in Deutschland durch Studiengebühren von einem Studium abgehalten werden. Diese Fragestellung ist aus mindestens zwei Aspekten relevant: Erstens gibt es bislang nur wenige Arbeiten, die, bezogen auf die Bundesrepublik, den Effekt von Studiengebühren auf die Studierneigung untersuchen, und zweitens motiviert die hierzulande unterdurchschnittliche Studierneigung eine empirische Überprüfung der Wirkungsweise von Studiengebühren. Mit den Daten der HIS-Studienberechtigtenbefragungen der Jahre 1999 bis 2008 wird zunächst mit einer Mehrebenenanalyse überprüft, ob es durch die Einführung von Studiengebühren zu einem Rückgang in der Studierneigung gekommen ist. Aufgrund der methodischen Kritikpunkte, die man an dieser Stelle der Analysestrategie entgegenhalten kann, werden diese Ergebnisse weiter mit einer Difference – in – Differences (DiD) Schätzung validiert. Mit keiner der durchgeführten Analysen kann ein negativer Effekt von Studiengebühren auf die Studierneigung identifiziert werden. In Reaktion auf diese Ergebnisse wird in einem weiteren Schritt aus der Rational-Choice-Theorie heraus gefragt, warum sich kein negativer Effekt auf die Studierneigung beobachten lässt, obgleich sich die monetären Kosten für ein Studium erhöht haben. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass es mit der Einführung der Studiengebühren zu einer Aufwertung der Erträge für ein Studium gekommen ist.”
  • Energiewende ohne Markt? Ordnungspolitische Perspektiven für den deutschen Stromsektor / Um was es geht: “Durch die Katastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011 ist ein beschleunigter Atom-ausstieg in Deutschland beschlossen worden. Parallel steigen die Öl- und Benzin-preise dramatisch aufgrund der politischen Instabilität in der arabischen Welt. Grund genug für eine grundlegende Energiewende mit neuer staatlich gelenkter Energiepo-litik? Grundsätzlich ja, aber warum ohne Markt? Der deutsche Energiemarkt besteht aus mehreren miteinander verbundenen Märkten, dem für Strom, für Heizenergie (insbesondere Heizöl und Gas) und für Mobilitätsenergie (Benzin etc.). Diese sind größtenteils durch regionale Monopole, Oligopole oder Netzstrukturen gekennzeich-net. Enorme staatliche Eingriffe wie Subventionen und Regulierungen ergänzen das Bild. Schnelle und effiziente Anpassungen sind in einem solchen Innovationssystem nicht zu erwarten. Auch die von Bundeskanzlerin Merkel eingesetzte Energie-Kommission hat keine entsprechenden Vorschläge gemacht. Diese sind zudem noch nicht alle umgesetzt. Deutschland braucht daher ein marktwirtschaftliches Energie-konzept. Die Ordnungspolitik, basierend auf der Marktordnung Walter Euckens, ist in der Lage ein solches marktwirtschaftliches Konzept für die Energiewende in Deutsch-land bereitzustellen. Wie es für den Stromsektor aussehen kann, wird hier diskutiert.”
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Lesetipp: “Mit Dummheit Geld machen”

Heute Abend, 21.45 Uhr, ist Frau Merkel zu Gast bei Günther Jauch. Merkel werde zu Fragen nach der Lösung der Euro-Krise Stellung nehmen, heißt es von der ARD. Die Bundeskanzlerin sucht die Offensive. Die Mehrheit der Deutschen ist gegen den Rettungsschirm, der am kommenden Donnerstag, 29. September, im Bundestag zur Entscheidung ansteht.

Man weiß schon, was die Bundeskanzlerin sagen wird, dass nämlich ein überzeugter Europäer für die Krisenländern eintreten müsse. Sie sagt das zur Zeit ständig.

Nicht nur mir ist klar, dass die Politik Merkels eine Europa-Krise erst herauf beschwören wird. Wenn Länder für andere Länder haften und Steuerzahler Milliardenbeträge zum Stopfen von Haushaltslöchern in anderen Staaten aufbringen müssen, ist schlechte Laune kontinentalweit vorprogrammiert.

Ich habe in diesem Blog zu diesen Thema schon manches geschrieben. An anderer Stelle wird dazu auch viel gesagt, den unterhaltsamsten und bissigsten Text hat meiner Meinung nach aber der Tagesspiegel-Redakteur Harald Schumann verfasst.

“Mit Dummheit Geld machen”, heißt der heute online erschienene Artikel. Schumann erzählt darin, wie er aus Zorn über die Politik in der europäischen Schuldenkrise zum Spekulanten wurde. Unbedingt lesen!

Meine Lieblingsstellen:

Seit Jahren predigen Konzernfürsten und ihre Wasserträger in Regierungsämtern dem Volk die Regeln der Marktwirtschaft, um Lohnsenkungen für Arbeitnehmer und Steuersenkungen für Kapitalbesitzer zu rechtfertigen. Doch jetzt, da es um Banken und ihre vermögenden Kunden geht, zählen die Regeln des Marktes nicht mehr.

Die als “Rettung” getarnte Umverteilung zugunsten der Vermögenden geht weiter.

Alle Fachleute, die nicht der Finanzwirtschaft verbunden sind, plädierten unabhängig von ihrem politischen Standpunkt schon im Frühjahr 2010 für einen schnellen Schuldenerlass.

Ein Jahr nach der ersten Fehlentscheidung hat die Finanzbranche einen mächtigen Bündnispartner gefunden: Die EZB war über den – von den Regierungen gewünschten – Kauf von Anleihen der Krisenstaaten inzwischen selbst zu deren größtem Gläubiger geworden. Allein in Griechenland hat sie mehr als 50 Milliarden Euro im Feuer. Jeder „substanzielle Beitrag“ der Kreditgeber reißt nun auch in die Bilanz der EZB ein großes Loch. Mit seiner ganzen Autorität wehrte sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet daher gegen einen Schuldenerlass. Wieder und wieder warnten er und seine Kollegen für diesen Fall vor einem finanziellen Armageddon, nicht zuletzt, um ihre Ehre als Notenbanker zu retten.

Als die Regenten der Euro-Zone am 21. Juli in Brüssel zusammenkamen, um weitere 100 Milliarden Euro Kreditnachschub für Athen zu verabschieden, saß Bankenlobbyist Ackermann wie selbstverständlich mit am Tisch des zentralen Gesetzgebungsorgans der EU. Das sprach zwar allen demokratischen Prinzipien Hohn, aber es hatte seine innere Logik. Schließlich sollte die Finanzbranche einen „freiwilligen“ Beitrag leisten. Darum war konsequenterweise der globale Lobbyverband IIF beauftragt worden, ein Konzept vorzulegen, um die Teilnahme für die Betroffenen attraktiv zumachen. Einen solchen Plan der Frösche zur Trockenlegung des Sumpfes konnte aber niemand besser verklären als deren Chef selbst.