Viel reden, nichts sagen: Was man von Politikwissenschaftlern lernen kann

Disclaimer: Der Pixelökonom hat vier Semester Politikwissenschaft studiert. Er lebt heute, viele Jahre nach Studiumsende, in der festen Überzeugung, dass er im gesamten Politikstudium weniger gelernt hat, als in einer einzigen VWL-Vorlesung (Was nicht heißen soll, dass er in jeder VWL-Vorlesung etwas gelernt hat). Und: Der Pixelökonom ist der Meinung, dass der Grund für den mangelnden Erkenntnisgewinn nicht im Lebensstil seiner Studentenzeit liegt, sondern die Schuld ausschließlich in der Erkenntnislosigkeit des Studienfachs Politikwissenschaft zu suchen ist.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dietmar Herz,

diese Fähigkeit beherrschen in dieser Perfektion sonst nur Politiker: Ich habe Sie eben in der 45-minütigen Radiosendung SWR2-Forum mit dem Titel “Allein gegen alle – Deutschland und die Euro-Rettung” gehört. Und Sie haben es in diesen 45 Minuten geschafft, lediglich eine einzige These zu vertreten. Nämlich dass sich Deutschland in Europa zunehmend isoliert. Und dass das schlimm sei, weil die europäische Integration gefährdet sei. Dabei haben Sie die ganze Zeit gesprochen.

Sie haben nichts zur Geschichte gesagt. Warum Deutschland da steht, wo es steht. Nichts zum Verteilungsspiel, das jetzt in Europa gespielt wird. Nichts zu strategischen Interessen. Selbstverständlich nichts zu den ökonomischen Ursachen der Misere. Gott bewahre! Ein Politikwissenschaftler, der ökonomische Ursachen als Kern der Krise sieht. Das ist nun wirklich zu viel verlangt. Damit würde man ja sein eigenes Fach abwerten.

Stattdessen sagen Sie, in Variationen, nur diesen einen Satz. Dass eben Deutschland isoliert sei. Und Deutschland jetzt wieder Bündnisse schließen müsse. Aha. Es wäre schön, Sie fingen eine Stufe tiefer an und erklärten, was Sie mit europäischer Integration überhaupt meinen. Warum dies ein erstrebenswertes Ziel ist. Bei Ihnen scheint das  per Definition so zu sein. So verstehe ich Sie zumindest. Man kann eben nur wenig verstehen, wenn wenig gesagt wird.

Interessiert hätte mich auch eine Begründung dafür, warum Sie glauben, dass ohne gemeinsame Währung ganz Europa zusammenbricht. Dass es dann zu Desintegration kommen und Staaten in Nationalismen zurückfallen würden.

Ökonomen arbeiten da mit einer, zugegeben simplen, aber dafür ziemlich realistischen Annahme. Dass nämlich  Menschen (und im übrigen auch Staaten) zu ihrem Vorteil handeln. Die stärkste Integration in Europa besteht mittlerweile in der wirtschaftlichen Verflechtung. Sie ist zum Vorteil aller. Warum um alles in der Welt sollte dieser europäische Binnenmarkt zerfallen, wenn das ein oder andere Land wieder eine eigene Währung hat? Länder wie Dänemark oder Schweden haben ebenfalls eigene Währungen. Sind diese Staaten vielleicht nicht in Europa integriert?

Es grüßt

der Pixelökonom


By the way: Mein Lieblingssatz der SWR2-Sendung stammt von Henning Krumrey, Stellvertretender Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“, der zusammen mit dem Politikwissenschaftler Herz in der Diskussionsrunde saß. Herz hatte den luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker als vernünftiges, konservatives Gegenbeispiel zur “unvernünftigen Blockadepolitk” von Angela Merkel ins Spiel gebracht. Darauf antwortet Krumrey ab Minute 12:10:

“Herr Juncker ist nicht nur ein Europa-Fanatiker, koste es was es wolle, vor alle wenn es andere was kostet, er hat auch mit seinem Finanzplatz Luxemburg ein großes Interesse daran, dass den Banken nichts geschieht, und will deshalb dass die Rettungspolitik immer weiter fortgesetzt wird.”

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2 thoughts on “Viel reden, nichts sagen: Was man von Politikwissenschaftlern lernen kann

  1. Oh toll! Das Buch hab ich jetzt schon so lange auf der Wunschliste, ich weidf gar nicht, wieso ich mir das nicht mal bestellt habe! >.<Ich lese gerne Fantasy, weil Lesen ffcr mich Abschalten vom Alltag ist und je wetier weg die Geschichte von einem 'normalen' Alltag ist, desto leichter fe4llt es mir und mir machts mehr Spadf 'abgefahrene' Sachen zu lesen, als Dinge, die mir selbst passieren/begegnen kf6nnten.

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