“We are currently living through a revolution in education”

Professor Davies ist überzeugt davon, dass sich die Art der Bildung dramatisch ändert. Wegen des Internets, auch weil der Mensch den Wunsch und Willen hat zu lernen, und zwar immer dann, wenn er nicht fremdbestimmt ist. Und die Möglichkeiten, in dieser Freiheit zu lernen, nehmen zu, so Davies.

“We are currently living through a revolution in education. The way education is carried out and delivered, both in the United States and abroad, is changing dramatically. These changes are fueled in part by technology, but the main cause is a social transformation. All kinds of people are voluntarily cooperating to provide an education that they control and that reflects their desires rather than those of governments, large firms, or political movements.”

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Tut was für Gerechtigkeit! Kauft Porsche Carreras!

Porsche fahren, muss frustrierend sein. Zumindest in der Stadt. Zumindest hier in Berlin. Keiner gewährt einem Porschefahrer freiwillig Vorfahrt, selten erfährt er eine entgegenkommende Geste von einem Mitverkehrsteilnehmer. Und wenn, dann von einem anderen Porsche-Fahrer. Leiden verbindet.

Viele schauen neidisch auf Fahrer von SUVs und anderen Nobelkarossen. Und ist dieser oder diese über 50, wird hinter der Glasscheibe eine zwar wirtschaftlich erfolgreiche, aber privat gescheiterte Existenz vermutet.

Dabei ist Neid und Straßenverkehr keine gute Mischung. Denn Neid verringert Kooperationsbereitschaft. Die aber ist im Straßenverkehr, trotz aller Regeln, wichtig, bisweilen lebenswichtig.

Deshalb: Think different!

Keiner leistet mehr für die Umverteilung von oben nach unten als der Käufer eines Porsches. 19 Prozent des Bruttokaufpreises gehen per Mehrwertsteuer an die Gesellschaft, ein relevanter Teil als Einkommen an die Angestellten des Stuttgarter Autobauers, der wiederum selbst Steuern zahlt und die Sozialversicherungen füttert.

Und: Die Gesellschaft profitiert nicht nur einmalig vom Porsche-Fahrer. Die KFZ-Steuer ist gesalzen, eine Vollkaskoversicherung will bezahlt sein und bei der Mineralölsteuer wird stetig ein Beitrag an alle fällig (knapp 30 Liter auf 100 Kilometer braucht ein ordentlicher Porsche).

Wer also etwas für die Gesellschaft tun möchten und es sich leisten kann, der kauft bitte einen Porsche. Am besten den besten. Einen Porsche Carrera GT, Listenpreis: 452.690 Euro. – Und wenn das nächste mal ein Porsche-Fahrer um Einlass in die Hauptspur winselt: Freundlich reinwinken!

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Think big! An was die Debatte um die bessere Schule krankt

Es wird jetzt wieder viel über die “richtige Schule” gesprochen. Fragen wie diese werden gestellt und beantwortet:

  • Sollen Schüler Sitzenbleiben können?
  • Sind 12 oder 13 Jahre bis zum Abitur nötig?
  • Brauchen wir mehr oder weniger Frontalunterricht?
  • Sind für junge Menschen Gymnasien oder Gesamtschulen besser?

Wie eng Gedanken werden, wenn alle Menschen ihr ganzes Leben in einem einzigen System verbracht haben!

Wir müssen größer denken!

Wenn wir zu einer besseren Bildung kommen möchten, sind Antworten auf andere Fragen nötig:

  • Wie stärkt man die Motivation von Bildungseinrichtungen (Bildungsfirmen?) und Pädagogen, damit diese beste Bildung anbieten?
  • Inwiefern braucht es diese Institutionen und Personen überhaupt (noch)?
  • Wie hilft der technische Fortschritt Bildung zugänglicher zu machen, also die Motivation der “Schüler” zu erhöhen, indem etwa Lernen mehr Spaß macht?
  • Ist der Staat der richtige Bildungsträger? Oder zumindest das gefragt: Warum ist er der Einzige?

Wenn die Marktwirtschaft das beste System zur Schaffung von Wohlstand und Zufriedenheit ist, weil der Wettbewerb ein Entdeckungsverfahren um beste Lösungen ist, weil Menschen in Freiheit entscheiden, ob und wenn ja, was sie auf Märkten anbieten und nachfragen wollen. Wer also glaubt, dass die Marktwirtschaft dieses beste System ist, der kommt nicht an der Frage vorbei, warum wir bei der wichtigsten Wohlstandsvoraussetzung, der Bildung, den Wettbewerb ausgeschlossen haben. Warum hat der Staat noch immer weitgehend das Monopol auf Bildung inne? Warum werden Schulen und Universitäten vor allem vom Staat betrieben?

Nirgendwo liegt größeres Wachstums-, Glücks- und Selbstverwirklichungspotenzial als darin, die Frage nach der richtigen Bildung den Wettbewerb entscheiden zu lassen. Indem die Menschen selbst wählen, wie sie/ihre Kinder gebildet werden. Wir benötigen Strukturen, in denen der Staat höchstens die Bildungsstandards vorgibt, die es zu erreichen gilt. Wo das “Wie” der Zielerreichung privaten Institutionen überlassen wird.

Die Frage nach der richtigen Bildung kennt tausend Antworten. Menschen sind Individuen. Tragen wir den Unterschieden mit unterschiedlichen Wegen des Lernens Rechnung!

Wie viel Wohlstand haben wir vergeudet, wie viele Menschen in Schulen zu Mitläufern gemacht, weil jährlich auf Ministerialebene Schulreformen diskutiert werden. Jährlich neue. Oder jährlich alte. Auf einer Ebene, wo viele Interessen aufeinander prallen, jene der Schüler aber nur eine von vielen ist, anstatt die einzig relevante.

Die Schule, wie wir alle sie kennen, ist ein Relikt vergangener Zeiten. Wie alle Institutionen hat sie großes Beharrungsvermögen. Sie darf nicht bleiben wie sie ist. Unserer Kinder wegen.


Prof. Steven Davies denkt ähnlich:

Learn Liberty über dieses Video:

Did high school ever feel somewhat like a prison? Did it ever feel like being in a machine that had its own purposes and goals separate from yours? This feeling is not uncommon, and an examination of the development of the school explains why. Rather than being a tool to educate, the school as we know it today started as a way to produce obedient and loyal subjects, soldiers, and workers. It was never intended to develop the mind in any meaningful way. Education and schooling are often conflated, but there are many important distinctions between the two. Prof. Steven Davies argues that schools are not suited for educating and it is high time we move away from the idea of the school as the only option for delivering education.

Siehe auch Pixelökonom-Post: Das Schuljahr ist zu Ende – ein guter Zeitpunkt zu fragen, wie wir Menschen bilden wollen

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Zu wenig und zu schlecht: Warum die Kinderbetreuung mangelhaft ist

Politik und Wähler wünschen mehr Kinderbetreuung. Doch den Wünschen folgen zu wenig Taten. Warum? – Weshalb wächst die Zahl der Kitaplätze unzureichend mit dem Wunsch von Eltern, ihre Kinder betreuen zu lassen? Oder um es ökonomisch zu sagen: Warum ist die Nachfrage seit Jahren größer als das Angebot?

Henrik Egbert von der Hochschule Anhalt (Fachbereich Wirtschaft Volkswirtschaftslehre) und Andreas Hildenbrand von der Justus-Liebig-Universität Gießen (Fachbereich Agrarwissenschaften) haben sich des Themas angenommen und geben Antworten in ihrem Paper “Strukturelle Hemmnisse für den Ausbau der Kindertagesbetreuung in Deutschland“.

Ihre Analyse: Es fehlt nicht nur an Quantität, sondern auch an Qualität bei der Kinderbetreuung in Deutschland.

Die Gründe: Sowohl auf dem Arbeitsmarkt für Fachkräfte als auch bei Kinderbetreuungseinrichtungen gebe es einen nur unzureichend funktionierenden Markt.

Wir argumentieren auf der Basis ökonomischer Theorien, dass die gegenwärtige Finanzierungsstruktur und die Struktur der Arbeitsmärkte für Fachkräfte für die Anbieter von Kindertagesbetreuung ungenügende Anreize setzen, um die vereinbarte Kombination aus Angebotsquantität und Angebotsqualität im vorgegebenen Tempo zu erreichen. Wir zeigen auf, dass auch das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgelegte Zehn-Punkte-Programm zum Ausbau der Kindertagesbetreuung diese Hemmnisse nur unzureichend aufgreift.

Im Folgenden eine Auflistung der Gründe, warum der Markt für Kinderbetreuung nur unzureichend funktioniert.

Die Fachkräfte-Ausbilder sind zum Teil gleichzeitig Betreiber von Einrichtungen. Die Folge: Das Interesse an besserer Ausbildung und damit höheren Ausbildungskosten und besserer Bezahlung der Ausgebildeten ist überschaubar.

Eine Ursache für den schleppenden Ausbau der Ausbildungskapazitäten an Hochschulen besteht möglicherweise in der Struktur des Ausbildungsmarkts für Fachkräfte. Der Ausbildungsmarkt wird von zwei Anbietergruppen dominiert: von Fachschulen für Sozialpädagogik in öffentlicher Trägerschaft und – vor allen in den westlichen Ländern – von staatlich anerkannten Fachschulen in kirchlicher Trägerschaft. Das heißt, ein Teil der Anbieter von Kindertagesbetreuungsplätzen, der – so wie andere Anbieter auch – auf dem Arbeitsmarkt Fachkräfte nachfragt, ist gleichzeitig ein Anbieter auf dem Ausbildungsmarkt für Fachkräfte. Ändern sich die Bedingungen auf einem dieser Märkte, wird unmittelbar der jeweils andere Markt und die Stellung der Akteure beeinflusst. Treten beispielsweise neue Anbieter wie Hochschulen in den Ausbildungsmarkt für Fachkräfte ein, können die alten Anbieter einen Teil der Nachfrage nach Ausbildung an die neuen Konkurrenten verlieren.

Aber auch die meisten Fachkräfte haben wenig Interesse an Weiterbildungen.

Das Einkommen von Fachkräften, die bei öffentlichen Trägern angestellt sind, ist tariflich fixiert. Es ist weitgehend unabhängig von individuellen Zusatzqualifikationen: Wird von einer potentiellen Fachkraft ein Hochschulabschluss anstelle eines Fachschulabschlusses erworben, dann bestehen anschließend keine monetären Anreize eine Tätigkeit im Bereich der Kindertagesbetreuung bei einem öffentlichen Träger, aufzunehmen.

Was es also braucht: Mehr Angebote bei der Hochschulausbildung und eine bessere Bezahlung für Menschen mit diesen höheren Abschlüssen.

Eine Erhöhung des Tariflohns nur für solche Beschäftigten, die einen Hochschulabschluss erworben haben, ist denkbar. Dies würde erstens Anreize für Fachkräfte setzen, nach ihrer Fachschulausbildung einen Hochschulabschluss zu erwerben und zweitens entstehen größere Anreize für Studienanfänger ein Studium mit entsprechender Studienrichtung aufzunehmen.

Aber wie kann es zu höheren Löhnen kommen? Eine Antwort: Durch mehr Marktwirtschaft, etwa indem mehr private Anbieter in den Markt für Kinderbetreuung einsteigen.

Bei einer marktorientierten Lösung sollte die Zulassung freier gewerblicher Träger nicht nur möglich, sondern Ziel politischen Handelns sein. Wenn Konkurrenz zwischen Anbietern geschaffen wird, dann haben nicht nur Nachfrager größere Partizipationsmöglichkeiten, sondern alle Träger werden über die optimale Personalstruktur in Hinblick auf den Berufsabschluss des eingesetzten Personals nachdenken.

Die Probleme liegen aber nicht nur auf der Ebene der Fachkräfte, sondern auch bei der Form der staatlichen Förderung.

Etwa bei der Verflechtung der Finanzierung durch Kommunen und Land („föderale Finanzierungsverflechtungsfalle“).

Die Kommunen übernehmen den größten Finanzierungsanteil im Vergleich zu Bund und Land, allerdings werden sie an den langfristigen Erträgen dieser Investitionen in die Humankapitalbildung nur gering beteiligt. Die ökonomischen Nutzen werden bei Bund und Ländern durch Steuereinnahmen und bei den Parafiski realisiert, nicht aber bei den Kommunen.

Zwar werde mit dem Zehn-Punkte-Programm des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf das Problem reagiert, aber nicht ausreichend, so die Studie. Denn grundsätzlich bestünde weiterhin das Problem, dass der Großteil der Förderung (vor allem in den Flächenländern) objektbezogen sei, das Geld also direkt an die Kita geht.

Bei dieser Form der Finanzierung wird das Kindertagesbetreuungsangebot von der öffentlichen Hand administrativ bestimmt, so dass die Präferenzen der Eltern bei der Angebotsplanung weitgehend ignoriert werden. Aufgrund der Möglichkeit die Eltern bei der Erstellung des Angebots weitgehend unberücksichtigt zu lassen, können diese nur begrenzt das bereitgestellte Angebot in Quantität und Qualität beeinflussen.

Die Studienersteller plädieren für eine stärkere subjektbezogene Finanzierung (wie sie tendenziell in Stadtstaaten bereits üblich ist), bei denen also Eltern, nicht Einrichtungen finanziell unterstützt werden.

Eine Option ist eine stärkere Fokussierung auf die subjektbezogene Finanzierung des Angebots, wie sie in einigen Stadtstaaten und Kommunen inzwischen umgesetzt wird.

Ein weiteres Problem: Zu wenige private Anbieter. Grund: staatlicher Einfluss, um nicht zu sagen Willkür.

Da frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung als eine öffentliche Aufgabe verstanden wird, gilt das Subsidiaritätsprinzip: Kommunen können selbst als öffentliche Träger auftreten, soweit freie Träger kein Angebot bereitstellen. Dieses ermöglicht den Kommunen, selektiv bei der Wahl der Anbieter vorzugehen, indem sie positiv oder negativ diskriminieren. Möglich ist dies, weil die Kommunen den Marktzugang für Träger von Kindertagesbetreuung kontrollieren können. Eine Folge ist auf regionaler Ebene das Entstehen monopol- und oligopolähnlicher Marktstrukturen.

Die Folge: Nur ein Bruchteil der Betreiber sind private.

Tatsächlich dominieren wenige Träger das Angebot an Kindertagesbetreuungsplätzen. Dieses sind zu circa einem Drittel öffentliche Träger (Kommunen und örtliche Träger) und zu circa zwei Drittel freie nichtgewerbliche Träger. Hierzu gehören als größte Trägerorganisationen Kirchen und Wohlfahrtsverbände. Unter den freien Trägern stellen gewerbliche Träger bundesweit prozentual eine Randgröße in Bezug auf das Betreuungsangebot und die Beschäftigung dar, obwohl deren Förderung durch die Kommunen seit 2005 prinzipiell möglich ist und in mehreren Ländern hierfür unterschiedliche Optionen geschaffen worden sind.

Hohe Fixkosten und der Widerstand von nicht privaten Trägern sind mögliche Gründe, wodurch neue Anbieter vom Markt abgehalten würden.

Eine mögliche Erklärung für den geringen Marktanteil gewerblicher Träger sind hohe Fixkosten. Hohe Fixkosten erschweren insbesondere kleineren Trägern den Marktzutritt. Größere Träger profitieren von der Fixkostendegression. Zudem können sie gegebenenfalls Skaleneffekte realisieren. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass öffentliche Träger und freie nichtgewerbliche Träger gegen eine Zulassung freier gewerblicher Träger Widerstände leisten. Als rationale Akteure haben diese Träger ein Interesse daran, ihre Dominanz zu behaupten, wenn es ihnen dadurch gelingt, ihre Ausgaben, insbesondere für die Angebotsqualität, niedrig zu halten. Findet kein oder nur wenig Wettbewerb um die Nachfrager statt, gibt es keinen oder nur wenig Druck auf die Träger, die Ausgaben zu erhöhen, um die Angebotsqualität zu verbessern.

Fazit

Im Kern sind es zwei Gründe, die den gewünschten Ausbau der Kinderbetreuung in Quantität und Qualität behindern. Der eine ist die falsche Form der Finanzierung des Betreuungsangebots (objekt-, statt subjektbezogen + Finanzierungsverflechtung), der andere die mangelhalfte Funktionsfähigkeit des Arbeitsmarktes für Fachkräfte.

Wir legen dar, dass die gegenwärtige Finanzierungsstruktur, mit der das Angebot der Träger bezuschusst wird, nicht förderlich ist. Zudem zeigen wir, dass jene Träger, die als Anbieter von Kindertagesbetreuung und als Ausbilder von Fachkräften auftreten, geringe Anreize haben, einen Ausbau der Kindertagesbetreuungsplätze und Fachschul- und Hochschulplätze mitzutragen.

Auswege

  • Mehr und bessere Hochschulangebote für Fachkräfte
  • mehr private Anbieter (verbessert sowohl die Quantität als auch die Qualität und führt zu besserer Bezahlung der Fachkräfte)
  • subjekt-, statt objektbezogene staatliche Förderung
  • höhere finanzielle Beteiligung von Land- und Bundesebene

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Alles Theater: Ein Abend mit den Protagonisten der deutschen Tarifpolitik

Prolog

Südkurier-Artikel vom 7. Februar 2007

Südkurier-Artikel vom 7. Februar 2007

Das öffentliche Leben kennt viele Bühnen. Auf einer findet – stetig wiederkehrend – der Konflikt um die Verteilung des Erwirtschafteten statt: die Tarifverhandlung. Als Sieger geht dabei regelmäßig jene Seite ab, welche die öffentliche Meinung hinter sich gebracht hat. Damit dies gelingt, versuchen Gewerkschaften wie Arbeitgeberverbände ihre eigenen Ziele hinter einem scheinbaren Allgemeinwohl-Interesse zu verbergen. Dieser Kampf um die Deutungshoheit ökonomischer Gegebenheiten wird ständig geführt. Zum Beispiel an einem Abend Ende Januar in einem Hotel in Berlin.

Bühne

Der farbige Portier des Radisson-SAS in Berlin-Mitte hat gut zu tun. Die Taxis stoppen im Minutentakt. Gesamtmetall hat eingeladen. Alle zwei Jahre organisiert der Dachverband der regionalen Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie ein zweitägiges Zusammentreffen für Mitglieder, Politiker und Pressevertreter. Man tauscht sich aus, diskutiert, trinkt, isst, genießt. Ein Ritual. In diesem Jahr soll es um die Globalisierung und ihre Folgen gehen. Zuvor aber empfängt der Portier in seinem schwarzen Frack alle Ankommenden. Das Gepäck wird aus dem Kofferraum genommen, durch die große, goldenfarbene Drehtüre getragen und an der Rezeption abgestellt. Dann tritt der Kofferträger einen Schritt zurück, nimmt seinen Zylinder vom Kopf, verbeugt sich, macht eine ausladende Handbewegung und wünscht einen „wunderschönen Aufenthalt.“ Wenig später treffen sich die Eingeladenen im Raum „Saphir“. Eine Podiumsdiskussion mit sechs Teilnehmern steht auf dem Programm.

Schauspieler

Hauptdarsteller: Martin Kannegiesser, 65, Unternehmer, seit September 2000 Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall; Jürgen Peters, 62, Gewerkschafter, seit August 2003 Vorsitzender der IG Metall. Nebendarsteller: Gesine Schwan, Ex-Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, leitet heute die Universität in Frankfurt an der Oder; außerdem: die Bundestagsabgeordneten Michael Fuchs von der Union, Heinich Kolb, FDP, sowie der Sozialdemokrat Ludwig Stiegler.

Handlung

Jürgen Peters darf als Erster sprechen. Selbstverständlich. Er ist als Chef der IG Metall sozusagen der natürliche Feind des Gastgebers. Und Feinde werden in einer zivilisierten Welt aufs freundlichste behandelt. Man zeigt die Zähne, indem man lächelt. Und Peters spielt – wie alle anderen auch – die ihm zugedachte Rolle routiniert. Der Gewerkschafter warnt vor niedrigen Gehältern („Wer sich chinesische Löhne bei uns wünscht, der ist auf dem Holzweg“), Rote-Pulli-Sozi Stiegler lobt die einheimischen Beschäftigten („Wir sind besser als wir glauben“), Quoten-Frau Schwan drängt auf die Berücksichtigung anderer als der traditionellen Wettbewerbs- kriterien („Die weichen Faktoren wer- den unterschätzt“), Unternehmerfreund Kolb warnt vor der ausländischen Konkurrenz („Wir sind hier nicht ein Ort der Seeligen“) und der konservative Fuchs beklagt Bildungslücken („Zu viele lesen schlecht und können kaum rechnen“). Am Ende redet Martin Kannegiesser. Und weil er der Gastgeber ist, spricht er am längsten. Auch er sagt, was man erwartet. Etwa dass die Chinesen viel belastbarer seien, „so wie wir Deutschen es noch vor 30 Jahren waren, aber heute nicht mehr.“

Publikum

200 Menschen haben Platz im Raum „Saphir“ und der Infokanal Phönix wird das Gesagte am nächsten Tag in mehrere Zehntausende Wohnzimmer bringen. Der Abend im Radisson-SAS- Hotel ist also nur ein kleiner Mosaikstein im Kampf um die Deutungshoheit, ein Kampf, der ständig geführt wird: im Fernsehen, in Zeitungen, im Internet. Das Objekt des Kampfes: die öffentliche Meinung. Denn die sitzt bei Tarifverhandlungen mit am Tisch. Gewerkschaften wie Arbeitgeber wissen, dass ein Streik um so länger durchzustehen ist, je mehr Menschen sich mit den Forderungen der Streikenden identifizieren.

Kritik I

Das Globalisierungsthema eignet sich für Arbeitgeber besonders gut zur Durchsetzung eigener Interessen unter dem Deckmantel des Allgemeinwohls. Dass es in Deutschland möglichst viele Arbeitsplätze geben sollte, ist zum Beispiel eines dieser Gemeinwohl-Anliegen. Dieses Ziel ist aber nur zu erreichen, wenn die einheimischen Arbeitsplätze konkurrenzfähig zu denen im Ausland sind. Das wiederum ist um so eher der Fall, je niedriger die Arbeitskosten sind. Das Anliegen niedriger Lohnabschlüsse begründen Arbeitgeber deshalb häufig mit den „Zwängen der Globalisierung“. Ihr Eigeninteresse verschweigen sie lieber. Dass nämlich ihr Gewinn umso höher ist, je niedriger die Arbeitnehmerein- kommen sind.

Kritik II

Arbeitgeber argumentieren mit den Zwängen der Globalisierung, Gewerkschaften mit der Kaufkraft. Durch hö- here Löhne hätten die Menschen mehr im Geldbeutel, wodurch sie mehr ausgeben könnten, was wiederum die Konjunktur ankurbeln würde. In der Folge entstünden neue Arbeitsplätze. Höhere Löhne seien also letztlich nicht nur gut für die Mitglieder der jeweiligen Gewerkschaft, sondern letztlich für alle. Was Gewerkschaften verschweigen: Auch die Gewinneinkommen der Arbeitgeber sind nachfragewirksam. Sie reinvestieren in die eigene Firma oder kaufen sich ein neues Haus. Triviales Fazit: Erhält der Arbeitnehmer weniger Geld, hat der Arbeitgeber mehr. Unter dem Kaufkraft-Gesichtspunkt ist Tarifpolitik also weitgehend ein Nullsummenspiel.

Epilog

Die Kameras im Raum „Saphir“ werden ausgeschaltet, das Licht gedämmt. Peters, Kannegiesser und Co. stehen auf, die Bühne verlässt aber noch keiner. Man plaudert, ist freundlich, von Konflikt keine Spur mehr. Die Schauspieler haben ihre Rollen verlassen. Und der schaufenstergroße Bildschirm am Bühnenrand verspricht auch für den Rest des Abends Harmonie. Dort nämlich wird der nächste Programmpunkt angekündigt: „Empfang und festliches Abendessen im Museum für Kommunikation. Bustransfer ab sofort vor dem Hotel.“


Dieser Artikel ist am 7. Februrar 2007 im Südkurier erschienen. Auf diesem Blog veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen eine Auswahl an Artikeln aus meiner Zeit beim Südkurier (1999 bis 2007), die bisher nur in Print vorliegen.   

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Let learning happen: Wohin sich unser Bildungssystem bewegen sollte

“School as we know them are obsolete”, sagt der Bildungswissenschaftler Sugata Mitra im sehenswerten Ted-Talk “Build a School in the Cloud“. Das vom britischen Empire gegründete und noch heute gängige Bildungssystem, in dem alle Menschen das Gleiche lernen, um allen Menschen das Gleiche zu vermitteln, sei überflüssig geworden, so Mitra. Zudem versuche dieses Bildungssystem über Drohungen Wissen zu vermitteln.

Es sei nicht mehr nötig zu drohen, damit wir lernen, sagt Mitra. Vielmehr gelte: Am besten lernt, wer  lernen will. Etwa, weil er eine Lösung sucht und für diese Lösung Wissen benötigt. Und: Aufnahmebereit sind wir vor allem dann, wenn wir gegenseitig voneinander lernen können. Der Bildungswissenschaftler Sugata Mitra zeigt anschaulich, dass die Technik von heute die Voraussetzungen für diese Formen des Lernen geschaffen hat.

Wie lange es wohl dauern wird, bis diese Erkenntnisse in unserem staatlichen Bildungssystem Fuß fassen? Meine Vermutung: Nie. Institutionen neigen nicht dazu, sich selbst abzuschaffen.


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Zwang oder besseres Leben: Warum machen sich immer mehr Menschen selbständig?

An die Vorstellung muss man sich noch gewöhnen: Die Arbeitswelt in Deutschland wird zunehmen von Selbständigkeit geprägt.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW Berlin hat sich die Entwicklung genauer angeschaut:

Die Zahl der Selbständigen ist in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit viel stärker gewachsen als die der Arbeitnehmer. Nach den Ergebnissen der amtlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung stieg die Zahl der abhängig Beschäftigten von 2000 bis 2012 um fünf Prozent, die der Selbständigen dagegen um 14 Prozent. Eine ähnlich starke Verschiebung zu selbständiger Erwerbstätigkeit hat es auch in den 90er Jahren gegeben. In den zwei Jahrzehnten davor war die Entwicklung dagegen umgekehrt.

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Was sind die Gründe für diese Entwicklung? 

Intuitiv fällt mir als ein Grund der technische Fortschritt ein, dass also die digitale Kommunikation freies und flexibles Arbeiten zunehmen ermöglicht und viele Menschen diese Möglichkeit gerne annehmen.

Die Studie des DIW geht auf diese Vermutung nicht explizit ein, legt dafür aber den Schluss nahe, dass der Trend weiter gehen wird, weil der Zuwachs besondern in jenen Bereichen groß ist, der grundsätzlich als zukunftsträchtig gilt.

Denn unter den Selbständigen…

1) … ist ein hoher Anteil an Akademikern.

Bei den Solo-Selbständigen sticht Deutschland deutlich heraus, denn in keinem anderen Land findet sich ein so hoher Anteil an Personen mit einem akademischen, einem technischen oder gleichrangigen nicht technischen Beruf in dieser Gruppe von Erwerbstätigen.

2) … ist ein Anstieg tendenziell in Zukunftsberufen zu beobachten.

Stark zum Wachstum beigetragen haben auch Lehrer und Dozenten, bildende Künstler, Steuer- und Wirtschaftsberater sowie IT-Kräfte und Personen in Pflegeberufen.

Allerdings: Ein Teil der Zunahme ist politisch bedingt. Zum Beispiel durch die Zunahme an Subventionen.

Der schubweise Anstieg rührt von zeitweilig starken Zugängen in die Solo-Selbständigkeit her – also von Gründungen. Das Ausmaß der Gründungen wiederum hängt auch von der Förderung ab, nicht zuletzt von der Subventionierung durch die Arbeitsverwaltung. So hat nach einem zuvor starken Anstieg die Zahl der geförderten Gründungen von 1997 bis 2002 stagniert. Zu einer enormen Erhöhung der Zahl der Solo-Selbständigen kam es ab dem Jahr 2003; damals wurde die Förderung (für „Ich-AG’s“) – auch angesichts steigender Arbeitslosigkeit – erheblich ausgeweitet. So ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit die Zahl der Bezieher des 2003 eingeführten Existenzgründungszuschusses bis Ende 2004 auf 220.000 gestiegen.

Weitere politische Regelungen spielen eine Rolle:

Zudem wurde im Jahr 2004 das Handwerksrecht liberalisiert, und es wurden vermehrt Selbständige aus den 2004 zur EU beigetretenen Staaten in Deutschland tätig. Überdies kam im Lauf desselben Jahres ein von der Politik unbeabsichtigter Sondereffekt hinzu: Mit der Ankündigung des Wechsels von der am letzten Lohneinkommen ausgerichteten Arbeitslosenhilfe hin zum bedarfsorientierten Arbeitslosengeld II fürchteten nicht wenige Personen, dass sie nach der Reform ihre Sozialleistungen einbüßen könnten. Um überhaupt noch staatliche Unterstützung zu erhalten, wurde vielfach eine Existenzgründungsförderung beantragt. Als dieser Sondereffekt nicht mehr zum Tragen kam und als ab August 2006 die Förderung durch die Arbeitsagenturen gestrafft, der Berechtigtenkreis eingeengt und die Förderungsintensität vermindert wurde, ließ auch das Wachstum bei der Zahl der Solo-Selbständigen deutlich nach.

Mit einem Vorurteil räumt die Studie übrigens auch auf, nämlich dass Selbständige grundsätzlich reich seien. Vor allem für Selbständige ohne Beschäftigte trifft das Vorurteil nicht zu:

 Bei den Einkommen zeigt sich eine sehr große Spreizung unter den Solo-Selbständigen. So liegt der Durchschnittswert (Mittelwert) weit über dem Median (mittleres Einkommen), also dem Wert, der die Einkommensbezieher in zwei gleich große Gruppen teilt. Ein Teil der Solo-Selbständigen kommt demnach auf weit höhere Einkommen als die große Mehrzahl der Erwerbstätigen, es gibt aber sehr viele, die nur geringe Einkünfte erreichen. Das mittlere Einkommen der Solo-Selbständigen liegt sogar unter dem der Arbeitnehmer. Die Situation der Selbständigen mit Arbeitnehmern ist dagegen viel günstiger, wenngleich es auch unter ihnen eine starke Einkommensspreizung gibt.

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Gut für Joseph Ratzinger, schlecht für die katholische Kirche

Laut Kirchenrecht darf ein Papst “zurücktreten”, wenn er dafür stichhaltige Motive hat. Benedikt XVI. hat seine Motive genannt (“Ich muss mein Unvermögen erkennen, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.”). Dennoch ist vor Joseph Ratzinger erst ein Papst zurückgetreten: Coelestin V. 1294. Warum das bisher so selten vorkam?

  • Weil Menschen in aller Regel deshalb mächtig werden, weil sie die Macht brauchen und deshalb an ihr hängen.
  • Weil ein Mensch mit der Wahl zum Papst für viele Gläubige eine Gottesähnlichkeit erhält, ein Zurück zum “normalen” Mensch dem Amt deshalb Glanz entzieht.
  • Weil in einer demokratischen Welt, in der das Arbeitsleben befristet und Amtszeiten endlich sind, ein Amt auf Lebenszeit als Besonderheit wahrgenommen und deshalb besonders viel Medienaufmerksamkeit erhält. Alt und gebrechlich werden in der Öffentlichkeit wenige Menschen. Das öffentliche Leiden von Johannes Paul II. hatte dem Vatikan größtmögliche Medienpräsenz beschert.

Die Entscheidung von Joseph Ratzinger ist in höchstem Maße verständlich (Georg Ratzinger: “Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe.”). Aus Sicht der Aufmerksamkeitsökonomie schadet sie der katholischen Kirche. Das Papst-Amt und damit die römisch-katholische Kirche verliert an Aufmerksamkeit und Einzigartigkeit und wird dadurch zu anderen Religionen weniger unterscheidbar –  ökonomisch gesagt: Es gehen Alleinstellungsmerkmale verloren.

Siehe auch Pixelökonom-Post: “Ökumene ökonomisch betrachtet

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Land ohne Studiengebühren: Warum jetzt auch noch Bayern einknickt

Jetzt also scheint die FPD in Bayern beim Thema Studiengebühren einzuknicken. Damit würde im letzten Bundesland die Beteiligung der Studenten an den Kosten ihrer Ausbildung fallen.

Das war abzusehen. Was hätte die arme FDP auch tun sollen? Das Thema “Pro Studiengebühren” ist ein Verliererthema in Deutschland, nur geschlagen von “Contra gesetzlicher Mindestlohn“.

Die Deutschen wollen einen Mindestlohn, die Deutschen wollen keine Studiengebühren. Aus vermeintlichen Gerechtigkeitsgründen.

Zum Teil ist das nachvollziehbar. Gerecht, im Sinne der Chancengerechtigkeit ist, wenn jeder, der die intellektuellen Voraussetzungen erfüllt, auch studieren kann. Die Kosten dürfen kein Hindernisgrund sein. Ungerecht ist, dass die gesamte Gesellschaft, also auch Arbeitslose und Menschen mit geringem Arbeitseinkommen, den Aufstieg einer Gesellschaftsgruppe (angehende Akademiker) finanzieren soll.

Keine Gesellschaftsgruppe verdient mehr als Akademiker, nirgendwo ist die Arbeitslosenrate geringer.

Die Finanzierung des Studiums durch die Gesellschaft ist eine gigantische Umverteilung von unten nach oben.

Wieso gibt es dennoch einen gesellschaftlichen Konsens über die Abschaffung der Studiengebühren? Weil, wie so oft, eine relativ kleine Gruppe von Profiteuren (Studenten) die Deutungshoheit über das Thema erlangt hat. Weil es für sie besonders viel zu gewinnen bzw. zu verlieren gibt, engagieren sie sich stark, organisieren Demos, besetzen Debatten, initiieren Volksbegehren. Im Gegensatz zur gesamten Gesellschaft der Finanziers. Weil alle zahlen, fehlt organisierter Protest. Welche Gruppe sollte “Pro Studiengebühren” auf die Straße gehen? Studenten? Rentner? Arbeitslose?

Vielleicht hat sich aber auch die Politik nur dumm angestellt. Hätte sie parallel zur Einführung von Studiengebühren die Studiumsfinanzierung deutlich ausgebaut, hätte sich das Argument, dass Studiengebühren ungerecht seien, weil es ärmere Menschen von Bildung abhängt, nicht verfangen.

Im Übrigen: Tatsächlich haben Studiengebühren auch ohne ausreichendes staatliches Finanzierungssystem Studenten nicht vom Studieren abgehalten. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat die Frage untersucht, “ob Studienberechtigte in Deutschland durch Studiengebühren von einem Studium abgehalten werden.”

Ergebnis:

Mit keiner der durchgeführten Analysen kann ein negativer Effekt von Studiengebühren auf die Studierneigung identifiziert werden.

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Wie viele Schulden haben die USA?

Das Video stammt von DemonOcracy.info, eine Seite, die sich auf die Visualisierung von schwer vorstellbaren, weil gigantisch großen Zahlen spezialisiert hat. So gibt es etwa auch eine anschauliche Grafik zu den Schulden der Welt und darüber, wer Griechenland Geld geliehen hat.

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